Mogelpackungen, Gentechnik, Lebensmittelverpackungen, Radioaktivität

Zu schade für die Tonne

11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen Jahr für Jahr in deutschen Mülltonnen – weggeworfen von Privatpersonen, Großverbrauchern wie Gaststätten oder Kantinen, dem Handel oder der Industrie. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie über Lebensmittelabfälle des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Eine angemessene Wertschätzung von Lebensmitteln sieht anders aus.

Die Ursachen der Verschwendung sind vielfältig: ein Problem ist der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Wir haben den Einzelhandel unter die Lupe genommen und verraten Ihnen, wann Sie Lebensmittel wirklich wegwerfen müssen.

MHD-Check im Einzelhandel

Wir haben untersucht, wie gut das Angebot an Lebens­mitteln mit fast abgelaufenem Mindest­­haltbar­keits­datum in verschiedenen Super­märkten ist. Der Handel bietet Verbrauchern immer noch zu wenige Anreize, Produkte mit fast abgelaufenem Mindest­haltbarkeits­datum zu kaufen. Zu diesem Schluss kommen wir, nachdem wir das Angebot in insgesamt elf Einkaufs­stätten untersucht haben.

Unser Marktcheck zeigt: Nur in zwei von elf Geschäften gab es effektive Maßnahmen zum Abverkauf von Lebensmitteln mit nahendem Mindest­haltbarkeits­datum. Bei neun Supermärkten war vieles verbesserungs­würdig.

Die Fakten im Überblick

  • Das beste Angebot hatte REWE; die Lebensmittel stehen deutlich markiert und preisreduziert in den Regalen.
  • Bei Aldi-Nord und Penny blieb die preisreduzierte Auswahl auf einen kleinen Teil des Fleischsortiments beschränkt.
  • Bei Lidl und beim Schlemmermarkt wurden nur Produkte aus dem Kühlregal günstiger angeboten.
  • Verlierer der Untersuchung war Real; hier wurden beim Marktcheck keine Angebote vorgefunden.
  • Viele Handelsketten nutzen Wühlkisten zur Warenpräsentation. Das Angebot mit teils beschädigten Verpackungen ist für Verbraucher jedoch nur schwer zu erfassen. Die lieblosesten Wühlkisten gab es bei Lidl und Sky.
  • Neun der elf getesteten Handelsketten wiesen darauf hin, dass sie die gemeinnützigen Tafeln mit nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln beliefern würden. Konkrete Hinweise auf Mengen und Kooperations­partner wurden jedoch nicht genannt.


Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse des Marktchecks können Sie sich als PDF-Dokument herunterladen.

Fotos zur Untersuchung

Wie die Warenpräsentation in den Supermarkten aussah, zeigen unsere exemplarischen Fotos. Durch einen Klick auf das jeweilige Motiv erhalten Sie eine größere Ansicht des Bildes.

Warenpräsentation bei Lidl Unhygienische Wühlkiste (Lidl)
Warenpräsentation bei Aldi Deklaration ohne Hinweis auf kurze Zeitspanne bis zum Verbrauchsdatum (ALDI)
Warenpräsentation bei Rewe Informative Deklaration (REWE)

Lebensmittelhandel in der Pflicht

Weggeworfene Lebensmittel kosten die Welt wertvolle Ressourcen. Umso wichtiger sind auch in Supermärkten Aktionen gegen die Lebensmittelverschwendung. Eine gute Präsentation und deutliche Kennzeichnung von Produkten, deren MHD bald ausläuft, sind wirksame Maßnahmen. Verbraucher, die wenig Geld ausgeben möchten oder mittags nach Lebensmitteln suchen, die sie abends schon zubereiten wollen, werden auf diese Angebote gern zurückgreifen.

Wir finden: Der Handel sollte einen aktiven Beitrag zur Einschränkung der Wegwerf­mentalität leisten und die Verkaufs­maßnahmen für Produkte mit fast abgelaufenem Mindest­haltbarkeits­datum genauso verkaufsfördernd gestalten wie für andere Waren.

Zum Umgang mit fast abgelaufenen Lebensmitteln

Was tun mit Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum in Kürze abläuft oder bereits abgelaufen ist? Wir haben in einem PDF-Dokument zusammengestellt, was Sie wissen sollten: Wann muss ich Lebensmittel wirklich wegwerfen?

Stand vom Freitag, 16. März 2012

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