Kandidat 1: Bebe Zartpflege Kindercreme


  • Gewaltige Preiserhöhung von bis zu 84 Prozent.

  • Knifflige Preisgestaltung quer durch Produktpalette.

  • Verpackungen kaschieren höhere Preise.

  • Schlechtere Produktqualität durch Zusatz von Konservierungsstoff.


Auf den ersten Blick war kein Unterschied bei der neuen Bebe Zartpflege Kindercreme festzustellen. Bis auf den Spatz, der ganz unschuldig „den Kleinen von seinen fröhlichen Entdeckungstouren“ (Zitat Pressemitteilung Johnson & Johnson, 21. April 2015) erzählen soll. Aber der Piepmatz hat's faustdick hinter den Ohren, denn mit ihm wollte der Konzern Johnson & Johnson von einer gewaltigen Preiserhöhung ablenken: Bis zu 84 Prozent teurer als bisher wurden die neuen Döschen! 

3 alte dosen und dazu die 3 neuen Dosen mit weniger Inhalt
Die verschiedenen Größen der Bebe Kindercreme: vorne die neuen, hinten die alten Packungen

So reduzierte Johnson & Johnson die Menge

Die Preiserhöhung hatte ihre Ursache vor allem in der Füllmengenreduzierung. Doch bei der Preisgestaltung waren Rechenkünstler am Werk – mal steigt der Preis, mal fällt er, mal bleibt er unverändert. Logisch und nachvollziehbar ist das für Verbraucher nicht.

Alte Packung / Preis Neue Packung / Preis Versteckte Preiserhöhung
Große Dose
250 ml
2,45 €
150 ml
2,29 €

56 %
Mittlere Dose
75 ml
1,05 €*
1,19 €*
50 ml
1,29 €
1,29 €

84 %
63 %
Kleine Dose
30 ml
0,79 €
25 ml
0,79 €

20 %

*Preise in zwei unterschiedlichen Filialen des Drogeriemarkts Budnikowsky in Hamburg

So kaschiert Johnson & Johnson weniger Inhalt

Besonders dreist: Sowohl bei der großen als auch der kleinen Dose blieb der Durchmesser unverändert. Die Füllmengenreduzierung fällt so gar nicht sofort auf. Zusätzlich wird die Mengenangabe auf der Rückseite der Dose versteckt. Erst im Vergleich von alter und neuer Packung nebeneinander, lässt sich die unterschiedliche Höhe der großen Dose und damit der Mengenunterschied erkennen. Bei der kleinen Packung bleibt auch die Höhe identisch, doch auf der Unterseite der neuen Packung verbirgt sich eine Einbuchtung, so dass weniger Inhalt in die Dose passt. Nur die mittlere Größe der Bebe Zartpflege ist deutlich kleiner als die alte Variante.

alte Dose mit 250ml nben neuer Doe mit 150 ml

So verdienen Johnson & Johnson und der Handel

Wir wollten von der Tochtergesellschaft des amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterkonzernhersteller mit einem Jahresumsatz von rund 75 Milliarden wissen, warum die Preise versteckt erhöht wurden. Johnson & Johnson antwortet nur ausweichend. Auf die wichtigsten Fragen gar nicht, zum Beispiel bei der Frage nach den alten unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP).

Hersteller dürfen aus kartellrechtlichen Gründen keinen Einfluss auf den Verkaufspreis im Handel nehmen. Die UVP können einen Anhaltspunkt geben, wer an dieser unverschämten Preiserhöhung verdient: der Handel oder der Hersteller oder beide. Nach unseren Recherchen im Internet haben wir alte UVP für die Produkte gefunden. Danach geht tatsächlich nur ein Teil der Preiserhöhung auf den Hersteller zurück, der Handel greift ebenfalls in die Taschen der Verbraucher. Bei der großen Packung macht man anscheinend „halbe-halbe“, denn nach den Zahlen einer früheren Pressemitteilung des Konzerns liegt der neue UVP um 28 Prozent höher als der alte. Die Drogeriekette Budnikowsky verlangt aber nach unseren Recherchen 56 Prozent mehr.

Wie Johnson & Johnson das Produkt verschlechtert

Johnson & Johnson erhöhte leider nicht nur versteckt die Preise, sondern jubelte seinen Kunden klammheimlich den Konservierungsstoff „Phenoxyethanol“ unter. Die neue Creme enthält also mehr Chemie. Warb Johnson & Johnson bisher noch mit dem Hinweis „ohne Konservierungsstoffe“, sucht man diesen auf den neuen Dosen vergeblich. Phenoxyethanol gilt als weniger bedenklich als viele Parabene, die häufig bei Kosmetika als Konservierungsmittel eingesetzt werden.

Wir hatten Johnson & Johnson nach Rezepturänderungen für den Relaunch befragt. Eine ehrliche Antwort haben wir nicht erhalten: Auf den Zusatz von Konservierungsstoffen haben sie nicht hingewiesen. Erwähnt wurden nur „kleinere Optimierungen der Rezeptur“. Transparenz sieht anders aus.

Stand vom Mittwoch, 16. Dezember 2015

zurück