Rossmann schiebt Megapreissenkung vor

Schnäppchenjäger freuen sich über durchgestrichene Altpreise. Doch bei Rossmann handelt es sich dabei oft nicht um den bei der Drogeriekette sonst üblichen Preis, sondern um die Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers (UVP). Der Rabatt erscheint enorm, der Kunde ist beeindruckt, fühlt sich bei näherem Hinsehen aber getäuscht. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg.

Nur bei knapp 10 Prozent der über 100 überprüften Drogerieartikel, die mit besonders hohen Rabatten beworben wurden, stimmte die UVP mit den tatsächlichen vorherigen Ladenpreisen überein. Bei über 90 Prozent der Produkte gab es Differenzen. Bei den 20 dreistesten Fällen wurde eine addierte Ersparnis von 86,63 Euro suggeriert; die tatsächliche Ersparnis lag aber nur bei 22,57 Euro.

Beispiele: Bei den Oral B Aufsteckbürsten Precision Clean wirbt Rossmann im Werbeflyer mit einer Ersparnis von 13 Euro gegenüber der UVP, tatsächlich beträgt die Preissenkung aber nur 3,96 Euro. Das Parfum EdT Spray von Puma ist laut Angaben am Regal 53 Prozent günstiger, die tatsächliche Ersparnis liegt aber nur bei knapp 17 Prozent.

Untersuchungsergebnisse: Die 20 dreistesten Beispiele

Mit Lockvogelangeboten sollen die Kunden in die Märkte geholt werden, ehrliche Preispolitik sieht anders aus. Besonders pikant: Die Preissenkungen sind im Wortsinne „vorgeschoben“. Verbraucher, die im Geschäft die wahre Ersparnis wissen wollen, können die Sonderangebotspreise am Regal zur Seite schieben und entdecken dahinter den Normalpreis!

5 Beispiele für "vorgeschobene" Preissenkungen

Andere Drogeriemärkte wie Budni, Schlecker und dm greifen nicht zu diesem Trick, wie unsere Stichproben ergaben.

Die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller sind Fantasiepreise, die mit der Wirklichkeit im Handel nichts zu tun haben. Verbraucher können sie nicht nachvollziehen, da sie nicht veröffentlicht werden. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert Rossmann auf, die unseriöse Preiswerbung einzustellen.

Rossmann hat auf unsere Untersuchung reagiert. In einer Pressemitteilung vom 3. Februar 2011 heißt es:

  • „Die ‚Untersuchungsergebnisse’ der Verbraucherzentrale (‚20 dreistesten Beispiele’) sind ungenau recherchiert und zum Teil schlicht falsch. So ist beispielsweise für das herausgestellte Beispiel ‚Puma EdT Spray’ überhaupt keine UVP in der Werbung gezeigt worden. Für die ‚Oral B Aufsteckzahnbürsten’ wurde ein völlig anderer Preis genannt.“


Doch in Wahrheit liegt Rossmann hier daneben:

  • Das „Puma EdT Spray“ wird wie in unserer Untersuchung dargestellt mit der UVP beworben, und zwar am Regal.
  • Die Preise der Oral B Aufsteckbürsten wurden von Rossmann exakt so beworben, wie von uns genannt.

Beides zu sehen in unserer bildlichen Gegenüberstellung 

Weiter führt Rossmann in der Pressemitteilung aus: „Vielmehr ist es geübte Praxis im Handel, den Kunden über die UVP des Herstellers zu informieren“. Diese Behauptung können wir nicht nachvollziehen. Im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogeriemärkten ist diese Art der Bewerbung unüblich. Der Verbraucherzentrale Hamburg ist kein weiterer Einzelhändler aus diesem Bereich bekannt, der mit UVP wirbt. Zudem haben wir zehn Hersteller nach den UVP einiger ihrer Produkte gefragt. Nur ein einziger Hersteller hat uns tatsächlich einen Preis genannt. Meist wurde geantwortet, dass UVP lediglich für den Handel gedacht sind und nicht an die Verbraucher gerichtet sind. Sie werden – wenn überhaupt – zur Produkteinführung, etwa in einer Pressemitteilung, veröffentlicht und sind für Verbraucher in der Regel nicht einsehbar, auch nicht im Internet. Es handelt sich daher aus unserer Sicht um Fantasiepreise, die für Verbraucher nicht nachprüfbar sind.

Verwandtes Thema: Versteckte Preiserhöhungen: Mogelpackungen 2.0 - Weniger drin, Preis gleich

Stand vom Montag, 7. März 2011

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