Regional: Versteckspiel oder Einkaufshilfe?

Regionalität ist für viele Verbraucher ein wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf von Lebensmitteln, doch Begriffe wie „regional“ oder „aus der Region“ sind rechtlich nicht geschützt. Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen bei Eiern, Milch- und Fleischprodukten sowie Obst und Gemüse hat gezeigt, dass Werbung mit regionalem Bezug oft unspezifisch ist oder sogar irreführend. Bundesweit haben die Verbraucherzentralen stichprobenartig 121 Produkte von Supermärkten, Discountern und Bioläden unter die Lupe genommen, davon 63 mit dem sogenannten Regionalfenster und 58 mit anderer Regionalwerbung.

Genau hinschauen beim Regionalfenster

Das blau-weiße Regionalfenster auf der Verpackung ist freiwillig und bietet nach Einschätzung der Verbraucherschützer eine gute Orientierung beim Einkauf. Es gibt Auskunft über die Region, den Ort der Verarbeitung, den Anteil der verwendeten regionalen Zutaten sowie die Kontrollstelle.

Ein genauer Blick aufs Etikett ist dennoch geboten, denn Produkte mit Regionalfenster können deutschlandweit vermarktet werden. Außerdem sind teilweise mehrere Bundesländer, beispielsweise Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, zu einer Region zusammengefasst. Doch solche Großregionen entsprechen nicht dem, was sich Verbraucher unter Regionalität vorstellen. Die Transportwege sind weit und die Orte der Produktion und des Verpackens sind oft viele Kilometer voneinander entfernt. Außerdem schwankt insbesondere bei Mischprodukten, wie zum Beispiel Wurstwaren, der Anteil regionaler Zutaten stark. So bestand die Stichprobe bei Sülzfleischwurst nur gut zur Hälfte aus regionalen Zutaten, bei Bratwurst hingegen lag deren Anteil bei 94 Prozent. 

Regionalwerbung mit schönen Worten

„Das Beste von hier“, „Gutes aus der Heimat“ oder „nah“ sind typische Formulierungen für Regionalwerbung auf Produkten, Flyern oder am Regal. Solche Hinweise sind unspezifisch und häufig nicht nachvollziehbar. Hinter den schönen Worten verbergen sich teilweise erhebliche Entfernungen und meist eine unklare Herkunft der Rohstoffe.

So werden Tomaten mit „Gutes aus der Region – von Thüringen bis Sachsen bei uns gewachsen“ beworben. Dass das Gemüse aber stolze 451 km von Alperstedt in Thüringen bis zum Supermarkt in Saarbrücken zurückgelegt hat, ist für den Verbraucher nicht offensichtlich. Außerdem fanden die Verbraucherzentralen Wurst mit der Angabe „aus maximal 30 Kilometer Umkreis“, die aber in einem 130 Kilometer entfernten Fleischwerk hergestellt wurde – aus Rohstoffen, deren Herkunft unbekannt blieb. Auch Obst und Gemüse wurde als „regional“ beworben, obwohl nur die verpflichtende Herkunftsangabe „Deutschland“ zu finden war. Ob die Zutaten aus der Region kommen oder das Produkt lediglich in der Region verarbeitet wurde und wie die Region genau definiert ist, bleibt bei dieser Art von Regionalwerbung meistens unklar. Manchmal ist nur der Firmensitz oder die Rezeptur regional, während die Zutaten deutlich weiter reisen mussten. Das ist für Kunden irreführend.

Das muss sich ändern

Aus Sicht der Verbraucherzentralen reichen die bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht aus, um einen transparenten Einkauf regionaler Produkte zu ermöglichen und Verbraucher vor irreführender Werbung zu schützen. Anbieter und Lebensmittelhandel müssen falsche, nicht überprüfbare und unklare Regionalangaben ohne nachvollziehbare Kriterien unterlassen. Bessere gesetzliche Vorgaben, neutrale Kontrollen und Sanktionen sind erforderlich, um der unseriösen Werbeflut einen Riegel vorzuschieben. Ein erster Schritt wäre es, wenn Werbung mit Regionalität nur den Produkten vorbehalten bliebe, die auch mittels Regionalfenster klar über Region, Herkunft der Zutaten und Verarbeitungsort informieren.

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