Klagen is'n Klacks gegen Teldafax?

(2. November 2012)

Der frühere Geschäfts­führer von Teldafax, Gernot Koch, muss an einen ehemaligen Kunden 549 Euro Schaden­ersatz plus fünf Prozent Zinsen zahlen. Dazu verurteilte ihn das Amts­gericht Lingen wegen vorsätzlicher Täuschung. Als betrügerisch wertete der Richter ein Teldafax-Schreiben, in dem der Billigstromanbieter den Kunden auffordert, seinen Jahres­energieverbrauch per Vorkasse zu zahlen, obwohl das Unternehmen zu diesem Zeit­punkt keine Energie mehr liefern konnte. Erstritten hat das Urteil Rechts­anwalt Florian Dälken von der Kanzlei Bauer, Dälken & Kollegen in Lingen. Das Urteil ist rechts­kräftig, da der Urteilsbetrag die Berufungssumme von 600 Euro nicht übersteigt und daher eine Berufung nicht möglich war (Amts­gericht Lingen, Urteil vom 21.09.2012, Aktenzeichen: 12 C 319/12).

Was bedeutet dieses Urteil für andere geprellte Teldafax-Kunden?

Das Urteil gilt nur zwischen den beiden Parteien, eine Erstreckung auf andere Betroffene gibt es nicht. Das bedeutet, dass jeder Einzelne seine Forderung selbst einklagen muss, und zwar vor dem für seinen Wohnsitz zuständigen Amtsgericht (Streitwert bis 5000 Euro) bzw. Landgericht (ab 5001 Euro). Ein Erfolg ist dabei durchaus wahrscheinlich, allerdings nicht garantiert. Denn der Sachverhalt kann etwas anders liegen als in dem vom Amtsgericht Lingen entschiedenen Fall. Zudem kann bei gleichem Sachverhalt ein anderes Amtsgericht die Rechtslage anders beurteilen. Vor allem aber: Da schätzungsweise 700.000 Verbraucher betroffen sind, wird Geschäftsführer Koch nicht alle Kläger befriedigen können, ohne selbst insolvent zu werden. Wenn man sein Geld zurückholen will, ist also Eile geboten! Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Eine Klage beim Amtsgericht kann man selbst einreichen – es besteht kein Anwaltszwang. Es ist aber dringend zu raten, in diesem Fall einen Rechtsanwalt einzuschalten, der sich im Energierecht auskennt.

(13. Januar 2012)

Die Frist für die Anmeldung von Forderungenbeim Insolvenzverwaltrer läuft für Teldafax-Kunden am 31. Januar 2012 ab. Danach geht's zwar auch noch, löst aber für die Kunden Mehrkosten und wohl auch längeres Warten aus. Für die Anmeldung der Forderung sollte man das vom Insolvenzverwalter übersandte Formular verwenden. Wer bis jetzt noch kein Schreiben des Insolvenzverwalters mit der Aufforderung zur Anmeldung der Forderungen erhalten hat, sollte schleunigst tätig werden und seine Forderung anmelden. Betroffene müssen das Guthaben konkret berechnen und beziffern, notfalls durch Schätzung.

(4. Januar 2012)

Das Amtsgericht Bonn, bei dem die Insolvenzverfahren über die Unternehmen der Teldafax-Gruppe laufen, hat für die Gläubiger – also die Ex-Teldafax-Kunden – Antworten auf häufig gestellte Fragen ins Netz gestellt.

(16. Dezember 2011)

Immer mehr betroffene Teldafax-Kunden, die nochmal zur Kasse gebeten werden (siehe unten 9.12.2011), suchen Rat bei der Verbraucherzentrale. Die Fälle sind bunt gemischt. Dabei sind Verbraucher, die nie bei Teldafax Kunde waren, ebenso wie solche, deren Verbrauchsabrechnung nicht stimmt, vor allem aber solche, bei denen gar keine Abtretung der Forderung an die Firma, die jetzt die Forderung geltend macht (zumeist die Teldafax Services GmbH) erfolgt ist. Sollte einmal doch eine solche Abtretung vorhanden sein, halten wir diese für rechtlich zweifelhaft, da überraschend und intransparent, und damit nach AGB-Recht unwirksam.

Wie sollten Betroffene jetzt reagieren? Das Wichtigste: Nicht vorschnell das Verlangte zahlen. Erst einmal prüfen und dabei ggf. Rat bei einem Rechtsanwalt oder einer Verbraucherzentrale einholen. Man kann auch selbst dem Anspruchsteller - zumeist Creditreform oder Teldafax Services GmbH oder Insolvenzverwalter - antworten. Dabei ist die jeweils individuelle Fallkonstellation zu berücksichtigen. Hierfür finden Sie hier einen Musterbrief mit Varianten.  

(9. Dezember 2011)

Teldafax-Kunden, die ihrem geleisteten Vorschuss hinterher laufen, sollen jetzt noch einmal zur Kasse gebeten werden. Sie erhalten in diesen Tagen Post von dem Inkassounternehmen Creditreform im Auftrag des Insovenzverwalters Dr. Bähr. Die Briefe enthalten Nachforderungen, oft in dreistelliger, manchmal auch vierstelliger Höhe. Betroffen sind sowohl Strom- als auch Gaskunden. Nach unseren bisherigen Recherchen und den uns vorliegenden Fällen hat diese für die Betroffenen völlig überraschende Entwicklung folgenden Hintergrund:

Die Stromkunden haben zumeist ihren Vertrag mit der Teldafax Energy GmbH abgeschlossen, die Gaskunden mit der Teldafax Marketing GmbH. Die Lieferverträge enthalten zumeist eine Abtretungsklausel, wonach die Forderungen der Teldafax auf die Teldafax Service GmbH übertragen werden. Jetzt macht der Insolvenzverwalter für die letztgenannte Firma die Forderungen geltend, während die Kunden hinsichtlich der Anrechnung und Erstattung der von ihnen gegenüber den beiden erstgenannten Firmen geleisteten Vorkasse auf das Insolvenzverfahren verwiesen werden.

Viele Verbraucher fragen nun, was zu tun ist. Unser Rat:

- Nicht voreilig zahlen, erst einmal die Forderungen genau prüfen und ggf. bei einem Rechtsanwalt oder einer Verbraucherzentrale Rechtsrat einholen.

- Jeder Einzelfall muss geprüft werden. Handelt es sich überhaupt um den richtigen Liefervertrag? Bei dem Firmengeflecht der Teldafax kann da bei dem Insolvenzverwalter oder der Creditreform schon mal etwas durcheinander geraten sein.

- Enthält der von mir geschlossene Liefervertrag eine Abtretungsklausel?

- Sieht die Klausel die Abtretung an genau die Firma vor, die jetzt Forderungen geltend macht?

- Wenn das Alles gegeben ist, stellt sich die Frage, ob die Abtretungsklausel überhaupt wirksam ist. Hieran gibt es erhebliche Zweifel. Denn die Vorstellung der Kunden bei Vertragsschluss - wenn sie denn die Klausel überhaupt zur Kenntnis genommen haben - war sicherlich, dass es sich um eine reine Abwicklungsregel handelt, nicht aber um die rechtliche Grundlage für das jetzige doppelt böse Erwachen.

- Sollte sich in den sich abzeichnenden Gerichtsverfahren herausstellen, dass die Klausel von den Gerichten als unwirksam angesehen wird, hätte dies zur Folge, dass die Kunden mit ihrem Vorschuss aufrechnen können. Wir werden hier über die weitere Entwicklung berichten.   

(8. November 2011)

Wenig Hoffnung, viel Geduld - das ist für die Teldafax-Gläubiger nach dem Ergebnis der heutigen Gläubigerversammlungangesagt.

(7. November 2011)

Die Teldafax-Pleite ist die nach der Zahl der Gläubiger größte Insolvenz in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Am Dienstag, 8. November, findet die Gläubigerversammlung in der Kölner Staatenhalle statt. Die fasst bis zu 12.000 Personen. Würde nur ein Zehntel der Gläubiger kommen, reichte noch nicht einmal das Stadion des 1. FC Köln. Ob für die Ex-Kunden etwas zu holen ist, dazu finden Sie unten Hinweise.

(31. Oktober 2011)

Hoffnung für 700.000 Ex-Kunden von Teldafax? Der Insolvenzverwalter könnte 100 Millionen Euro Stromsteuer vom Bund zurückfordern, weil die Behörden seit längerem von der Überschuldung des Unternehmens wussten. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Für die geprellten Vorkassekunden bedeutet dies die vage Aussicht, dass dadurch wenigstens ein Teil ihrer Forderungen erfüllt werden könnte.  

(21. September 2011)

Brisantes Versäumnis: Die Finanzbehörden wussten offenbar schon früh, dass Teldafax die Insolvenz droht. Gewarnt haben sie die Kunden nicht. Dabei hätten sie viele Verbraucher davor bewahren können, auf den Stromanbieter hereinzufallen. Das fand jetzt die Süddeutsche Zeitung heraus.

(2. September 2011)

Der Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr teilt mit, dass das Amtsgericht Bonn am 1. September 2011 die Insolvenzverfahren über die Vermögen der TelDaFax Holding AG, der TelDaFax ENERGY GmbH, der TelDaFax SERVICES GmbH, der TelDaFax Marketing GmbH, der TelDaFax SALES GmbH, der TelDaFax DIALOG GmbH, der TelDaFax Network GmbH und der HugoTel Communications GmbH eröffnet hat.

Zur Anmeldung der Forderungen wird der Insolvenzverwalter allen bekannten Gläubigern ein personalisiertes Anmeldeformular senden. Dieses ist mit einem elektronisch lesbaren Barcode versehen und ermöglicht so eine sachgerechte Zuordnung und Bearbeitung der Forderungsanmeldung. Aufgrund der großen Zahl von rund 700.000 Gläubigern wird dieser Vorgang einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Gläubiger werden gebeten, auf ihr Anmeldeformular zu warten und von Anmeldungen auf anderem Weg abzusehen. Sollte ein Gläubiger bis zum 31.12.2011 vom Insolvenzverwalter nicht kontaktiert worden sein, sollte er seine Forderungsanmeldung selbstständig vornehmen.

Zum Vorgehen, nachdem die Forderungen zur Insolvenztabelle erfasst sind, sowie für Fragen rund um die Teilnahme an der Gläubigerversammlung verweist der Insolvenzverwalter auf das Merkblatt des Amtsgerichts Bonn.

Teldafax-Kunden, die Fragen dazu haben, wie man die Forderung zur Insolvenztabelle anmeldet, können sich an die Energierechts­beratung der Verbraucher­zentrale wenden (Mo - Do 10 - 18 Uhr, Tel. 0900 1 77 54 41; 1,50 €/Min. aus dem dt. Festnetz, mobil mehr).

(1. Juli 2011) Insolvenzverwalter für zwei weitere Teldafax-Firmen bestellt

Zum vorläufigeh Insovenzverwalter wurde am 28. Juni 2011 für die Teldafax Marketing GmbH sowie für die Teldafax Network GmbH Herr RA Dr.Biner Bährer bestellt. Wer einen Vertrag mit einer dieser Firmen geschlossen hat und von dieser aufgrund Vorkasse noch Geld zu bekommen hat, hat wenig Aussicht, sein Geld wieder zu sehen. Gleichwohl sollten Betroffene zumindest ihre Forderung bei dem vom Amtsgericht Bonn bestellten Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Biner Bähr, zur Insolvenz­tabelle anmelden, allerdings erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens (im Moment ist der Insolvenzantrag gestellt, ein Insovenzverwalter bestellt, das Insolvenzverfahren aber noch nicht eröffnet worden). Dabei helfen Rechtsanwälte oder die Energierechts­beratung der Verbraucher­zentrale (Tel. 0900 1 77 54 41, Mo - Do 10 - 18 Uhr (1,50 €/Min. aus dem dt. Festnetz, mobil mehr).

(17. Juni 2011) Teldafax stellt Energielieferungen ein

Der für die Teldafax bestellte Insolvenzverwalter teilt am 17. Juni 2011 mit: "Nach eingehender Prüfung der finanziellen Lage und aller Optionen hat die Geschäftsführung der TelDaFax mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters entschieden, die Belieferung der Kunden mit Strom und Gas vorübergehend auszusetzen. Davon sind sämtliche Energiekunden der TelDaFax betroffen, die von morgen an von ihren Grundversorgern mit Strom und Gas im Rahmen der Ersatzversorgung beliefert werden. Eine lückenlose Versorgung ist damit sicher gestellt. 'Das Moratorium ist notwendig geworden, weil die finanzielle Lage des Unternehmens zu den gegenwärtigen Vertragsbedingungen keine Belieferung aller Kunden erlaubt', erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr. Im Moment laufen Gespräche mit strategischen Investoren, um den Geschäftsbetrieb kurzfristig wieder auf eine solide Grundlage zu stellen, damit die Kunden möglichst bald wieder von attraktiven Energiepreisen profitieren können und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder eine Perspektive erhalten."

Diese Mitteilung werten wir als Signal für die verbliebenen Kunden, nun Teldafax zu verlassen. Stellt ein Energieversorger die Lieferung ein, so hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Kunden, die bisher noch nicht von der Kündigung des Netzvertrages durch den Netzbetreiber betroffen waren, die sich also noch in einem Vertragsverhältnis zu Teldafax befinden, sollten jetzt von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Musterschreiben weiter unten, darin Bezug auf die Liefereinstellung nehmen.

(14. Juni 2011) Teldafax meldet Insolvenz an

Der Energieversorger hat beim Amtsgericht Bonn Insolvenz angemeldet. Das teilte das Gericht heute (14.06.2011) mit. Die Insolvenz bedeutet für die Kunden nicht, dass sie im Dunkeln sitzen. Liefert Teldafax nach dem Insolvenzantrag keine Energie mehr, ist der örtliche Grundversorger zur unmittelbaren Übernahme der Versorgung verpflichtet. Das ist in Hamburg beim Strom Vattenfall und beim Gas E.on Hanse. Allerdings zum teuren Grund­versorgungs­tarif. Der Grund­versorgungs­vertrag ist ein unbefristeter Vertrag, aus dem man monatlich aussteigen kann. Das sollten betroffene Kunden auch schnell tun. Dafür sollten sie sich zunächst einen neuen Anbieter suchen. Der regelt dann den Rest mit dem alten (Grund)­Versorger, einschließlich der Kündigung des Grund­versorgungs­vertrages. Bei der Suche hilft die Verbraucher­zentrale (bei allgemeinen Fragen Energiehotline Tel. 040-24 832-250, bei Rechtsfragen Tel. 0900 1 77 54 41 (1,80 €/Min. aus dem dt. Festnetz, mobil mehr)).

Kunden, die Teldafax auch nach dem Insolvenzantrag beliefert, weil der zuständige Netzbetreiber Teldafax-Strom und -Gas immer noch weiterleitet, haben auch nach dem Insolvenzantrag kein Sonderkündigungsrecht. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag ist nur möglich, wenn der Versorger keine Energie mehr liefert. Es ist aber zu vermuten, dass jetzt auch die restlichen Netzbetreiber die Verträge kündigen.

Die meisten Teldafax-Kunden haben einen Vorkasse-Tarif. Sie haben also der Firma einen kostenlosen Kredit gegeben. Das vorgeschossene Geld zurückzuholen, wird jetzt sehr schwierig. Bei Teldafax wird es eine Reihe anderer gewichtiger Gläubiger, insbesondere Banken und Arbeitnehmer geben. Das bedeutet für die Energiekunden, dass sie wohl ihr vorgeschossenes Geld nie weider sehen werden. Gleichwohl sollten sie zumindest ihre Forderung bei dem vom Amtsgericht Bonn bestellten Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Biner Bähr, zur Insolvenz­tabelle anmelden, allerdings erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens (im Moment ist der Insolvenzantrag gestellt, ein Insovenzverwalter bestellt, das Insolvenzverfahren aber noch nicht eröffnet worden). Dabei helfen Rechtsanwälte oder die Energierechts­beratung der Verbraucher­zentrale (Tel. 0900 1 77 54 41, Mo - Do 10 - 18 Uhr (1,50 €/Min. aus dem dt. Festnetz, mobil mehr).

Den Kunden von Teldafax empfiehlt das Bonner Amtsgericht, mögliche Fragen zu der Insolvenz unmittelbar an das Unternehmen Teldafax zu richten. Dessen Mitarbeiter würden durch den vorläufigen Insolvenz­verwalter "entsprechend unterrichtet", hieß es in einer Mitteilung des Gerichts. Demnach wurde zu den Insolvenzverfahren zudem beim Amtsgericht eine Hotline eingerichtet, die unter den Anschlüssen 0228/702-2216, -2217, -1908 und -1909 erreichbar ist.

(17. Mai 2011) Vattenfall kündigt Teldafax den Netzvertrag

Vattenfall hat Teldafax den Netzdurchleitungsvertrag gekündigt, da Teldafax seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen ist. Eine solche Kündigung ist zulässig und andernsorts sogar deutlich früher erfolgt. Durch die Kündigung sind 15.000 Teldafax-Kunden in Hamburg (und 30.000 in Berlin) ab 18.Mai 2011 nicht mehr Teldafax-Kunden, sondern automatisch Vattenfall-Kunden in der Grundversorgung. Sie sitzen also nicht im Dunkeln, sondern werden von Vattenfall versorgt, allerdings zu dem teuren Grundversorgungs­tarif. Die betroffenen Kunden haben aber die Möglichkeit, sich umgehend einen neuen Anbieter zu suchen. Dabei gilt: Erst einen neuen Anbieter suchen, der regelt dann den Rest mit dem alten (in diesem Fall Vattenfall).

Wie sollten sich die betroffenen Kunden gegenüber Teldafax verhalten?

Wer wie die meisten Teldafax-Kunden einen befristeten Vertrag mit Vorkasse oder Kaution abgeschlossen hat, hat für die Restlaufzeit noch einen Erstattungsanspruch gegen Teldafax. Die Aussichten sind nicht sehr hoch, das Geld jemals wieder zu sehen. Gleichwohl sollte man den Anspruch geltend machen: Per Einschreiben/Rückschein einen Brief an Teldafax schreiben und darin die Zahlung des nicht verbrauchten vorgeleisteten Betrages binnen einer kurzen Frist von maximal 2 Wochen verlangen. Nach fruchtloser Ablauf der Frist bleibt einem nichts anderes übrig, als die Forderung auf dem Klageweg geltend zu machen. Ob man angesichts der prekären Lage des Unternehmens das Kostenrisiko eingehen will, muss jeder für sich entscheiden. Liegt eine einschlägige Rechtsschutz­versicherung vor, übernimmt diese wahrscheinlich die Deckung.

Zu empfehlen ist, den Zählerstand am Tag der Einstufung in den Grundversorger­tarif abzulesen - am besten im Beisein eines Zeugen.

Zudem sollte man sicherheitshalber in dem Brief an Teldafax den Vertrag kündigen, damit Teldafax nicht behaupten kann, dass noch ein Vertrag besteht. Hier ein Musterbrief.

Wer wie die wenigsten Teldafax-Kunden einen normalen, also unbefristeten Vertrag mit Abschlagzahlung abgeschlossen hat, hat Glück. Vielleicht war der Abschlag überhöht, aber die Erstattungs­ansprüche werden sich im Rahmen halten. Kunden, denen die Abschläge vor weniger als sechs Wochen abgebucht wurden, sollten sofort von ihrem Geldinstitut die Rückbuchung vornehmen lassen. Ansonsten heißt es für diese Kunden: Akte schließen und das dunkle Kapitel Teldafax vergessen.

Kündigungswelle der Netzbetreiber gegen Teldafax

Im März wurde bereits gemeldet (vgl. WELT vom 26.03.2011), dass mehr als 20.000 Gas- und Stromkunden von Teldafax Abschied nehmen müssen. Mehrere Netzgesellschaften, u.a. in Bremen und Essen, vor allem aber die Netzgesellschaft Berlin/Brandenburg, hatten der Teldafax gekündigt, weil diese die Netzentgelte nicht gezahlt hat. Die betroffenen Kunden müssen sich einen neuen Gasanbieter suchen. Zunächst werden sie vom regionalen Grundversorger versorgt, in Berlin beispielsweise von der GASAG. Dieses Schicksal ist auch für Hamburger und andere norddeutsche Teldafax-Kunden nicht ausgeschlossen. Wir raten daher, sich vorsorglich bald möglichst einen neuen Anbieter zu suchen.

Vorgeschichte: Insolvenzgefahr

Das Handelsblatt berichtete, der Energie- und Telefondienst­leister Teldafax sei seit längerem überschuldet, eine Insolvenz sei nicht ausgeschlossen. Teldafax bestreitet dies und sagt, man habe einen neuen Investor gefunden.

Als die Insolvenz sich abzeichnete, gaben wir diese Tipps: Was man als Teldafax-Kunde jetzt wissen sollte

Wenn es tatsächlich zur Pleite kommt, sitzen die Kunden nicht im Dunkeln. Die Stromversorgung ist sichergestellt. Wenn ein Anbieter pleitegeht, springt der Grundversorger für die Region ein. Das ist in der Regel der örtliche Ex-Monopolist, also beispielsweise die Stadtwerke. Der Grundversorger ist per Gesetz verpflichtet, Kunden aufzunehmen, die ohne Anbieter dastehen.

Die schlechte Nachricht: Für diese Kunden wird es deutlich teurer. Wenn man von einem Versorger aufgefangen wird, zahlt man automatisch den Grundversorgungstarif. Dies ist aber immer der teuerste Tarif, den der jeweilige Versorger im Angebot hat. Man kann den Tarif beim Grund­versorger oder den Anbieter allerdings monatlich wechseln.

Teldafax-Kunden, die noch nicht über den Netz­betreiber hinausgeflogen sind, einen unbefristeten Vertrag haben und angesichts der Situation jetzt wechseln wollen, können dies mit einer Kündigungs­frist von einem Monat tun. Einfach an den neuen Anbieter wenden, der regelt den Rest mit Teldafax.

Teldafax-Kunden, die noch nicht über den Netzbetreiber hinausgeflogen sind, die mit einem Vorkasse- oder Kautionstarif einen befristeten Vertrag haben, sollten sich gut überlegen, ob sie vorschnell aussteigen, da sie die vorgeleisteten Beträge verlieren. Ob tatsächlich Insolvenzantrag gestellt wird, ist noch offen. Und selbst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird der Insolvenzverwalter versuchen, das Unternehmen fortzuführen, also die Verträge zu erfüllen. Verständlich ist aber auch, wenn auch Vorkassekunden so schnell wie möglich aussteigen wollen. Diese Kunden sollten sich zunächst einen neuen Anbieter suchen und dann durch diesen Vertrag mit Teldafax lösen lassen. Sie gehen allerdings das hohe Risiko ein, die vorgeleisteten Beträge nie mehr wieder zu sehen.

Und die Moral von der Geschicht'?

Für die Suche nach einem neuen Anbieter kann man aus der Teldafax-Krise lernen: Der billigste Tarif ist nicht immer der beste. Die Anbieter, die bei einigen der Vergleichsportale im Internet stets vorne liegen, bieten vor allem Tarife mit Vorkasse und Kaution. Der Stromkunde zahlt also nicht wie üblich monatliche Abschläge und bekommt am Jahresende eine Abrechnung. Stattdessen zahlt er im Voraus für ein ganzes Jahr oder muss eine Kaution hinterlegen. Und geht damit ein Risiko ein. Wenn ich solch einen Vertrag abschließe, gehe ich eine Wette darauf ein, dass der Stromanbieter tatsächlich liefert und bis Ende der Vertragslaufzeit zahlungsfähig bleibt. Es handelt sich im Prinzip um einen kostenlosen kurzfristigen Kredit für den Anbieter. Im Falle der Pleite kann er den nicht zurückzahlen und der Kunde verliert doppelt: Das Geld ist weg und statt beim Strom zu sparen, zahlt er – zumindest kurzfristig – den teuersten Tarif seines Grundversorgers.

Die Chancen, sein noch nicht verbrauchtes Geld von einem insolventen Versorger zurückzubekommen, sind minimal. In der Regel ist beim Anbieter im Fall der Pleite nichts mehr zu holen. Dann kann man Kunden nur raten: Abhaken und beim nächsten Mal Hände weg von Dumpingtarifen.

Stand vom Dienstag, 6. November 2012

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