Strompreise: Wechseln und weniger verbrauchen

Mit schöner Regelmäßigkeit werden von fast allen Energieanbietern immer mal wieder die Strompreise angehoben. Dann ist die Rede von der EEG-Umlage und von gestiegenen Netzentgelten. Unser Rat: Kümmern Sie sich nicht um die Nebelkerzen, die die Anbieter werfen, und gehen Sie Ihren eigenen Weg.

Doch was können Sie tun, wenn die Preiserhöhung kommt? Abheften, brav zahlen und weiter machen wie bisher? Das ist eine Möglichkeit. Wir raten zum Wechsel des Anbieters.

Wechseln Sie den Stromanbieter

Immer mehr Verbraucher wechseln den Stromanbieter. 110.000 Hamburger waren es im Jahr 2016 laut aktuellen Zahlen von Stromnetz Hamburg. Das ist nicht schlecht, aber es geht noch besser. Verglichen mit anderen Metropolen ist die Wechselbereitschaft in der Hansestadt noch nicht so stark ausgeprägt, schreibt das Hamburger Abendblatt. Viele Hamburger haben ihren Stromanbieter nicht ein einziges Mal gewechselt und stecken weiterhin im teuren Grundversorgungstarif von Vattenfall fest.

Dabei stärkt der Wechsel den Wettbewerb. Und wenn die Reise überdies zu einem Ökostromanbieter geht, können Sie als Verbraucher zugleich etwas für den Klimaschutz tun und die Energiewende selber machen.

Wechseln ist ganz einfach: Sie suchen sich einen neuen Anbieter, kontaktieren diesen per Telefon, Internet oder Brief, und der neue Anbieter erledigt dann sämtliche Formalitäten mit dem alten Anbieter für Sie. Wichtig: Achten Sie auf die speziellen Kündigungsfristen Ihres Vertrags!

  1. Sind Sie Kunde in der Grundversorgung, können Sie Ihren Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.

  2. Haben Sie einen anderen Vertrag, sind Sie an die vereinbarte Vertragslaufzeit gebunden. Ändert Ihr Stromanbieter jedoch seine Preise oder die Vertragsbedingungen, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Das bedeutet: Sie können Ihren Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderungen kündigen.

  3. Beziehen Sie Strom für eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe, können Sie Ihren Anbieter auch frei wählen.

Erst suchen, dann kündigen: Nicht erst kündigen und dann suchen, sondern umgekehrt. Suchen Sie sich erst einen neuen Anbieter und lassen Sie diesen dann den Vertrag beim alten Anbieter kündige.

Wenn der Wechsel nicht klappt: Anders als in den Anfangsjahren nach der Liberalisierung des Strommarkts gibt es heute kaum noch massive Behinderungen des Wechsels, etwa durch Wechselgebühren des Altversorgers. Gleichwohl kann es durchaus zu Verzögerungen kommen. Dann sollten Sie sich umgehend an den neuen Versorger wenden und notfalls auch die Bundesnetzagentur informieren.

Sie werden nicht im Dunkeln sitzen: Die Angst, im Dunkeln zu sitzen, wenn der neue Versorger aus welchem Grunde auch immer ausfällt, ist unbegründet. Der Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, in diesem Falle Strom zu liefern. Grundversorger ist der jeweils größte Versorger am Ort – in Hamburg ist das Vattenfall. Sollte der – sehr seltene – Insolvenzfall des neuen Anbieters eintreten, zahlen Sie dann beim Grundversorger den Grundversorgungstarif, also den in der Regel teuersten Tarif. Da Sie aber innerhalb eines Monats wieder aus dem Grundversorgungsvertrag wechseln können, ist der Kosteneffekt für Sie nicht hoch.

Ökostrom beziehen: Wir empfehlen Ökostrom statt konventionellen Strom. Dadurch tragen Sie persönlich dazu bei, dass der Anteil an Strom aus Kohle und Atomenergie sinkt und der Anteil aus erneuerbaren Energien steigt. Das ist gut für den Klimaschutz und nützt Ihnen und Ihren Kindern und Enkeln. 

Die Preise für Ökostrom liegen zumeist über denen für konventionellen Strom. Doch ist der Preisunterschied geringer als noch vor einigen Jahren. Zudem: Je mehr Verbraucher sich für den umweltschonend erzeugten Strom entscheiden, desto geringer wird der Preisabstand zum konventionellen Strom. Wenn Sie Ökostrom beziehen wollen, gehen Sie zu einem konzernunabhängigen Ökostromanbieter – also wählen Sie nicht einen Ökostrom-Tarif bei einem der vier marktbeherrschenden Konzerne (E.on, RWE, Vattenfall, EnBW) oder bei einer von deren Töchtern (z.B. E wie einfach = E.on, Yello = EnBW).

Zum Verständnis: Strom ist Strom. Aus der Steckdose kommt das Gleiche – ob man nun bei Vattenfall oder einem kleinen Ökostromanbieter ist. Alle Stromversorger speisen ihren Strom in einen großen Stromsee, ob aus Atom, Kohle, Wind oder Wasserkraft gewonnen. Dieser Strommix landet dann in den Haushalten.

Will man als Verbraucher etwas für die Energiewende und den Klimaschutz tun, muss man dafür sorgen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien in dem Strommix steigt. Das geht nur, wenn man zu einem Anbieter wechselt, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bezieht. Das tun die großen Energiekonzerne in der Regel nicht. Verschiedene Gütesiegel wie das „OK Power Label“ und das „Grüner Strom Label“ helfen Ihnen bei der Auswahl.

Preise vergleichen: Für welchen Anbieter soll man sich nun entscheiden? Manche Verbraucher werden einen örtlichen Versorger bevorzugen, um die lokale Wirtschaft zu stärken. Andere werden sich nach dem Preis richten. Beziehen Sie für Ihre Kalkulation den Arbeitspreis (xx Cent/kWh) und den Grundpreis (xx Euro/Jahr) ein und berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Jahresverbrauch. Den Preisvergleich können Sie selbst vornehmen, indem Sie die Anbieter anschreiben oder anrufen. Sie können sich aber auch auf Vergleichsportalen informieren. Doch Achtung, viele Portale führen in unsichere Tarife oder locken mit unrealistischen Einsparpotenzialen.

Wenn Sie nicht selbst vergleichen wollen oder andere Fragen zum Anbieterwechsel haben, können Sie sich gern an unsere Energie- und Klimahotline unter Tel. (040) 24832-250 wenden und beraten lassen.

Weniger verbrauchen

Außerdem: Die konto- und klimaverträglichste Kilowattstunde ist immer noch die, die nicht verbraucht wird. Unsere Energieberatung unterstützt Sie mit Energiespartipps, den Verleih von Strommessgeräten zum Aufspüren von Stand-by-Verlusten und Hilfe bei komplexen Sanierungs- oder Bauvorhaben. Hier finden Sie eine Übersicht aller Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Dienstag, 18. April 2017

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