Vorsicht, Lebensmittelwarnung!

Ob Glassplitter, giftige Stoffe oder gefährliche Bakterien in Lebensmitteln — das Portal lebensmittelwarnung.de informiert schnell über Lebensmittelrückrufe und schafft so mehr Transparenz. Doch oftmals können wir uns als Verbraucher der Risiken der Inhaltsstoffe gar nicht wirklich bewusst werden. Denn: 80 Prozent der Warnmeldungen beschreiben die mögliche Gesundheitsgefährdung nur unzureichend, weil sie entweder unvollständig sind oder die Risiken verharmlost werden.

Das ist das Ergebnis unserer Auswertung von insgesamt 50 Warnungen, die zwischen Juli 2015 und bis April 2016 auf der Internetseite lebensmittelwarnung.de veröffentlicht wurden.

Unzureichende Warnungen mit schlimmen Folgen

  • Lediglich bei zehn Warnungen gab es eine gute Beschreibung der Risiken.

  • Fünf Warnungen verharmlosten mögliche Auswirkungen.

  • In 27 Fällen wurden die Verbraucher im Dunkeln gelassen, da keine Aussagen über die gesundheitlichen Gefährdungen getroffen wurden.

  • Viermal waren die Formulierungen zu Gesundheitsrisiken zu unkonkret oder zu unverständlich und versteckten sich hinter Fachbegriffen.

  • Bei weiteren vier Warnmeldungen wurden die gesundheitlichen Auswirkungen nur teilweise benannt.

Wir finden es besonders problematisch, wenn in den Warnlisten bei Verunreinigungen mit Listerien nur vor Kopfschmerzen und Fieber gewarnt wird, obwohl diese tückischen Bakterien Fehlgeburten und Hirnhautentzündungen verursachen können. Auch bei Salmonellen fehlte meistens ein warnender Hinweis auf die tatsächliche Gefährdung, obwohl Salmonellose eine sehr ansteckende Krankheit ist. Die Verharmlosung kann dazu führen, dass zum Beispiel hochgradig ansteckende Noroviren in der Bevölkerung verbreitet werden. Sowohl Noroviren als auch Salmonellen und Listerien sind sogar meldepflichtig. Die Veröffentlichungen zu Fremdkörpern wie Glassplittern oder Plastikteilen in Lebensmitteln waren ebenfalls unzureichend, weil Hinweise auf mögliche Speiseröhren­verletzungen oder innere Blutungen fehlten.

Glasscherben in Kapern

Fachliche Kontrolle ist wichtig und notwendig

Es ist gut, dass es das Portal lebensmittelwarnung.de seit Oktober 2011 gibt, denn es informiert schnell über Lebensmittelrückrufe und schafft so mehr Transparenz. Früher wurden möglicherweise gesundheits­gefährdende Lebensmittel eher still zurückgerufen, um die betroffenen Firmen nicht zu schädigen.

Trotzdem: Die Texte zu den Warnungen werden offenbar nicht ausreichend kontrolliert und mitunter ohne fachliche Prüfung auf Vollständigkeit veröffentlicht. Das Problem verschärft sich dadurch, dass es wohl keine klare Zuständigkeit gibt und Behörden Firmenwarnungen teilweise ohne Nachprüfung ins Netz stellen.

Wir fordern daher: Es muss einen Verantwortlichen geben, der die sachliche Richtigkeit der Warnmeldungen sicherstellt. Im schlimmsten Fall können Gesundheitsschäden oder Krankheitsübertragungen auf weitere Personen nicht verhindert werden, wenn Warnungen verharmlost oder die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen nicht richtig dargestellt werden. Fünf Jahre nach der EHEC-Epidemie ist es an der Zeit, den Qualitätsstandard bei Lebensmittelwarnungen endlich nach oben zu setzen, um der Ausbreitung von schlimmen Krankheiten besser vorzubeugen.

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Stand vom Donnerstag, 28. April 2016

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