Null Info in EU-Positivliste

Seit 22. April 2013 gilt in der Europäischen Union eine neue Liste zulässiger Aromastoffe. Nur die auf der EU-Liste befindlichen Aromen darf die Lebensmittelindustrie - mit einer 18 monatigen Übergangsfrist - dann noch verwenden. Mit der Einführung der Positivliste hat die Europäische Kommission zwar über 2.000 Aromastoffe neu bewertet, doch die Auflistung bleibt nach unserer Einschätzung für Verbraucher nichtssagend und unbrauchbar.

Keiner der in der Liste aufgeführten Stoffe findet sich auf einer Lebensmittelverpackung eins zu eins wieder. Der Informationswert des Aromenverzeichnisses für die Verbraucher liegt also bei null. Erneut wurde die Chance verpasst, die Kennzeichnung von Aromastoffen verbraucherfreundlicher zu gestalten. Dabei ist die Positivliste Teil einer europaweiten Reform des Lebensmittelrechts, die für mehr Transparenz im Supermarkt sorgen soll.


Verwirrende Bezeichnungen

So wird seit Januar 2011 etwa nur noch zwischen natürlichen Aromastoffen und Aromastoffen unterschieden; die Kategorien naturidentische und künstliche wurden abgeschafft. Verbrauchern nützt diese Information leider reichlich wenig, denn sie lässt viel Raum für Unklarheiten. Kaum einer weiß, was hinter den Begrifflichkeiten steckt; die Mehrheit der Menschen interpretiert sie falsch und wird sogar teils in die Irre geleitet.

Natürliche Aromen müssen beispielsweise nur aus natürlichen Rohstoffen stammen, aber nicht von den Früchten, die etwa auf einem Fruchtjoghurt abgebildet sind. Für Konsumenten noch verwirrender ist der Begriff Erdbeeraroma auf der Zutatenliste. Er bedeutet nicht, dass das Aroma aus Erdbeeren gewonnen wird, sondern nur, dass es nach Erdbeere schmeckt. Lediglich die Bezeichnung natürliches Erdbeeraroma zeigt an, dass das Aroma fast ausschließlich aus Erdbeeren gewonnen wurde.

Wichtiges im Kleingedruckten

Zudem kann die Lebensmittelindustrie den Einsatz von Aromen weiterhin im Kleingedruckten der Zutatenliste verstecken. Hier muss sich endlich etwas ändern. Im Sinne des Verbrauchers wäre es, jede Form der Aromatisierung in Verbindung mit der Verkehrsbezeichnung auf der Schauseite der Verpackung kenntlich zu machen. Auch die Zusammensetzung von Aromen bleibt weiterhin eine Black Box. Zusatzstoffe oder Lösungsmittel, die bei der Zusammenstellung zum Einsatz kommen, müssen erst gar nicht aufgeführt werden.

Standardisierter Einheitsgeschmack für wenig Geld

Anbieter vereinfachen die industrielle Herstellung und sparen bei der Aromatisierung von Lebensmitteln mit den Zutaten aus dem Labor vor allem Kosten. So enthalten Fruchtjoghurts häufig nur einen geringen Anteil echter Früchte. Da deren Eigenaroma geschmacklich nicht ausreicht, wird mit billigen Aromen nachgeholfen. Mit Himbeeraroma für 6 Cent können beispielsweise 100 Kilogramm Joghurt aromatisiert werden. Echte Himbeeren würden mit rund 30 Euro zu Buche schlagen.

Dabei führt die zunehmende Aromatisierung zu erkennbaren Problemen. Der intensive Geschmack von Aromen in Fertiglebensmitteln kann dazu verführen, zu viel zu essen und begünstigt damit Übergewicht. Viele Lebensmittel sind überaromatisiert, das prägt das Geschmacksempfinden. Naturbelassenes schmeckt insbesondere Kindern nicht mehr.

Zum Weiterlesen

Natur schlägt Aroma. Es gibt auch Lebensmittel ohne Aromazusatz. Wir haben im März 2011 die Etiketten zahlreicher Produkte untersucht und eine Positivliste von 50 Produkten veröffentlicht, die laut Zutatenliste und Versicherung der Anbieter keine Aromastoffe enthalten.

Stand vom Montag, 3. Juni 2013

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