Mangelware Tierschutz

Ob Hähnchenschenkel oder Kaninchenkeule, Wiener Würstchen oder Kasslerbraten. 61 Prozent der Verbraucher fühlen sich beim Einkauf von Fleischprodukten nicht ausreichend darüber informiert, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden, zeigte eine Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Wie Ente, Kuh und Co. leben

Viele Kunden würden gerne Fleisch kaufen, das aus tiergerechten Haltungsformen stammt. Im Supermarkt finden diese am Tierwohl interessierten Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch kaum ausreichende Orientierungshilfen. Wer sich keine teure Bioware leisten will oder kann, ist mit seinem Latein schnell am Ende, denn es gibt keinen verpflichtenden Haltungsnachweis für konventionelles Fleisch. Nur beim Kauf von Eiern kann man sich bisher ausreichend orientieren.

Viele Tiere, denen ein tiergerechtes Leben vor der Schlachtung nicht vergönnt war, haben zu wenig Platz, kaum Auslaufmöglichkeiten und kein Stroh im Stall. Sie leiden unter haltungsbedingten Krankheiten. Sehr große Ställe mit sehr vielen Tieren können zum Beispiel einen hohen Einsatz von Antibiotika nach sich ziehen.

Wir haben die verschiedenen Haltungsbedingungen für Nutztiere anschaulich zusammengefasst und übersichtlich dargestellt.

  • Übersicht: Haltungsbedingungen im Vergleich (Bio, mit und ohne Tierschutzlabel)
    Bitte auf das jeweilige Symbol klicken.

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 Icon Kaninchen  Icon Kuh  Icon Pute

 

Marktcheck zu Wurst und Fleisch mit Tierschutzlabel

Wäre allen klar, wie unsere Nutztiere leben müssen, bliebe das ein oder andere Schnitzel sicher in der Kühltheke liegen. Wer ungern auf Fleisch und Wurst verzichten möchte und trotzdem etwas für den Tierschutz tun will, kann Bioprodukte oder konventionelle Ware mit Tierschutzlabel in den Einkaufswagen legen. Doch im Handel sind noch sehr wenig herkömmliche Fleisch-, Wurst- und Fertigprodukte erhältlich, bei deren Erzeugung zusätzliche Tierschutzstandards eingehalten werden. Außerdem informieren nicht alle Händler ihre Kunden ausreichend über das Thema Tierschutz. Erfreulich: Tiergerecht erzeugtes Bio-Fleisch findet man immer häufiger. Das ist das Ergebnis unseres Marktchecks.

Lidl und Aldi Nord sind Schlusslichter

Hähnchenfleisch mit TierschutzlabelWir haben das Angebot in acht verschiedenen Supermärkten untersucht und anschließend die Unternehmen zu ihrem Engagement in Sachen Tierschutz befragt. Insgesamt sind die Anstrengungen der Händler hinsichtlich tiergerecht erzeugter Lebensmittel noch sehr unterschiedlich.

Die Aktivitäten von Lidl und Aldi Nord etwa sind noch sehr verbesserungswürdig. Lediglich ein konventionelles Frischfleischangebot konnten wir pro Filiale ausfindig machen, Bio-Produkte gab es nur wenige. In der Kundenansprache der beiden Discounter spielt Tierschutz außerdem überhaupt keine Rolle.

Etikett mit Bio-SiegelIm Gegensatz dazu schnitten Famila und Kaufland relativ gut ab. In beiden Supermärkten lagen verschiedene tiergerecht hergestellte Fleischwaren in den Kühlregalen, und ihre Kunden informieren die beiden Händler ausführlich zu tierschutzrelevanten Themen wie Stopfmast und Lebendrupf.

Was sich an der Fleischtheke langsam etabliert, sucht man bei fleischhaltigen Fertigprodukten allerdings noch immer erfolglos. Suppen oder Pizzen mit Tierschutzlabel etwa waren beim Marktcheck in noch gar keinem Supermarkt zu finden.

Die im Marktcheck untersuchten Produkte mit Tierschutzlabel waren zwischen 10 und 30 Prozent teurer als Erzeugnisse ohne Siegel und sind daher auch für viele Menschen mit kleinem Portemonnaie erschwinglich.

Label für mehr Tierschutz

Leider können Bezeichnungen wie „artgerecht“ oder „tiergerecht“ auch bei Produkten genutzt werden, die lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen, also kein Mehr an Tierwohl im Vergleich zu anderer konventioneller Ware bieten. Zwar gibt es Ansätze von herstellerunabhängigen Prüfsiegeln, die wesentlich strengere Kriterien anlegen, wie etwa das Label „Für mehr Tierschutz“ vom Deutschen Tierschutzbund. Doch reichen die freiwilligen Initiativen nicht aus, um verbindlich für Klarheit am Markt zu sorgen.

Auch wenn viele dieser Label teilweise nur geringe Fortschritte bringen und leider nicht gesetzlich festgelegt sind, stellen sie nach unserer Auffassung einen ersten Schritt auf dem Weg zu mehr Tierschutz dar, der Zug um Zug weiterentwickelt werden sollte. So hat etwa laut Deutschem Tierschutzbund die Einführung des Tierschutzlabels ,Für mehr Tierschutz’ in den ersten sechs Monaten bewirkt, dass auf das Jahr hochgerechnet rund 16 Millionen Masthühner und 40.000 Schweine ein besseres Leben hatten als vorher.

Wenn Sie im Supermarkt kein Fleisch und keine Wurst aus tiergerechter Haltung finden, fordern Sie die Produkte ein! Denn wir brauchen noch mehr Landwirte und Händler, die sich engagieren.

Zum Weiterlesen

Mehr über das neue Tierschutzlabel Für mehr Tierschutz lesen Sie beim Deutschen Tierschutzbund. Es gibt auch kritische Stimmen: Diese finden Sie zum Beispiel bei der Intitiative Bauernhöfe statt Agrarfabriken.

Stand vom Montag, 21. Dezember 2015

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