Milchkrise - was tun?

Die aktuelle Diskussion zum Milchpreis wirft viele Fragen auf. Aber weder die Angaben auf der Verpackung noch die Preisgestaltung sind aus Verbrauchersicht ausreichend transparent. So sagen viele Kunden, dass sie einen höheren Preis zahlen würden, wenn zumindest sichergestellt sei, dass die Bauern auch davon profitierten. Beispiel Biomilch: Diese macht einen Kaffee gar nicht so viel teurer. Höchstens 10 Cent kommen beispielsweise pro Portion Milchkaffee oben drauf. Billigmilch kostet rund 5 Cent pro Tasse, Biomilch hingegen 15 Cent. Auch Umweltschutzaspekte oder der Erhalt von regionalen Weidelandschaften sind wichtige Entscheidungskriterien für viele Verbraucher.

Marktcheck in Cafés: Vor allem Billigmilch im Kaffee

Viele Kaffeetrinker wünschen sich, dass die Gastronomie Biomilch für die Zubereitung von Milchkaffee und Co. einsetzt und ebenfalls Verantwortung für eine nachhaltige Landwirtschaft und mehr Tierwohl übernimmt. In Bäckereien, Kaffeebars und Cafés wird aber größtenteils billige Milch eingesetzt, obwohl der Durchschnittspreis für einen Milchkaffee mit 2,80 Euro pro Tasse sehr hoch ist. Wir haben einen  Marktcheck bei insgesamt 23 Kaffeeanbietern in Hamburg gemacht.

In 19 Verkaufsstätten stand günstige konventionelle H-Milch in der Kaffee-Ecke – von Frischli, Muh, Arla oder zum Beispiel Milbona.


Konventionelle Billigmilch bei Dat Backhus (links) und Starbucks (rechts)

Nur bei vier Anbietern wurden Kaffeegetränke mit Biomilch zubereitet und zwar bei Cuccis, im Mutterland, in der Bar Katze und beim Bio-Höfeladen Sülldorf.


Biomilch, teilweise sogar aus der Region, im Mutterland (links) und beim Bio-Höfeladen Sülldorf (rechts)

Die fünf wichtigsten Kritikpunkte in Sachen Milch

  • Was der Handel oder die Molkereien den Bauern zahlen, sollte auf deren Internetseiten transparent gemacht werden.

  • Milch aus der Region muss eindeutig deklariert werden.

  • Weidemilch und Alpenmilch müssen geschützte Begriffe werden.

  • Auch im Restaurant, Café, Hotel oder bei Eis- und Imbissständen sollte die Herkunft der Milch, z.B. Bio oder aus der Region,  deklariert werden.

  • Es wird zu viel Milch von Hochleistungskühen produziert.

Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Milchpreis-DiskussionGrafik zur Zusammensetzung des Milchpreises

1. Zu wenig Zahlungstransparenz: Wie viel bekommen die Milchbauern?

Die deutschen Milchbauern bekommen zurzeit für einen Liter konventionelle Vollmilch (3,5 % Fett) im Durchschnitt 23,1 Cent. In einigen Regionen ist der Milchpreis sogar erstmals unter die 20-Cent-Marke gefallen. Leider erfährt der Kunde davon gar nichts. Discounter sollten transparenter werden und diese Preise veröffentlichen, dann hätten die Kunden mehr Durchblick beim Milchpreis und könnten sich gegebenenfalls auch gegen Dumping-Aktionen des Handels entscheiden.

2. Glaubwürdigkeit verbessern: Woran erkennt man regionale Milch?

Ausschnitt Bio MilchpackungDer Begriff der Regionalität ist leider nicht klar definiert. Auf Lebensmitteln im Supermarkt prangen viele unterschiedliche und teilweise auch unglaubwürdige regionale Label, Siegel und Marken – da ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Auf jeder Milchpackung muss zwar der letzte Verarbeiter – meistens die Molkerei – genannt werden, nicht jedoch die Herkunft der Milch. Den letzten Verarbeiter erkennt man an dem Zahlencode im kleinen Oval

Das „Regionalfenster“ auf Milchverpackungen ist glaubwürdiger. Es gibt Auskunft darüber, woher die Milch stammt und wo sie verarbeitet wurde. Leider steht dieses Fenster noch relativ selten auf der Milchtüte, diese Art der Kennzeichnung für ein regionales Produkt ist freiwillig.

Einige Anbieter bieten gezielt regionale Milch an, wie Hamfelder Hof, Bergbauern Milch oder die Ökomelkburen. Diese Angebote sollten verstärkt unterstützt werden. Für das regionale Einkaufen gibt es jetzt auch eine App, die in Süddeutschland schon viele Anbieter auflistet, für Norddeutschland aber noch umfangreicher werden sollte. Über faire Milch kann man sich beispielsweise hier informieren.

3. Etikettenschwindel: Sind die Begriffe Weidemilch und Alpenmilch geschützt?

Leider sind die beiden Begriffe Weidemilch und Alpenmilch nicht geschützt. Diese und und viele andere Bezeichnungen haben ein hohes Irreführungspotenzial! So kommt die Alpenmilch teilweise  aus dem Alpenvorland, das sich  bis ins „Flachland“ nördlich von München erstrecken kann. Auch für Weidemilch gibt es bisher keine festen Kriterien. Die grasenden Kühe auf der Milchpackung stellen häufig nicht die Realität des tatsächlichen Lebens von Kühen dar, die beispielsweise niemals auf eine Weide kommen. Einige Weidemilchbauern füttern zwar mit Gräsern von der Wiese, halten die Kühe aber das ganze Jahr in Laufställen.

Heumilch dagegen ist ein EU-weit geschützter Begriff. Die Kühe erhalten keine Silage und kein gentechnisch verändertes Futter. Eine regionale Herkunft der Milch kann man daraus allerdings nicht ableiten.

Neuerdings gibt es einige Initiativen, beispielsweise die Meierkamp Weidemilch von Aldi Nord. Dort sind mindestens 120 Tage Weidegang im Jahr (6 Stunden pro Tag auf der Weide), Bauernhöfe maximal 20 Kilometer von der Nordseeküste entfernt und kein genverändertes Futter vorgeschrieben. Das sind begrüßenswerte Standards. Doch es gibt auch Kritik: Da die Milch im Handel für 59 Cent erhältlich ist, wird befürchtet, dass für viele Bauern der niedrige Aldi-Abnahmepreis nicht kostendeckend ist. Diese Bauern betonen, sie bräuchten mindestens 40 Cent, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

4. Bio-Milch: Eine gute Alternative?

Biomilch ist vom Preisdumping kaum betroffen, der Erzeugerpreis ist deutlich höher und vor allem auch stabiler. Mit dem Kauf unterstützt man zugleich eine bessere Tierhaltung mit mehr Platz pro Kuh und ständigem Zugang zu Freigelände wie Weideland. Darüber hinaus wird der Einsatz von genverändertem Futter verhindert. Viele Betriebe versorgen die Tiere mit Heu und selbst angebautem Futter. Diese Vorgaben gelten übrigens ebenfalls für Bio-Milch vom Discounter. Auch für die eigene Gesundheit hat Bio-Milch Vorteile, sie enthält zum Beispiel mehr wertvolle Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren).

5. Gentechnik: Welche Kühe bekommen kein genverändertes Futter?

Nachweisbare Gentechnikfreiheit gilt beispielsweise für den biologischen Anbau, für Heumilch  oder für konventionelle Milch mit dem Label „ohne Gentechnik“.

6. Gastronomie: Welche Milch wird verwendet?

Leider müssen Gastronomen keine Auskunft zur Herkunft der von ihnen verwendeten Milch geben. Ein Blick hinter den Verkaufstresen im Café oder auf das Frühstücksbüfett im Hotel zeigt: Hier wird häufig nur die preisgünstigste H-Milch verwendet. Restaurants sollten für mehr Transparenz sorgen und die Herkunft der Milch besser deklarieren. Schön wäre auch ein regionales Engagement!

7. Wie kann man regionale Landwirte vor Ort unterstützen?

Einige Landwirte verkaufen die Milch vom Hof oder bieten frische Milch in sogenannten Milchtankstellen an. Diese Milch muss aber unbedingt vor dem Verzehr erhitzt werden. Fragen Sie auch im Einzelhandel nach regionalen Angeboten, zum Beispiel mit Regionalfenster, um die Nachfrage zu erhöhen.

8.  Hochleistungskühe: Warum wird so viel Milch produziert?

Nach der Auflösung der Milchquote sind die Produktionsmengen sprunghaft angestiegen, denn die Bauern haben sich davon einen höheren Umsatz versprochen. Doch die Milchschwemme am Markt  hat zum Gegenteil geführt. Die Preise für Milch sinken immer weiter, weil auch wichtige Absatzmärkte – etwa durch das Embargo Russlands – weggefallen sind. Hinzu kommt: Konventionelle Kühe werden heutzutage  auf immer mehr Leistung getrimmt. Im schlimmsten Fall kommt der Tierschutz viel zu kurz.

Politiker und Landwirte sollten zeitnah nach Lösungen für die Milchkrise suchen!

vzhh auf Facebook

Übrigens: Wir sind auf Facebook. Schauen Sie mal rein! Wir freuen uns über Ihr „Gefällt mir“.

Stand vom Donnerstag, 9. Juni 2016

zurück