Au Backe Monsterbacke

Nach fünf Jahren Rechtsstreit - unter Einbeziehung des Europäischen Gerichtshofs - hat jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass die Werbung „so wichtig wie das tägliche Glas Milch“ auf dem Früchte-Quark Monsterbacke von Ehrmann nicht irreführend ist, obwohl dieser fast dreimal so viel Zucker wie Milch enthält.

Begründung des BGH verwunderlich

Gegen diese Auslobung ist die Wettbewerbszentrale vor Gericht gezogen. Der BGH führt in seiner Pressemitteilung aus, dass es sich „für den Verbraucher erkennbar um ein Produkt handelt, das sich in seiner Zusammensetzung deutlich von der Milch unterscheidet“. Der Zuckeranteil sei „bei einem Früchtequark schon wegen des darin enthaltenen Fruchtzuckers naturgemäß höher als bei Milch“. Das ist sehr oberflächlich betrachtet, denn bei einem Fruchtgehalt von 6 % Erdbeeren (aktueller Monsterbacke Früchte-Quark im Quetschbeutel aus dem Supermarkt), macht der Zuckergehalt aus den Früchten nur rund 0,4 Gramm aus. Das ist marginal gegenüber dem Gesamtzucker von 13 Gramm laut Zutatenliste. Davon sind geschätzt rund 8 bis 9 Gramm zugesetzt. Das heißt: Der hohe Zuckergehalt stammt im Wesentlichen nicht aus den Früchten, sondern dem zugesetzten Zucker, der an zweiter Stelle der Zutatenliste steht. Milch selbst enthält rund 4,8 Gramm Milchzucker pro 100 ml.

Bild von einem Burger aus Plastik mit dem Slogan: So wichtig wie der tägliche kleine Salat!Schwarzwälder Kirschtorte aus Plastik mit dem Slogan "So wichtig wie der tägliche Obstsalat"

Bildunterschrift: Liebe Richter des Bundesgerichtshofs, was heißt das in Zukunft beispielsweise für Burger oder Schwarzwälder Kirschtorte?

Monsterbacke geht in die nächste Runde

Der Rechtsstreit ist aber noch nicht zu Ende: Der BGH hat die Sache an das Oberlandesgericht Stuttgart zurückverwiesen, damit das Gericht entscheidet, inwieweit auf dem Produkt Hinweise nach Art. 10 Abs. 2 Health Claims Verordnung hätten gegeben werden müssen. Das wäre beispielsweise ein Hinweis auf die Bedeutung einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung oder „spezielle gesundheitsbezogene Angaben“. Diese sind notwendig, wenn nur allgemeine Gesundheitsversprechen gemacht werden wie beispielsweise der Werbespruch „so wichtig wie das tägliche Glas Milch“.

Immer noch erlaubt: Zucker- und Fettbomben mit Gesundheitsversprechen

Die Health Claims Verordnung legt eigentlich fest, dass auf Lebensmitteln, mit ungünstigen Nährwertprtofilen (viel Zucker, Fett oder Salz) keine Gesundheitsversprechen gemacht werden dürfen. Doch sind diese Nährwertprofile seit sechs Jahren überfällig. Offensichtlich hat die EU-Kommision den Mut verloren und gibt dem Druck der Lebensmittelindustrie nach, die bisher erfolgreich verhindert hat, dass diese Nährwertprofile festgelegt werden.

Wir meinen: So ein Slogan gehört nicht auf die Verpackung!

Marktcheck zu Gesundheitsversprechen

Die Verbraucherzentrale hat vor kurzem einen Marktcheck zu Gesundheitsversprechen veröffentlicht: Die große Lüge. Immer mehr Lebensmitteln wird mit zweifelhaften Werbeversprechen ein gesundes Image verpasst. Sogenannte "Health Claims" sind auf Verpackungen keine Seltenheit. Wo und wie dabei geschummelt wird, finden Sie hier.

Stand vom Dienstag, 5. Mai 2015

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