Rote Karte für Werbelügen

2. Dezember 2015: Auf der Vorderseite der Teepackung „Himbeer-Vanille Abenteuer“ von Teekanne waren viele Himbeeren und mehrere Vanilleblüten zu sehen, doch im Tee selbst war nichts davon zu finden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt geurteilt: Mit der Aufmachung führt die Firma Teekanne Verbraucher in die Irre, weil nicht drin ist, was abgebildet ist. Da hilft auch nicht das Kleingedruckte auf der Rückseite in der Zuatenliste, wo nur natürliche Aromen mit Himbeer- und Vanillegeschmack aufgeführt waren. Nicht einmal die Aromen werden aus den namensgebenden Zutaten „Himbeere“ und „Vanille“ gewonnen. Stattdessen enthielt der Tee vor allem Hibiskus, Äpfel, Brombeerblätter, Orangenschalen und Hagebutten – von Vanille und Himbeeren keine Spur. 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte Teekanne verklagt und ist durch alle Gerichtsinstanzen gegangen: http://www.vzbv.de/pressemitteilung/bgh-untersagt-irrefuehrende-werbung-von-teekanne. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob mit seiner Entscheidung vom 2. Dezember 2015 ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf und stellte ein landgerichtliches Urteil wieder her, das dem vzbv in erster Instanz bereits Recht gegeben hatte. Zuvor hatte der BGH dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Grundsatzfrage vorgelegt. Dieser entschied im Juni 2015, dass Lebensmittel durch Etikettierung, Aufmachung und Bewerbung nicht den Eindruck erwecken dürfen, dass eine bestimmte Zutat enthalten ist, obwohl diese nicht vorhanden ist und sich das allein aus dem Zutatenverzeichnis ergibt.

4. Juni 2015 EuGH: Schluss mit Etikettenschwindel bei Lebensmitteln

Was drauf steht, muss drin sein. Diesen Grundsatz, gegen den ständig verstoßen wird, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in seinem Urteil vom 4. Juni 2015 festgelegt. Ein erfreuliches und zukunftsweisendes Urteil. Lebensmittel dürfen nach dem Urteil durch Etikettierung, Aufmachung und Bewerbung nicht den Eindruck erwecken, dass eine bestimmte Zutat enthalten ist, obwohl diese tatsächlich nicht vorhanden ist und sich das allein aus dem Zutatenverzeichnis ergibt. Kurz: Was auf der Verpackung abgebildet ist, muss auch drin sein. Der Behauptung der Hersteller, ein vollständiges Zutatenverzeichnis im Kleingedruckten sei ausreichend, wurde nun widersprochen. Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Abbildung der Vorderseite der Verpackung von der Firma Teekanne, um die es in diesem Urteil ging: "Felix Himbeer-Vanille Abenteuer"Vorderseite der Verpackung, über die der EuGH geurteilt hat

Was drauf steht, muss drin sein

Diese Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ist ein längst überfälliges Signal an die Lebensmittelwirtschaft. Die Verpackung eines Lebensmittels darf die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht über die Zutaten in die Irre führen. Wenn auf einer Teepackung Bilder von Himbeeren und Vanille aufgedruckt werden, so wie es bei der Firma Teekanne üblich war, dann müssen diese auch als Zutat im Tee vorkommen. Ersatzstoffe wie natürliche Aromen, die nicht aus den abgebildeten Früchten stammen, reichen da nicht aus.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen, doch für die Lebensmittelindustrie war Ehrlichkeit auf dem Etikett lange Zeit keine gängige Praxis. Wir meinen: Das ist ein wichtiges Urteil gegen Werbelügen, das den Lebensmittelmarkt hoffentlich positiv verändern wird. Es bleibt noch viel zu tun, denn die optische Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln weckt bei vielen Verbrauchern falsche Erwartungen. Der Tee Felix Himbeer-Vanille Abenteuer wurde von Teekanne schon vor einiger Zeit wohlweislich vom Markt genommen.

Abbildung der Rückseite der Verpackung von der Firma Teekanne, um die es in diesem Urteil ging: "Felix Himbeer-Vanille Abenteuer"

Rückseite der Verpackung, über die der EuGH geurteilt hat

Pressemitteilung vom Verbraucherzentrale Bundesverband: EuGH verlangt klare Angaben auf Lebensmitteln

Pressemitteilung Nr. 64/15 des Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH): Die Etikettierung eines Lebensmittels darf den Verbraucher nicht irreführen, indem sie den Eindruck des Vorhandenseins einer Zutat erweckt, die tatsächlich in dem Erzeugnis nicht vorhanden ist

Einige Beispiele für Schwindeleien auf dem Etikett:

  • Zitronenlimonade ohne Zitrone

  • „Acerolasaft” mit der Hauptzutat Apfelsaft

  • Früchteriegel „Blaue Beeren” mit Sultaninen und Apfelstücken, aber ohne „blaue Beeren” und lediglich mit Minimengen an Saftkonzentraten von Brombeeren, Heidelbeeren und Holunderbeeren zum Färben und Süßen

  • Fantasienamen wie „Erdbeertraum”

  • Fantasiebezeichnungen wie „Piemontkirsche”, die es gar nicht gibt

  • Fertiggerichte wie gebratene Nudeln mit abgebildeten Garnelen, die im Produkt fehlen und durch Aroma ersetzt werden

  • Formfleisch statt abgebildeter Hähnchenbrust

Wie versuchen Hersteller die Verbraucher auszutricksen?

  • Steht der Hinweis „Serviervorschlag” neben einer Abbildung auf der Verpackung, müssen beispielsweise die abgebildeten Früchte gar nicht drin sein.

  • Die richtige Bezeichnung des Lebensmittels oder die Zutatenliste ist im Falz der Verpackung oder bei einem Standbeutel am Boden versteckt, so können Verbraucher die Werbelügen nur schwer enttarnen.

  • Steht „Vanilla” auf einem Etikett eines vermeintlichen Vanillejoghurts, können Verbraucher davon ausgehen, dass keine echte aromatische Vanilleschote drin ist. Stattdessen werden häufig lediglich Aroma, das nicht aus der Vanillepflanze stammt, und unter Umständen geschmacklose Vanillesamen, die als kleine schwarze Punkte im Joghurt optisch einen hohen Vanillegehalt vortäuschen sollen, eingesetzt.

  • Stehen auf dem Etikett etwa neben Abbildungen von Haselnüssen oder Erdbeeren Floskeln wie „à la Haselnuss” oder „mit Erdbeergeschmack”, sind die wertgebenden Zutaten meist nur marginal oder überhaupt nicht in den Lebensmitteln enthalten.

  • Bestimmte Früchte werden von der Lebensmittelindustrie zu einer teureren Frucht „umgefruchtet”. So werden etwa mit Hilfe von Aromastoffen aus Cranberries Kirschen. Wir zeigen Ihnen, wie sich die „fruchtigen“ Etiketten von den tatsächlichen Inhaltsstoffen unterscheiden.

Viele weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf dem Internetportal der Verbraucherzentralen www.lebensmittelklarheit.de.

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Stand vom Montag, 11. Januar 2016

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