Industrielobby siegt bei Ampelkennzeichnung

Antwort der Verbraucher: Ampel-Check im Internet

Das EU-Parlament hat am 16. Juni 2010 die Einführung der Ampelkennzeichnung für Lebensmittel abgelehnt. Diese sollte auf einen Blick und leicht verständlich mit den Signalfarben rot, gelb und grün den Zucker-, Fett- und Salzgehalt anzeigen. Stattdessen soll das leicht veränderte „GDA-Modell“ kommen: Auf den Vorderseiten der Verpackungen sollen die Angaben zum Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker und zum Brennwert in Kalorien pro 100 g angegeben werden. Dieses wurde von der Lebensmittelindustrie favorisiert, ist aber für Verbraucher unverständlich und fiel in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen durch.

Obwohl sich 70 % der Bundesbürger in einer repräsentativen Umfrage für die Ampelkennzeichnung ausgesprochen haben, ignorierte das EU-Parlament in seiner Abstimmung über die Nährwertkennzeichnung den Verbraucherwillen: Massiver Lobbydruck – die Rede ist von einem Betrag von 1 Milliarde Euro, den die europäische Lebensmittelindustrie im Kampf gegen die Ampelkennzeichnung ausgegeben haben soll führte zu dieser Entscheidung.

Die Ampelkennzeichnung könnte ein wichtiger Mosaikstein für die Bekämpfung des weit verbreiteten Übergewichts insbesondere bei Kindern sein und würde in Zeiten leerer Kassen, das Gesundheitssystem entlasten. 30 Milliarden Euro geben die gesetzlichen Krankenkassen für die Behandlung übergewichtiger Patienten aus. Deshalb sprechen sich neben den Verbraucherzentralen auch der Verband der Kinderärzte und Krankenkassen für die Ampelkennzeichnung aus.

Die Verbraucherzentralen schaffen seit einiger Zeit Fakten: Weit über 500 Produkte sind auf der Internetseite www.verbraucherzentrale-ampelcheck.de bereits „geampelt“. So können Verbraucher schnell und unkompliziert Zuckerbomben und Fettfallen erkennen. Darüber hinaus bieten die Verbraucherzentralen eine kostenlose Ampelkarte an. Der Einkaufsbegleiter im Bankkarten-Format zeigt anhand der Ampelfarbe welche Mengen unbedenklich, akzeptabel oder zu hoch sind. Damit können Verbraucher an der Ladentheke überschlagen, ob ein Produkt besser in Maßen zu genießen ist, nachdem die Politik die Verbraucher im Stich gelassen hat. Wer den Einkauf zu Hause unter die Lupe nehmen will, kann dies mit Hilfe eines Online-Rechners tun.

 

Stand vom Dienstag, 6. Juli 2010

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