Baudarlehen von Lebensversicherern

Drastische Finanzierungslücken drohen

Wer sein Immobiliendarlehen als sog. "tilgungsfreien" Kredit abgeschlossen hat und die Tilgung am Ende der Laufzeit mit der parallel angesparten Lebensversicherung vornehmen wollte, muss sich auf erhebliche Finanzierungslücken einstellen. Denn das Konzept geht nur auf, wenn die prognostizierte Ablaufleistung aus der Versicherung zur Rückzahlung der Schulden ausreicht. Das aber ist wegen der gegenwärtigen – und voraussichtlich auch künftigen – Kürzungen der Überschussbeteiligungen mehr als fraglich.

Ohnehin ist die Finanzierung "tilgungsfreier Kredit" kombiniert mit "Kapital-Lebensversicherung" eine teure Sache. Bei den Rechenbeispielen, in denen das Modell gut abschneidet, werden die Kosten des Sparvertrages Lebensversicherung nämlich nicht offen gelegt und berücksichtigt! Würde man die Sparraten für die Lebensversicherung monatlich zur Kredittilgung einsetzen, wäre der viel schneller abbezahlt.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hat angeregt, dass die Versicherer ihre Kunden über die Auswirkungen der Ertragseinbrüche informieren. Doch auch, wer das Ausmaß der Deckungslücke bis jetzt nur erahnen kann, sollte – wenn möglich jetzt schon zusätzlich sparen, damit jedenfalls ein größerer Teil des Restkredites getilgt werden kann. Finanzierungsmodelle, die Ihnen jetzt von Ihrem Versicherungsunternehmen vorgelegt werden sollten Sie nicht ohne Prüfung unterschreiben!

Risiko der "Unterdeckung" liegt beim Kunden!

Reicht die zur Tilgung eines Immobiliendarlehens vorgesehene Ablaufleistung aus einer Kapital-Lebensversicherung nicht aus, um das Darlehen vollständig zu tilgen, so bleibt grundsätzlich der Kunde auf dem Schaden sitzen (BGH Beschl. v. 20. Nov. 2007, XI ZR 259/96).

Einer früheren, anders lautenden Entscheidung hat der BGH ausdrücklich widersprochen (OLG Karlsruhe; Urt. v. 04.04.2003, 15 U 8/02, veröffentlicht in NJW 2003, S. 2322).

Anderes kann gelten, wenn ein Makler die Finanzierung vermittelt hat (LG Itzehoe, Urt. v. 29.10.2009, 7 O 27/09).

Tausende Verbraucher sind kurz vor Ablauf ihrer Immobilienfinanzierung in einer gefährlichen Lage. Denn die aktuellen Kürzungen der Überschüsse führen nicht selten zu Deckungslücken von einigen Tausend Euro. Mit der jetzigen Entscheidung bleibt der Schwarze Peter bei den Kunden.

Unser Rat: Bloß keine Kapital-Lebensversicherung "als Tilgungsersatz" bei einer Immobilienfinanzierung vereinbaren!

Stand vom Donnerstag, 14. Oktober 2010

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