Mogelpackungen, Gentechnik, Lebensmittelverpackungen, Radioaktivität

Namen und Nummern nennen!

Aktuelle Nachrichten zum Fund von PCB/Dioxin in Eiern aus Nordrhein-Westfalen bzw. Niedersachsen lesen Sie in unserem Bericht aus dem Jahr 2012.

Dioxin in Eiern und Fleisch verunsichert die Verbraucher. Jetzt hilft nur Offenheit. Alle Namen der aufgefallenen Betriebe und Codes der belasteten Eier müssen von den Behörden veröffentlicht werden! Gegen die Betriebe vorzugehen reicht nicht – die Eier lagern bereits in den Kühlschränken der Verbraucher (das Dioxin wurde im November entdeckt!). Am 4. Januar 2011 veröffentlichte das Verbraucher­schutz­ministerium NRW die ersten betroffenen Erzeugercodes, Niedersachsen folgte am 5. Januar. Jetzt muss alles auf den Tisch! In der folgenden Tabelle, die wir ständig aktualisieren, finden Sie die bislang bekannten Codes der belasteten Eier. Auf jedem Ei befindet sich ein Code als Stempelaufdruck (Erläuterung unten).

Tabelle: Eier mit Dioxin-Belastung über dem Grenzwert

Eiercode Haltungs-
form
Bundes-
land
MHD* bis
ein-
­schließ­lich
Quelle
2-DE-0513912
(Gewichtskl. XL)
Boden­­-
haltung
Nordrhein-
Westfalen
20.1.2011 Verbraucher­-
schutz-
ministerium
NRW
3-DE-0514411
(nur braune
Eier)
Käfig-
haltung
Nordrhein-
Westfalen
20.1.2011 Verbraucher­-
schutz­­-
ministerium
NRW
1-DE-0508762 Freiland-
haltung
Nordrhein-
Westfalen
28.01.2011 Verbraucher­-
schutz-
ministerium
NRW
2-DE-0508761 Boden-
haltung
Nordrhein-
Westfalen
28.01.2011 Verbraucher­-
schutz-
ministerium
NRW

Stand: 11.02.2011                     * MHD=Mindesthaltbarkeitsdatum

Die aus den Codes ersichtlichen Betriebe bleiben gesperrt, bis die Dioxinwerte für die produzierten Eier unter den erlaubten Grenzwert fallen. Verbraucher, die Eier mit diesen Eiercodes zu Hause lagern, sollten auf den Verzehr verzichten und diese zum Einzelhändler zurückbringen.

Viele besorgte Verbraucher melden sich bei der Verbraucherzentrale und wollen wissen, ob sie ihre zu Hause gelagerten Eier essen können. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert daher die Behörden der anderen betroffenen Bundesländer auf, dem Beispiel des Verbraucher­schutz­ministeriums Nordrhein-Westfalen zu folgen und für Transparenz für Verbraucher zu sorgen.

Neben Legehennenbetrieben haben auch Erzeuger von Schweine- und Putenfleisch dioxinbelastete Futtermittel erhalten. Am 11.01.2011 wurde bekannt, dass Dioxin auch im Schweinefleisch gefunden wurde. In einer Fleischprobe eines Schweinemastbetriebes in Niedersachsen sind Dioxinwerte über dem Grenzwert festgestellt worden. Alle Tiere aus dem Bestand werden getötet und entsorgt. Diese karge Information gibt das Niedersächsische Landwirtschafts­ministerium bekannt. Die voreilig gegebenene Zusicherung, dass kein belastetes Fleisch in den Handel gelangt ist, musste kurzer Zeit später wieder zurückgenommen werden. Weitere Informationen, z. B. welche Produkte betroffen sind, werden den Verbrauchern bisher noch vorenthalten.

Darüber hinaus wurden auch erhöhte Dioxinwerte im Schweinefleisch und im Fleisch einer Legehenne gefunden.

Aktuell musste das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung zugeben, dass offensichtlich doch nicht alle Lieferwege von dioxinbelasteten Futtermitteln bekannt waren. So hat ein Mischfutterhersteller im niedersächsischen Damme nach Aussagen des Ministeriums falsche Angaben darüber gemacht, welche Höfe mit Futtermitteln beliefert wurden. Insgesamt sind zusätzlich knapp 1000 Betriebe (darunter 110 Legehennenbetriebe, 403 Schweinemastbetriebe und 248 Ferkelmastbetriebe) betroffen, die jetzt gesperrt wurden. Einige der Futtermittelllieferungen sind auch in andere Bundesländer gegangen, unter anderem nach Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern. Eine Zusammen­stellung der Veröffentlichungen aller Ministerien der Bundesländer zum Dioxin­skandal finden sie hier (Stand 28.01.2011).

Inzwischen sind auch wieder Betriebe freigegeben worden, so teilt z. B. der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungs­formen (KAT) mit, dass der Betrieb mit den Stempelnummern 2-DE-0350121 und 2-DE-0350122 sowie der Betrieb mit der Stempelnummer 2-DE-0350372 wieder freigegeben ist, da die untersuchten Eierproben „keine Beanstandungen mehr hinsichtlich eines Nachweises von Dioxin ergaben“. Am 18.01.2011 wurde auch der Betrieb mit dem Eiercode 2-DE-0355461 vom Nieder­sächsischen Landwirtschafts­ministerium wieder freigegeben. Weitere folgten: 3-DE-0312141, 2-DE-0312142, 2-DE-0312151, 2-DE-0330412, 1-DE-0331313, 2-DE-0350384, 2-DE-0330411.

Handel muss Farbe bekennen

Die Verbraucherzentrale erwartet, dass der Einzelhandel alles tut, damit Verbraucher nur sichere Lebensmittel in den Regalen vorfinden. Bisher haben nur die Einzelhändler Aldi Süd, Lidl, Penny und Rewe im Internet ausgeschlossen, dass Produkte aus gesperrten Betrieben bzw. mit erhöhten Dioxinwerten in ihren Supermarktregalen liegen. Real schreibt halbherzig: „Wir sind dazu in permanentem Kontakt mit Lieferanten und Behörden. Dies gewährleistet, dass wir ständig auf dem neuesten Stand sind und einzelne Produkte bei einer eventuellen Dioxin-Belastung sofort aus dem Verkauf nehmen können". Aldi Nord, Edeka, Kaufland, Netto und toom verschweigen das Thema Dioxin auf ihren Internetseiten (Stand 14.01.2011). Wir fordern diese Einzelhändler auf, sicherzustellen, dass sie keine Lebensmittel aus gesperrten Betrieben anbieten, und dies auch mitzuteilen, damit Verbraucher wieder sorgenfrei einkaufen können.

Die häufigsten Verbraucherfragen

1. Kann man noch Eier essen? Bereits gekaufte Eier sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden, bis weitere Untersuchungsergebnisse bekannt gemacht werden. Eier, die die Grenzwerte überschreiten (siehe Liste), sind nicht verkehrsfähig und müssen vom Markt genommen werden.

2. Sind Bio-Eier eine Alternative? Bio-Eier sind nach dem derzeitigen Kenntnisstand von dem aktuellen Futtermittelskandal nicht betroffen, weil nach der EU-Öko-Verordnung den Futtermitteln keine isolierten Fettsäuren zugesetzt werden dürfen.

3. Woran erkennt man die Herkunft von Eiern, was bedeuten die aufgestempelten Codenummern? Die Herkunft der Eier erkennt man an dem Stempel auf dem Ei. Die erste Zahl stellt die Haltungsform dar: 0 = Biohaltung, 1 = Freilandhaltung, 2 = Bodenhaltung und 3 = Käfighaltung. Die Buchstabenkombination zeigt das Herkunftsland: DE steht für Deutschland (AT=Österreich, BE=Belgien, IT=Italien, NL=Niederlande, ES=Spanien). Dann folgen zwei Ziffern für das Bundesland (01=Schleswig-Holstein, 02= Hamburg, 03=Niedersachsen, 04=Bremen, 05=Nordrhein-Westfalen, 06=Hessen, 07=Rheinland-Pfalz, 08=Baden-Württemberg, 09=Bayern, 10=Saarland, 11=Berlin, 12=Brandenburg, 13=Mecklenburg-Vorpommern, 14=Sachsen, 15=Sachsen-Anhalt, 16=Thüringen). Danach kommt die vierstellige Betriebsnummer des Legebetriebes. Am Schluss steht die Stallnummer als letzte Ziffer.

Auf dem Eierkarton ist zusätzlich verpflichtend ein Code für die Packstelle der Eier vorhanden. Dieser führt oft zu Irritationen bei Verbrauchern, die diesen mit dem Eiercode auf dem Ei vergleichen. Beide Codes müssen nicht übereinstimmen, wenn z.B. die Eier in Deutschland nur verpackt  wurden (DE auf dem Karton), aber z.B. aus den Niederlanden (NL auf dem Ei) stammen. Die Verbraucherzentralen setzen sich für die Verbesserung dieser verwirrenden Kennzeichnung ein.

4. Wie gefährlich sind Dioxine? Dioxine gelten schon in geringen Mengen als krebserregend und sind hochtoxisch. Dioxine reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und stellen daher eine langfristige Gefahr dar. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushaltes in Tierversuchen nachgewiesen. Auch schwer entzündliche Erkrankungen der Haut und Schädigungen der Leber sind möglich. Der geringfügige Konsum belasteter Eier führt höchstwahrscheinlich weder zu einer akuten noch zu einer chronischen Vergiftung und erhöht auch nicht die direkte Gefahr, an Krebs zu erkranken. Eine Minimierung der Grundbelastung wird seit Jahren angestrebt. Hier geht's zur Veröffentlichung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur Gesundheitsgefahr von Dioxinen.

Die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg erklärte in einer Pressemitteilung vom 05.01.2011: „Es wird aktuell jedoch nicht die Notwendigkeit gesehen, auf den Verzehr von Eiern zu verzichten, da sie in der Regel nur einen vergleichsweise kleinen Anteil an der aufgenommenen Dioxinbelastung des Menschen über Nahrungsmittel haben. Ein Mensch mit einem Körpergewicht von 75 Kilogramm könnte in der Woche bis zu 80 Eier mit einem Dioxingehalt von fünf Picogramm (ein Picogramm = ein billionstel Gramm = 0.000.000.000.001 Gramm) pro Gramm Eifett essen, ohne die von der Weltgesundheitsorganisation aus Vorsorgegründen festgelegte Aufnahmemenge an Dioxin zu überschreiten..."

Die Verbraucherzentrale erklärt dazu: Es besteht kein Grund zur Panikmache, aber eine derartige Verharmlosung der Lage ist nicht sachgerecht.

Erstens: Die von der Behörde angenommene tolerierbare Menge orientiert sich an den weniger strengen Vorgaben der WHO. Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) und der wissenschaftliche Ausschuss der EU (SCF) legen strengere Maßstäbe zu Grunde.

Zweitens: Es kommt hinzu, dass die Rechnung der Behörde sich auf einen Erwachsenen von 75 kg bezieht. Besonders schutzbedürftige Kinder sind bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

Drittens: Es wird ausgelassen, dass Verbraucher täglich auch aus anderen Quellen Dioxin aufnehmen.

Viertens: Bei den belasteten Eiern wurden nicht Werte von 5 pg Dioxin/g Eifett festgestellt, sondern von 12 pg Dioxin/g Eifett.

Fakt ist, dass ein Kind (ca. 7-8 Jahre alt) mit 25 kg Körpergewicht mit einem Ei täglich, das mit 12 pg Dioxin/g Eifett belastet ist, auf jeden Fall über der täglich tolerierbaren Menge an Dioxin liegt.

Zwar sagt das BfR, dass keine akute Gesundheitsgefahr besteht, aber „aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes sollte allerdings die Belastung mit PCB und Dioxinen so weit wie möglich minimiert werden. Insofern sind unnötige und vermeidbare zusätzliche Belastungen nicht hinnehmbar.“

5. Wie kann man Dioxin vermeiden? Wer sich überwiegend vegetarisch ernährt, ist im Durchschnitt weniger mit Dioxin belastet als andere. Über 90 % der Dioxin-Exposition des Menschen geht auf Lebensmittel zurück, tierische Lebensmittel sind daran mit rund 70 % beteiligt. Am stärksten belastet sind die Leber von Landtieren und Fischen (z.B. Dorschleber in Öl) sowie Fischöle, die als Futtermittel eingesetzt werden. Eine europaweite Untersuchung von Lebens- und Futtermittelproben in den Jahren 1999 bis 2008 ergab, dass 12 % der 7270 untersuchten Proben einen oder mehrere Dioxin-Grenzwerte überschritten.

6. Woher kommt das Dioxin im aktuellen Skandal? Fettsäuren, die bei der Biodiesel-Herstellung übrig blieben und nur für technische Zwecke geeignet sind, sind die Ursache des neuen Dioxin-Skandals. Mehr als 2700 Tonnen dieses Futterfettes wurden vom dem Schleswig-Holsteiner Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch im November und Dezember 2010 an 25 Futtermittelhersteller in vier Bundesländern geliefert und gelangte von dort in die landwirtschaftlichen Betriebe. Von den mehr als 2700 Tonnen gingen allein knapp 2500 Tonnen an Futtermittelhersteller in Niedersachsen. Mit dem vergifteten Tierfutter wurden Höfe unter anderem in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg beliefert.

7. Welches Ausmaß hat der Skandal? Neben den Legehennenbetrieben können auch Schweine- und Putenzuchtbetriebe betroffen sein. Allein in Niedersachsen wurden am 03.01.2011 1000 Betriebe gesperrt, die vermutlich mit dem verseuchten Futter beliefert worden sind. Auch in anderen Bundesländern wurden Betriebe gesperrt. Vom Dioxinskandal sind schon zehn Bundesländer betroffen.

8. Unterstützen die Verbraucher durch ihr preisbewusstes Kaufverhalten das Vorkommen von Futtermittelpanschereinen? In so manchem Kommentar zum aktuellen Dioxin-Skandal wird den Verbrauchern gerne eine Mitschuld gegeben. Bei den niedrigen Eierpreisen könne man auch keine hochwertigen Futtermittel erwarten, so einige Kommentatoren.

Doch diese Argumentation hinkt gewaltig. Denn Verbraucher können sich am Regal nicht über die Futtermittelqualität informieren. Zudem sind hohe Dioxinbelastungen vor Monaten auch schon bei teureren Bioeiern vorgekommen. Dioxin sieht und schmeckt man nicht. Grundsätzlich muss gelten, dass die Qualität von Lebensmitteln in Ordnung ist und Grenzwerte eingehalten werden. Kauft man eine billige Kettensäge und verletzt sich damit auf Grund von fehlenden Schutzblechen, dann kann man die Schuld auch nicht den Verwendern anlasten. Sicherheitsstandards müssen eingehalten werden! Mehr Transparenz auf dem Etikett oder im Internet, z.B. über die Verwendung von Futtermittelbestandteilen bei unterschiedlichen Anbietern, zur Besatzdichte in den Ställen oder den Auslaufmöglichkeiten von Legehennen, wären sehr wichtig. Leider findet man auf den Eier-Umkartons immer nur den Abpacker, auch hier fehlt ein Hinweis auf die tatsächliche Herkunft (steht auf dem Ei).

9. Tierschützer fordern, dioxinbelastete Lebensmittel mit weniger belasteten tierischen Produkten zu „strecken“, um das massenhafte Töten von belasteten Hühnern oder anderen Tieren zu verhindern. Dadurch könnten die Grenzwerte trotz hoher Einzelbelastungen eingehalten werden. Ist das gerechtfertigt? Der gesundheitliche Verbraucherschutz muss an erster Stelle stehen. Ein eventuelles Vermischen mit weniger belasteten Produkten führt dazu, dass die Dioxine trotzdem in den menschlichen Körper gelangen – daher ist dieser Vorschlag keine gute Lösung. Die Grundbelastung mit Dioxin muss weiter gesenkt werden. Darüber hinaus wäre so ein Vorgehen gesetzlich verboten. Denn das Gesetz schreibt vor, dass Lebensmittel, bei denen die festgelegten Höchstgehalte eingehalten werden nicht mit Lebensmitteln vermischt werden, die diese Höchstgehalte überschreiten.

Was sich ändern muss

Ross und Reiter nennen: Verbraucher müssen von Behörden aktiv informiert und gewarnt werden, welche Landwirte/Hersteller betroffen sind. Bisher hat nur der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen und das Verbraucherschutzministerium NRW entsprechende Informationen veröffentlicht.

Mehr Sicherheit in der Futtermittelkette: Immer wieder sind Futtermittel der Ausgangspunkt für Skandale im Lebensmittelbereich – hier muss es eine bessere Eigenkontrolle der Betriebe und Kontrollen der Behörden geben. Die Taktung der Eigenkontrollen muss erhöht werden, damit rechtzeitig reagiert werden kann.

Haftung der Futtermittelhersteller: Wer Umweltgifte in die Nahrungskette einbringt, sollte für die Folgen bei Landwirten und Verbrauchern haften.

Kriminelle Handlungen härter bestrafen: Gegen Futtermittelhersteller, die Straftatbestände erfüllen, sollten Berufsverbote und hohe Geldstrafen verhängt werden, die auch wirklich abschrecken.

Die ausführlichen politischen Forderungen des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)

Stand vom Freitag, 18. Februar 2011

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