Ampelkennzeichnung jetzt!

Die USA werden die Nährwertangaben auf ihren Lebensmittelpackungen stark überarbeiten, um Übergewicht und Fettleibigkeit in ihrem Land zu bekämpfen. Der Vorstoß der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA hin zu mehr Transparenz und Verständlichkeit ist vorbildlich und wir befürworten vor allem:

  • (1) die prominent platzierte Anzahl der Portionen pro Packung und die an die tatsächlichen Essgewohnheiten angepassten Portionsgrößen,

  • (2) die groß und fett herausgestellte Angabe der Kalorienzahl pro Portionsgröße und

  • (4) die extra deklarierte Menge an zugesetztem Zucker.

US-amerikanische Nutrition Facts

Quelle: U.S. Food and Drug Administration

Laut Untersuchungen nutzt mehr als die Hälfte der Amerikaner die sogenannten Nutrition Facts, um zu entschlüsseln, was das Produkt ihrer Wahl eigentlich beinhaltet und ob es gesund oder eher ungesund ist. Der Infokasten, der vor 20 Jahren eingeführt wurde und auf rund 700.000 Lebensmittelpackungen prangt, ist also von großer Bedeutung für viele US-Bürger. Dank der schwarzen Schrift auf weißem Hintergrund sind die Angaben – anders als viele Nährwertkennzeichnungen in Deutschland – richtig gut lesbar.

Mit der grundlegenden Überarbeitung der Inhalte und des Layouts machen die Amerikaner einen Schritt in die richtige Richtung, dessen prominenteste Fürsprecherin wohl Michelle Obama ist. Dennoch bleiben die Informationen nach dem GDA-System für die meisten Menschen weiterhin abstrakt.

Studien haben immer wieder gezeigt, dass eine Nährwertampel auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen die für Verbraucher am besten verständliche Nährwertkennzeichnung ist. Sie zeigt nicht nur Zahlen und Prozentwerte, sondern hilft mit den Signalfarben Rot, Gelb und Grün auch, die abstrakten Informationen zu (be)werten.

Nähwertampel ist die beste Lösung

Ampelkennzeichnung für LebensmittelEine Ampel auf Lebensmitteln zeigt klar und verständlich auf einen Blick mit den Signalfarben Rot, Gelb und Grün wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz ein Lebensmittel enthält. Eine gute Sache, will man meinen. Doch seit Jahren lehnen Konzerne und Einzelhändler diese verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Deutschland kategorisch ab.

Wir setzen uns schon seit Jahren für die Ampel­kennzeichnung auf Fertig­lebensmitteln ein. Die Nährwert­ampel könnte helfen, Übergewicht durch zu viel Fett und Zucker sowie Bluthochdruck durch zu hohen Salzkonsum besser in den Griff zu bekommen. Und auch die Ver­braucher wollen in großer Mehrheit eine bessere Kennzeichnung der Nährwerte. Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass die Ampelkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen die für Verbraucher am besten verständliche Nährwertkennzeichnung ist.

Stattdessen soll das sogenannte GDA-System (Guidline Daily Amount) der Industrie die Verbraucher informieren. Das Gegenteil ist der Fall: Dieses System ermöglich viel Trickserei und verschleiert die wahren Mengen von Zucker, Fett und Salz. Denn beim GDA-System dürfen die Hersteller die Portionsgröße selbst festlegen – ganz nach ihrem Geschmack ohne jegliche Standards. Es können selbst so groteske Größen wie eine halbe Tiefkühlpizza oder eine halbe Flasche Softgetränk sein.

Chef-Lobbyist der Lebensmittelindustrie scheitert an der GDA-Kennzeichnung

Wie schwierig die aktuelle GDA-Kennzeichnung der Nährwerte auf Packungen zu verstehen ist, musste selbst der oberste Lobbyist der Lebensmittel­industrie Christoph Minhoff vom BLL erfahren, als er für das WDR Magazin „Könnes kämpft“ den Salzgehalt eine Pizza durch die Angaben auf der Verpackung herausfinden sollte. Ausgewiesen war nur der Natriumgehalt – eine Angabe zum Salzgehalt fehlte. Letzterer ist um den Faktor 2,5 höher als die Natrium-Angabe auf der Packung.

Das Scheitern von Christoph Minhoff zeigt einmal mehr, wie sinnvoll eine Ampelkennzeichnung auf Fertiglebensmitteln wäre. Liebe Bundesregierung, holen Sie alle Beteiligten an einen Tisch! Liebe Vertreter der Lebensmittelindustrie, Sie haben die Chance, das verloren gegangene Vertrauen der Verbraucher zurück zu gewinnen, wenn Sie sich für eine breite freiwillige Kenn­zeich­nung einsetzen. Liebe Einzelhändler, Sie könnten auf Ihren Handelsmarken „Farbe bekennen“ und so den Druck auf die Markenartikler erhöhen. Eine gesetzlich verankerte Ampel­kenn­zeichnung wäre die beste Lösung für Verbraucher.

 


Meldungen

3. März 2014 – Neue „Nutrition Facts” in den USA

Die USA werden die Nährwertangaben auf ihren Lebensmittelpackungen stark überarbeiten, um Übergewicht und Fettleibigkeit in ihrem Land zu bekämpfen. Der Vorstoß der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA hin zu mehr Transparenz und Verständlichkeit ist vorbildlich und wir befürworten vor allem: (1) die prominent platzierte Anzahl der Portionen pro Packung, (2) die groß und fett herausgestellte Angabe der Kalorienzahl pro Portionsgröße und (4) die extra deklarierte Menge an zugesetztem Zucker. Mit der grundlegenden Überarbeitung der Inhalte und des Layouts machen die Amerikaner einen Schritt in die richtige Richtung. Dennoch bleiben die Informationen für die meisten Menschen weiterhin abstrakt. Auch das Wall Street Journal berichtete am 28. Februar 2014 über die neuen Nutrition Facts und wie diese von der Kennzeichnung abweichen, die Verbraucherorganisationen gefordert haben. Wir sind gespannt, was die neue Kennzeichnung jenseits des Atlantiks bewirkt.

21. Januar 2014 – Zahlenakrobatik bei Edeka

Edeka verkauft die Waffelröllchen seiner Eigenmarke „gut & günstig“ quasi als Schlankmacher. Auf der Schauseite der Verpackung steht, dass die Waffelröllchen nur 1,6 Gramm Zucker und 1,4 Gramm Fett – und insgesamt nur 26 Kilokalorien (kcal) enthalten. Die Zahlen erinnern eher an einen fettarmen Jogurt als an einen Keks.

Nährwertkennzeichnung auf Edeka Waffelröllchen

Wie kommt es zu diesen Werten? Im Kleingedruckten (Schriftgröße ca. 1 Millimeter !) steht, dass die Angaben sich auf eine Portion beziehen. Als Portion hat Edeka ein einziges Röllchen von 5 Gramm zu Grunde gelegt.

Wie müssten die richtigen Werte lauten? In Wahrheit enthalten 100 Gramm der Waffelröllchen 31 Gramm Zucker, was mehr als 10 Zuckerwürfeln entspricht und 28 Gramm Fett, davon sind über 70 Prozent gesundheitlich problematische „gesättigte Fettsäuren“. Insgesamt happige 521 Kilokalorien pro 100 Gramm!

An dem Beispiel zeigen sich wieder einmal die Vorteile einer Ampelkennzeichnung. Die würde für Zucker, Fett und gesättigte Fettsäuren eine „tiefrote“ Ampel anzeigen, nur der Salzgehalt wäre in Ordnung.

3. Juli 2013 – Keine rote Ampel beim Apfelsaft!

Immer wieder wird Stimmung gegen die Ampelkennzeicnung gemacht. Aktuell wird beispielsweise behauptet, Apfelsaft bekäme eine rote Ampel. Doch die Ampel für Apfelsaft bleibt gelb, weil ein Saft ohne Zuckerzusatz mit der gelben Ampel­farbe bewertet wird. Rot wäre sie erst bei 6,25 Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Milliliter. Auch nach dem neuen eng­lischen System bleibt die Ampel gelb, weil der Saft insgesamt nicht mehr als 11,25 g Zucker pro 100 ml enthält. Das ist auch berechtigt, denn unverdünnte Fruchtsäfte liefern aufgrund des natürlichen Frucht­zucker­gehaltes viele Kalorien. Daher sollten Fruchtsäfte nur in Maßen genossen werden, das heißt: die gelbe Ampel wäre hier richtig, wenn es denn eine geben sollte. Denn für sogenannte Mono­produkte wie Olivenöl, Salz oder Fruchtsäfte wird ohnehin keine Ampel gefordert, denn hier geht es nicht darum, versteckte Kalorien aufzuspüren.

27. Juni 2013 – Ampel in Großbritannien

Großbritannien macht es vor: In einer gemeinsamen Initiative von Regierung, Handel und Herstellern wird  die freiwillige einheitliche Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln eingeführt. Die Ampel zeigt mit den Farben Rot, Gelb und Grün an, ob einem Lebensmittel beispielsweise viel, mittel oder wenig Zucker zugesetzt wurde. Eine überwältigende Mehrheit des britischen Einzelhandels – darunter auch deutsche Unternehmen wie Aldi und Lidl – und große Lebensmittelhersteller wie PepsiCo, Mars oder Nestlé beteiligen sich an dem Programm.

Der Wermutstropfen: Zwar wurde in Großbritannien bei der Vereinbarung der Farbumschlagswert für Fett von Gelb nach Rot geringfügig reduziert – von 20 Gramm auf 17,5 Gramm pro 100 Gramm Lebensmittel; beim Zucker­gehalt hingegen hat es die Industrie geschafft, einen deutlich höheren Wert durchzusetzen. Bisher erhielt ein Lebensmittel bei mehr als 12,5 Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Gramm die rote „Zuckerampel”, jetzt sind es 22,5 g Gesamtzucker pro 100 Gramm. Für Getränke gelten die halben Werte. Von dieser neuen Vorgabe profitieren vor allem Firmen, die industriell verarbeitete Lebensmittel herstellen. Diese enthalten von Natur aus nur wenig Zucker (etwa aus getrockneten Früchten oder Milch­bestand­teilen wie Laktose), sondern werden mit viel zusätzlichem Zucker aufgepeppt. So ärgerlich das ist, einen kleinen Vorteil hat die Änderung auch: Der Gesamt­zucker­gehalt muss immer auf dem Etikett stehen, der Wert für zugesetzten Zucker dagegen nicht. Er musste bei den Herstellern erfragt oder berechnet werden.

Zum Weiterlesen

Ampelcheck für LebensmittelWeitere Informationen zum Thema finden Sie auf der Seite der Verbraucherzentralen www.ampel­check.de. Dort gibt es beispiels­weise einen Ampelrechner und mehr als 700 Lebensmittel, die fiktiv mit der Ampel­kennzeichnung versehen sind.

Außerdem sagen wir Ihnen in unserem Beitrag „Alles Zucker oder was?”, wie Sie in Sachen Zuckergehalt getäuscht werden und was Sie tun sollten.

 

Stand vom Freitag, 7. März 2014

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