Energy Drinks: Überflüssige Energie

Energy Drinks sind sehr süß schmeckende Getränke, die belebend und leistungssteigernd wirken sollen. Sie enthalten neben teilweise bedenklichen Mengen an Koffein und Zucker einen Mix verschiedenster Zusätze wie Taurin, Guarana, Gingko, Aromen, Vitamine und/oder Farbstoffe. Manchmal sind sie auch mit Kohlensäure versetzt.

Umgedreht & draufgeschaut: Red Bull Zero Calories

Immer mehr Getränkehersteller bringen Produkte auf den Markt, die frei von Kalorien sein sollen. So hat auch Red Bull einen seiner Energy-Drinks als Null-Kalorien-Getränk im Sortiment. Doch wer glaubt, ein wirklich energiefreies Getränk zu sich zu nehmen, liegt falsch.
Kalorien: In einer Dose „Red Bull Zero Calories“ mit 250 Millilitern stecken noch 4,5 Kalorien. Die Bewerbung des Energy Drinks als „kalorienfrei“ ist trotzdem zulässig, weil der Wert die vorgeschriebene Grenze von 10 Kalorien pro Dose nicht überschreitet.

Koffein und Taurin: In einer Dose „Red Bull Zero Calories“ steckt ungefähr so viel Koffein wie in einer Tasse Kaffee. Es ist die einzige Zutat im Getränk, die eine aufputschende Wirkung hat. Die gerade im Sport- und Gesundheitsbereich gern angepriesene Aminosäure Taurin hingegen, die ebenfalls auf der Zutatenliste steht, ist kein Leistungssteigerer und wird darüber hinaus vom Körper selbst in ausreichender Menge produziert.

Süßstoff statt Zucker: Der fehlende Zucker wird ersetzt durch drei verschiedene Süßungsmittel: Aspartam und Aesulfam K wirken bis zu 200-mal süßer als Zucker, Sucralose ist sogar 500- bis 600-mal intensiver. Zwar spart man durch den Zusatz von Süßstoffen zunächst Kalorien, doch es wird darüber diskutiert, dass in der Folge der Appetit auf kalorienreiche Lebensmittel steigt und Süßstoffe damit sogar Übergewicht fördern können. Wir raten generell vom häufigen Verzehr von Süßstoffen ab.

B-Vitamine: Die zugesetzten B-Vitamine B6 und B12, Niacin (B3) und Pantothensäure (B5) verkauft Red Bull auf seiner Website als „Mikronährstoffe, die zur Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung beitragen“. Doch brauchen wir überhaupt eine Extra-Portion dieser Vitamine? Die Antwort lautet: Nein. Alle B-Vitamine sind ausreichend in unserer Nahrung vorhanden.

Weitere Zusatzstoffe: Mysteriöse Aromen und der Geschmacksverstärker Inosit sorgen für den typischen Red-Bull-Geschmack. Das Verdickungsmittel Xanthan gibt dem Getränk seine besondere Konsistenz und wird mit Hilfe von Bakterien aus zuckerhaltigen Substanzen gewonnen. Es ist genau wie der gelbe Farbstoff Riboflavin und die braun färbende  Zuckerkulör eher unbedenklich.

Zitronensäure und Natriumcitrat sind Säuerungsmittel, wobei vor allem der zunehmende Einsatz von Zitronensäure immer häufiger zu Zahnschäden bei Kindern und Erwachsenen führt.

Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

Energy Drinks sind die Gewinner bei den Erfischungsgetränken in den letzten Jahren. Hohe zweistellige Zuwachsraten pro Jahr sind keine Seltenheit. Darüber hinaus nimmt offensichtlich auch die Menge pro Konsumakt zu, was auf die immer größeren Dosen und Flaschen zurückzuführen ist. Von der Werbung für solche Produkte werden hauptsächlich jüngere Menschen angesprochen.

Besorgniserregend ist der immer häufigere Konsum dieser Getränke von Kindern und Jugendlichen: Fast jedes fünfte Kind im Alter zwischen 3 und 10 Jahren trinkt nach einer Befragung der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) vom März 2013 Energy-Drinks. Viele der minderjährigen Konsumenten, die die Drinks als „Alltagsgetränke” konsumieren, sind sich über die möglichen Folgen nicht im Klaren.

Laut EFSA-Untersuchung nehmen über die Hälfte der Jugendlichen Energy-Drinks zusammen mit Alkohol und knapp die Hälfte in Verbindung mit sportlicher Aktivität zu sich. Das sind aber gerade die Risikofaktoren, die das pappsüße Getränk „unsicher” machen, wie das Bundesinsitut für Risikobewertung (BfR) schon 2009 ausgeführt hat. Es besteht die Gefahr, dass sich die Nebenwirkungen zu Krampfanfällen oder Herzrasen verstärken. Systematische aussagekräftige Langzeitstudien fehlen allerdings noch.

Energy-Shots als Nahrungsergänzungsmittel?

Eine noch größere Gefahr besteht nach unserer Einschätzung bei Energy-Shots. Dabei handelt es sich um hochkonzentrierte Produkte in kleinen Portionsgrößen, die bei Durst dazu verleiten, mehrere Portionen zu trinken. Auch wird der bittere Geschmack des Koffeins durch extreme Süße und Aroma unterdrückt.

Weil die Hersteller Energy-Shots nicht als Erfrischungs­getränke sondern als „Nahrungsergänzungsmittel“ verkaufen, können sie die gesetzlichen Vorgaben für Erfrischungsgetränke umgehen. So sind beispielsweise im Red Bull Shot 80 Milligramm Koffein pro 60 Milliliter enthalten. Das entspricht mehr als 1.300 Milligramm pro Liter. Andere Produkte können bis zu 6.000 Milligramm pro Liter enthalten.

Diese „Nahrungsergänzungsmittel“ müssen die Verzehrsempfehlung „Nur eine Portion pro Tag“ tragen, die aber von Konsumenten häufig nicht eingehalten wird. Bei nicht bestimmungsgemäßem Gebrauch beurteilt das Bundesinstitut für Risikobewertung diese Getränke als nicht sicher.Wir fordern das generelle Verbot des Verkaufs von hoch dosierten Energy-Konzentraten.

Auch der Spiegel berichtet in der Ausgabe vom 1. Juli 2013 (27/2013) darüber, wie gefährlich Energy-Drinks mit hohen Koffeingehalten sowie Zusätze wie Taurin, Glucuronolacton und Inosit und vor allem Energy-Shots sein können. So seien die Drinks in den vergangenen Jahren immer wieder mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Nierenversagen in Verbindung gebracht worden.

Kein Verkauf von Energy-Drinks an Jugendliche

Wir sehen dringenden Handlungsbedarf. Energy Shots müssen verboten werden und Energy Drinks sollten nicht an Jugendliche verkauft werden dürfen. Gerade Kinder und junge Menschen müssen geschützt werden, denn in der Disko und beim Sport besteht die Gefahr eines übermäßigen Konsums. Das massive Marketing – vor allem bei spektakulären Sportveranstaltungen und mit berühmten Sportlern – tut sein Übriges. So wirbt der österreichische Konzern Red Bull mit immer extremeren Sport-Videoclips für sich und seine Limonade. Doch die PR-Strategie ist umstritten – denn die Zahl der tödlich Verunglückten steigt, berichtet die Deutsche Welle im Mai 2013.

Kennzeichnung verbessern

Wir finden: Die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Kennzeichnung der koffeinhaltigen Getränke sind völlig unzureichend. Das Gesetz schreibt für Energy-Drinks den Hinweis „erhöhter Koffeingehalt“ vor, gefolgt von der Angabe, wie viel Koffein in 100 Milliliter Getränk vorhanden ist. Das gilt sowohl für verpackte wie auch lose Ware. Erst ab 13. Dezember 2014 wird mit der dann EU-weit gültigen Lebensmittelinformationsverordnung ein weiterer Warnhinweis notwendig. Dieser muss in demselben Sichtfeld wie die Bezeichnung des Getränks mit dem Wortlaut „Erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und Schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ stehen.

Nachdem schon die Änderung der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung im Mai 2012 nicht zum erhofften Durchbruch geführt hat, wäre es wünschenswert, wenn dieser Warnhinweis endlich eine Verbesserung bringt. Doch die Lobbyarbeit der Hersteller zeigte schon damals ihre Wirkung. Ein Berater des Konzerns wurde in der Lebensmittelzeitung (lz 19-12) mit dem Satz zitiert: „Die Fruchtsaftverordnung folgt Red Bull und nicht Red Bull der Verordnung.” Das zeigt ziemlich gut die Verhältnisse, die bei diesem Thema vorherrschen.

Inhaltsstoff Höchstmengen mg/l
Koffein 320
Taurin 4.000
Inosit 200
Glucuronolacton 2.400

Höchstmengen für koffeinhaltige Erfischungsgetränke nach der Fruchtsaftverordnung;
Energy Shots enthalten deutlich mehr Koffein pro Liter, Red Bull z. B. ca. 1330 mg


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Stand vom Mittwoch, 26. Februar 2014

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