Lebensmittel mit Klimabonus?

Als Verbraucher können Sie durch Ihr Kauf- und Ernährungsverhalten direkten Einfluss auf den Klimaschutz nehmen. Ökolandbau in der Region lässt Transportwege schrumpfen und verzichtet beispielswiese auf energieintensiven Stickstoffdünger. Saisonales Obst und Gemüse muss nicht mit hohem Energieaufwand in Treibhäusern heranwachsen und auch bei der Verarbeitung, Kühlung und Verpackung lässt sich viel Energie sparen. Es ist also kein Wunder, dass für immer mehr Menschen auch beim Einkauf von Lebensmitteln der Klimaschutz eine zunehmend wichtigere Rolle spielt.

Doch welche Lebensmittel passen in den Klima-Einkaufskorb? Und wie kann ich im Handel Produkte mit Klimabonus erkennen? Wir haben für Sie einige Klimalabel getestet und Einkaufstipps zusammengestellt.

Studie zeigt Schwächen bei Transparenz und Glaubwürdigkeit von Klimalabeln

Vier Produkte der Studie mit Klimalabel

Vier Produkte der Studie mit Klimalabel

Doch wie lässt sich heraus­finden, ob ein Produkt wirklich klima­freundlich hergestellt wurde? Mit speziellen Klimalabeln auf Ver­packungen will die Lebensmittel­branche ihr Engagement sichtbar machen und gleich­zeitig ein Verkaufsargument liefern. Doch die wenigen Label, die die Klima­bilanz transparenter machen sollen, liefern in den meisten Fällen nur unzurei­chende Informationen und haben zudem eine geringe Aussagekraft. Das zeigt eine aktuelle Studie der Verbraucherzentralen.

Sechs Siegel konnten wir auf Verpackungen im deutschen Einzelhandel zum Zeitpunkt der Untersuchung ausfindig machen und bewerten; fünf davon werden aktuell noch verwendet. Das „Stop Climate Change“-Zeichen, das einzige von einer externen Zertifizierungsstelle vergebene Label, ist nach unserer Auffassung verständlich und in seiner Klimaschutzaussage als gut einzuschätzen. Bei den übrigen fünf Auslobungen, allesamt Eigenlabel von Herstellern, sind die Ergebnisse tendenziell unbefriedigend. So kann man beim Logo der Firma Frosta die hohe Transparenz – also die Nachvollziehbarkeit der Auslobung – als positiv herausstellen, beim Informationsgehalt für Verbraucher sehen wir aber noch Verbesserungsbedarf. Bei den Herstellerlabeln der Marken Alpro, Provamel und Steinecke Brotmeisterei mangelt es an Transparenz. Das Siegel der Firma Provamel birgt sogar ein Risiko der Irreführung.

 Aktuelle Klimalabel im Überblick

Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse und eine Kurzübersicht mit Abbildungen können Sie sich auch als PDF-Dokumente herunterladen:

Internet als Kommunikationsplattform

Deutlich häufiger als Produktverpackungen nutzen die Hersteller das Internet, um über klimarelevante Aktivitäten zu informieren: Bei 21 Unternehmen der Branche war das laut Studie der Fall. Von simplen Aussagen wie ,Klimaschutz hat für uns höchste Priorität’ oder ,so werden 4.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden’ bis hin zur ausführlichen Beschreibung von Zertifizierungsprozessen findet man auf den Unternehmensseiten eine große Bandbreite an Darstellungen. Die Mehrzahl der Anbieter bleibt in ihren Aussagen jedoch abstrakt und unkonkret.

Unsere Forderungen

Angaben zum Klimaschutz sollten nicht nur trendige Extras sein! Es sind wichtige Botschaften, die man nicht als reines Marketinginstrument missbrauchen darf. Die Kommunikation zu allen Nachhaltigkeitskriterien  muss deshalb verlässlich, verbindlich und verständlich für Verbraucher sein. Die aktuelle Kennzeichnungspraxis ist ein erster Schritt nach vorn, aber es bleibt noch viel tun. Hier sehen wir in erster Linie den Gesetzgeber in der Pflicht: Er muss sicher stellen, dass die mit dem Label beworbenen Vertrauenseigenschaften halten, was sie versprechen. Dafür müssen nicht nur der Name des Zertifizierers, sondern auch die für das Klimalabel angelegten Kriterien offen gelegt werden. Darüber hinaus ist aus unserer Sicht eine neutrale Kontrollinstanz erforderlich.

Klimaschutz mit dem Einkaufszettel: Fünf Tipps

Lebensmitteleinkauf kann den Treibhauseffekt verstärken. Denn Landwirtschaft und Ernährung sind in Deutschland zu etwa einem Fünftel am Ausstoß klimaschädlicher Gase beteiligt.

1. Mehr pflanzliche Lebensmittel essen: Weniger Fleisch ist besser – für die Gesundheit und das Klima. Die Produktion von Fleisch ist besonders energieintensiv und klimabelastend, da im Mittel sieben pflanzliche Kalorien notwendig sind, um eine tierische Kalorie zu erzeugen. Bei der Produktion von einem Kilo Rindfleisch werden 6,5 kg CO2 freigesetzt. Ein Kilo Obst verursacht dagegen nur 0,5 kg CO2, Gemüse sogar nur 150 g CO2.

2. Regionales und saisonales Obst und Gemüse aus dem Freiland bevorzugen. Das vermeidet Transporte und erhält Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft und Landschaft vor der Haustür. Vieles wird über Tausende von Kilometern geflogen, beispielsweise Äpfel aus Argentinien (11.000 km), Erdbeeren aus Südafrika (9.000 km) oder Kiwis aus Neuseeland (18.000 km). Der Transport per Flugzeug verursacht etwa 1.000 g CO2 je t und km, per Lkw etwa 200 g CO2 je t und km und per Bahn etwa 80 g CO2 je t und km. Flugtransporte schaden dem Klima 80-mal mehr als Schifftransporte und 300-mal mehr als heimische Erzeugnisse.

3. Öko-Landbau kommt mit weniger Energie aus und bindet mehr Kohlenstoff in Böden und Biomasse – Bio-Lebensmittel schonen die Umwelt und das Klima und sind zugleich weniger mit Rückständen belastet. Die Bio-Landwirtschaft braucht im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft nur ein Drittel der fossilen Energie, vor allem weil auf energieintensive chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird.

4. Frisches und wenig verarbeitetes Obst und Gemüse enthält am meisten gesunde Pflanzenstoffe. Tiefkühllebensmittel sind ernährungspyhsiologisch zwar vergleichbar, belasten aber das Klima. Von der Verarbeitung über Transport, Handel und im Haushalt muss die Kühlkette gewährleistet werden – das kostet viel Energie und 6 kg CO2 pro kg Essen. Überdies laufen zu Hause die Kühlgeräte 24 Stunden täglich.

5. Importiertes Mineralwasser stellt eine unnötige Umweltbelastung dar. Wasser gleicher Qualität gibt es auch aus der Region. Der Abfüller steht auf dem Etikett.

„Der Nachhaltige Warenkorb“ – „Sürdürülebilir Ürün Sepeti“

Immer mehr Menschen in Deutschland interessieren sich für Nachhaltigkeit und Konsum. Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat sich mit diesem Thema beschäftigt und in einer Broschüre zusammengestellt, worauf beim Einkauf geachtet werden muss und was überhaupt in einen nachhaltigen Warenkorb gepackt werden kann. Die Veröffentlichung ist über die Internetseite des Rats abrufbar:

Beide Broschüren können auch als gedruckte Version kostenlos beim Rat für Nachhaltige Entwicklung bestellt werden: www.nachhaltigkeitsrat.de (Dokumente>Bestellservice).

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Stand vom Samstag, 19. März 2016

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