Vattenfall: Widerstand leisten, wechseln, weniger verbrauchen

Nicht nur Hamburgerinnen und Hamburgern flattern die Preisehöhungsschreiben ihres Energieversorger ins Haus. Mit schöner Regelmäßigkeit werden von fast allen Unternehmen immer mal wieder die Preise angehoben. In den Schreiben ist – wie so oft – die Rede von der EEG-Umlage und von gestiegenen Netzentgelten. Dabei gibt es keinen Automatismus, dass x Cent erhöhter EEG-Umlage zwangsläufig zu x Cent erhöhtem Verbraucherpreis führen. Denn die EEG-Umlage oder das Netzentgelt sind in der Kalkulation des Anbieters nur zwei Kostenfaktoren unter vielen. Während diese beiden Faktoren gerade gestiegen sind, haben sich andere vielleicht gesenkt. So profitiert Vattenfall als Energiehändler etwa von den niedrigen Strompreisen an der Leipziger Strombörse.

Doch die Gesamtkalkulation des Strompreises bleibt für Verbraucher eine Black Box. Alle Versuche, die Energieanbieter zur Offenlegung ihrer Kalkulation per Gericht zu zwingen, sind bisher gescheitert.

Unser Rat: Kümmern Sie sich nicht um die Nebelkerzen, die die Anbieter werfen, und gehen Sie Ihren eigenen Weg. Doch was kann man tun, wenn die Preiserhöhung kommt? Abheften, brav zahlen und weiter machen wie bisher? Das ist eine Möglichkeit. Wir schlagen eine andere vor: W W W – Widerstand leisten, Wechseln, Weniger verbrauchen. Wie das geht?

Widerstand leisten

Wenn ein Energieanbieter eine Preiserhöhung zum 1. Januar schickt, denken viele Verbraucher, dass der neue Preis mit dem 1. Januar in Kraft tritt. Das ist aber nicht automatisch so. Denn eine Preiserhöhung ist eine Vertragsänderung. Zur Änderung eines Vertrages gehören immer zwei – derjenige, der den Vertrag ändern möchte, und derjenige, der der Änderung zustimmt. Wenn Sie also der Änderung nicht zustimmen, kommt diese nicht zustande. Schweigen gilt bei Verbrauchern – anders als bei Kaufleuten – nicht als Zustimmung. Selbst wenn Sie sich also nicht rühren, kommt die Preiserhöhung (Vertragsänderung) nicht zustande. Der schlichte Weiterbezug des Stroms ist keine Zustimmung. Es ist aber zu erwarten, dass der Energieanbieter bei der nächsten Jahresabrechnung behaupten wird, die Erhöhung sei wirksam zustande gekommen, und Sie sich dann mit ihm streiten müssen.

Wenn Sie nicht schweigen, sondern protestieren, ist zu erwarten, dass der Versorger Ihnen kündigt. Dieses Recht haben Vattenfall & Co. Sie müssen sich dann einen neuen Anbieter suchen. Damit kommen wir zum zweiten großen W, dem Wechsel. Denn Sie können den Wechsel des Anbieters auch von sich aus, ohne dass Ihnen der bisherige Versorger gekündigt hat, betreiben.

Wechseln

Immer mehr Verbraucher wechseln den Stromanbieter. Das ist gut so. Denn der Wechsel stärkt den Wettbewerb. Und wenn die Reise überdies zu einem Ökostromanbieter geht, kann jeder Verbraucher zugleich etwas für den Klimaschutz tun und die Energiewende selber machen.

Wechseln ist ganz einfach: Sie suchen sich einen neuen Anbieter, kontaktieren diesen per Telefon, Internet oder Brief, und der neue Anbieter erledigt dann sämtliche Formalitäten mit dem alten Anbieter.

Bei einem unbefristeten Vertrag kann man monatlich aussteigen. Wenn man also Mitte Februar eine Preiserhöhung zum 1. April erhalten hat, kann man zum 1. April den Anbieter wechseln. Auch bei einem befristeten Vertrag hat man ein Sonderkündigungsrecht.

Wichtig: Nicht erst kündigen und dann suchen, sondern umgekehrt. Erst den neuen Anbieter suchen und diesen dann den Vertrag beim alten Anbieter kündigen lassen.

Wenn der Wechsel nicht klappt: Anders als in den Anfangsjahren nach der Liberalisierung des Strommarkts gibt es heute kaum noch massive Behinderungen des Wechsels, etwa durch Wechselgebühren des Altversorgers. Gleichwohl kann es durchaus zu Verzögerungen kommen. Dann sollten Sie sich umgehend an den neuen Versorger wenden und notfalls auch die Bundesnetzagentur informieren.

Jedenfalls ist die Angst unbegründet, im Dunkeln zu sitzen, wenn der neue Versorger aus welchem Grunde auch immer ausfällt. Denn der Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, in diesem Falle Strom zu liefern. Grundversorger ist der jeweils größte Versorger am Ort, zumeist ist dies der ehemalige Monopolist. Sollte der – sehr seltene – Insolvenzfall des neuen Anbieters eintreten, zahlen Sie dann beim Grundversorger den Grundversorgungstarif, also den in der Regel teuersten Tarif. Da Sie aber innerhalb eines Monats wieder aus dem Grundversorgungsvertrag wechseln können, ist der Kosteneffekt für Sie nicht hoch.

Ökostrom oder konventioneller Strom: Wir empfehlen Ökostrom. Dadurch tragen Sie persönlich dazu bei, dass der Anteil an Strom aus Kohle und Atomenergie sinkt und der Anteil aus erneuerbaren Energien steigt. Das ist gut für den Klimaschutz und nützt Ihnen und Ihren Kindern und Enkeln. 

Die Preise für Ökostrom liegen zumeist über denen für konventionellen Strom. Doch ist der Preisunterschied geringer als noch vor einigen Jahren. Zudem: Je mehr Verbraucher sich für den umweltschonend erzeugten Strom entscheiden, desto geringer wird der Preisabstand zum konventionellen Strom.

Wenn Sie Ökostrom beziehen wollen, gehen Sie zu einem konzernunabhängigen Ökostromanbieter – also wählen Sie nicht einen Ökostrom-Tarif bei einem der vier marktbeherrschenden Konzerne (E.on, RWE, Vattenfall, EnBW) oder bei einer von deren Töchtern (z.B. E wie einfach = E.on, Yello = EnBW).

Warum? Strom ist Strom. Aus der Steckdose kommt das Gleiche, ob man nun bei Vattenfall oder einem kleinen Ökostromanbieter ist. Alle Stromversorger speisen ihren Strom in einen großen Stromsee, ob aus Atom, Kohle, Wind oder Wasserkraft gewonnen. Dieser Strommix landet dann in den Haushalten. Will man als Verbraucher etwas für die Energiewende und den Klimaschutz tun, muss man dafür sorgen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien in dem Strommix steigt. Das geht nur, wenn man zu einem Anbieter wechselt, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bezieht. Denn die großen Energiekonzerne gewinnen oder beziehen zwar auch Strom aus Wasser und Wind, bauen aber zugleich die Kohle- und teilweise im Ausland sogar die Atomstromproduktion aus. Auch wenn man den Ökostrom-Tarif eines Großkonzerns wählt, stärkt man – relativ gesehen – Kohle und Atom.

Wenn also nicht zu den großen Vier oder deren Töchtern, wohin dann? Wichtiges Kriterium ist, ob der Ökostromanbieter überzeugend nachweisen kann, dass er für den Ausbau der erneuerbaren Energien sorgt, also durch seine Nachfrage die Erweiterung der Produktionskapazitäten in Neuanlagen fördert. Ob dieses Kriterium eingehalten wird, kann durch eine Nachfrage beim Anbieter oder anhand von Gütesiegeln wie „OK Power Label“ und „Grüner Strom Label“ festgestellt werden.

Überregionale Anbieter, die nach unserer Kenntnis die genannten Kriterien erfüllen, sind: EWS Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom. Regionale Anbieter für Hamburg, die nach unserer Kenntnis diese Kriterien erfüllen, ist Hamburg Energie. Über regionale Anbieter für andere Regionen, die unsere Kriterien erfüllen, liegen uns keine Informationen vor. Informieren Sie sich bitte bei Ihrer örtlichen Verbraucherzentale.

Preise vergleichen: Für welchen der empfohlenen Ökostromanbieter soll man sich nun entscheiden? Manche Verbraucher werden einen örtlichen Anbieter bevorzugen, um die lokale Wirtschaft zu stärken. Andere werden sich nach dem Preis richten. 

Wichtig: Den Arbeitspreis (xx Cent/kWh) und den Grundpreis (xx Euro/Jahr) einbeziehen und dabei den persönlichen Jahresverbrauch berücksichtigen. Den Preisvergleich können Sie selbst vornehmen, indem Sie die Anbieter anschreiben oder anrufen. Sie können sich aber auch auf einem Preisvergleichsportal wie zum Beispiel www.naturvolt.de oder www.energieverbraucherportal.de informieren. Wenn Sie nicht selbst vergleichen wollen, können Sie sich gern bei der Verbraucherzentrale unter Tel. (040) 24832-250 beraten und helfen lassen. Weitere Infos dazu lesen auch in unserem Beitrag „Kostenfalle Anbieterwechsel?”

Weniger verbrauchen

Ob Widerstand oder Wechsel – für alle Verbraucher gilt: Die konto- und klimaverträglichste Kilowattstunde ist immer noch die, die nicht verbraucht wird. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale bietet Energiespartipps, Listen für sparsame Haushaltsgeräte, den Verleih von Strommessgeräten zum Aufspüren von Stand-by-Verlusten und Hilfe bei komplexen Sanierungs- oder Bauvorhaben. Hier finden Sie eine Übersicht aller Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Freitag, 15. April 2016

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