Verkauf statt Aufklärung

Was sollte mein Baby essen? Wie ernähre ich mich bei Krebs? Welche Diät bringt den gewünschten Erfolg? Was ist bei Laktoseintoleranz oder Diabetes zu beachten? Das Interesse an Themen rund ums Essen ist groß und immer mehr Menschen klicken sich schnell durchs Internet, um wichtige Infos zum sammeln.

In der Ausgabe 2/2014 des UGB-Forum berichten Autoren, wie es um die Unabhängigkeit von Ernährungsinformationen bestellt ist und mit welchen Tricks es die Lebensmittelindustrie schafft, ihre Botschaften zu platzieren.

So sind viele Ernährungsportale mit Vorsicht zu genießen! Auf den ersten Blick wollen sie aufklären, beraten und helfen, doch oft verstecken sie die dahinter stehenden Absatzinteressen und informieren nicht objektiv.

Wir mussten feststellen, dass es bei Internetseiten, die Begriffe wie „Ratgeber“, „Hilfe“, „Forum“ oder „Zentrum der Gesundheit“ im Namen tragen, häufig in erster Linie um Imagepflege und Produktverkauf geht. Bei unserem Website-Check haben wir die Angebote hinsichtlich Transparenz, Verkaufsinteresse und Objektivität der Inhalte unter die Lupe genommen und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Informationen zum Anbieter

Auf sechs von zwölf Internetseiten können Verbraucher nicht oder nur sehr schwer erkennen, wer hinter dem Angebot steckt. Entweder sind die Informationen zum Anbieter nicht zu finden oder kaum aussagekräftig, weil etwa PR-Agenturen oder Vereine mit wohlklingenden Namen aufgeführt werden, oder es verstecken sich Konzerne dahinter. So wird bei der Seite laktoseintoleranz-hilfe.de die HVG-Süd Handels- und Vermittlungs-GbR angegeben, deren Adresse und Telefonnummer mit der des Unternehmens Omira übereinstimmt, das mit seiner Marke MinusL Marktführer im Bereich der laktosefreien Produkte ist. Das Portal ist zurzeit nicht mehr online zu finden; es wurde offensichtlich aufgrund unserer Recherchen abgeschaltet.

Verkaufsinteresse

Bei acht Websites ist das Verkaufsinteresse als groß zu bewerten. Dabei werden redaktionell aufbereitete Inhalte als Aufhänger mit Direktverlinkungen für den Produktverkauf genutzt. So ist auf der Seite rund-ums-baby.de zum Thema nur Werbung von Hipp geschaltet. Das Forum „Ernährung von Babys und Kleinkindern“ wird vom Hipp Elternservice betreut. Nur vier Website-Betreiber beantworteten Nachfragen zu Finanzierung und Unabhängigkeit, sieben äußerten sich selbst nach dem zweiten Anschreiben nicht und ein Anbieter konnte überhaupt nicht kontaktiert werden, weil das gesetzlich vorgeschriebene Impressum fehlte.

Objektivität der Ernährungsberatung

Bei neun von zwölf Seiten ist die Objektivität der Ernährungsberatung mangelhaft oder stark eingeschränkt. So preisen zwischen vermeintlich neutralen Ernährungsinformationen Konzerne wie Danone, Unilever und Nestlé unverhohlen ihre Produkte an. Auch die Qualität der Informationen variiert sehr stark – von Banalitäten und unsinnigen Diät-Tipps bis zu wissenschaftlich abgesicherten, hilfreichen Informationen für Betroffene.

Tipps für Verbraucher

  • Achten Sie darauf, wer der Anbieter der Seite ist. Gibt es auf der Startseite einen klaren Hinweis. Ist im Impressum der Website die Firma genannt, die hinter dem Angebot steht?

  • Suchen Sie nach Informationen zur Finanzierung der Seite: Werbebanner, Links auf Portale zum Kauf von Nahrungsergänzungen, Diätpillen etc. sind oft Zeichen für fehlende inhaltliche Ausgewogenheit und Neutralität.

  • Erscheint Ihnen die Darstellung ausgewogen oder wirkt sie eher wie ein Werbetext? Bei vielen Produkten oder Therapien gibt es Vor- und Nachteile, Wirkungen und Nebenwirkungen. Seriöse Informationen sollten darauf hinweisen.

Stand vom Montag, 14. April 2014

zurück