Ein Tröpfchen in Ehren?

Milchbrötchen, Snacks oder Weihnachtsleckereien können Alkohol enthalten. Doch leider ist das für Verbraucher nicht immer offensichtlich. Unsere aktuelle Stichprobe zeigt:

  • Die meisten Produkte sind hinsichtlich ihres Alkoholgehalts nur unzureichend deklariert, darunter auch solche, die Kinder gerne essen.

  • Bei vielen Lebensmitteln findet sich ein Hinweis auf den Alkoholeinsatz nur im Kleingedruckten der Zutatenliste und damit oft nur auf der Rückseite. Teilweise ist die Schrift sehr klein und der Kontrast schlecht, sodass die Lesbarkeit stark darunter leidet.

  • Ein deutlicher Hinweis auf der Schauseite könnte Verbrauchergruppen wie Eltern, Schwangere, abstinente Alkoholiker sowie Muslime vor ungewollten Fehlankäufen schützen.


bild der Packung "Milchbrötchen" der eigenmarke "Gut & günstig von Edeka bild der Packung "Schokobrötchen" der Eigenmarke "Gut & günstig von Edeka Knack&BackZimtschnecken Milka Choco Trio
Vier Produkte, bei denen ein Hinweis auf Alkohol nur im Kleingedruckten zu finden ist.

Bei unserem aktuellen Marktcheck waren 16 von 21 Produkten und damit gut 76 Prozent unzureichend gekennzeichnet.

Freihofer Gourmet Dessert "Praliné" von Aldi NordNur ein Dessert fiel vorbildlich auf – auf den verwendeten Alkohol wurde bei diesem Nachtisch von Aldi Nord (s. links) mit einem Piktogramm auf der Schauseite deutlich hingewiesen. Bei drei weiteren Produkten fand sich der Vermerk „enthält Alkohol“, „alkoholhaltig“ oder zum Alkoholgehalt wenigstens deutlich hervorgehoben auf der Rückseite. Eine Cocktail Sauce wies in der Produktbezeichnung auf "Sherry" hin.

Produkte besser kennzeichnen: Rein rechtlich ist gegen diese – wie wir finden – mangelhafte Kennzeichnung wenig zu machen, da ein Hinweis auf den Zusatz von Alkohol unverständlicherweise nicht vorgeschrieben ist. Dabei ist eine verbraucherfreundlichere Deklaration dringend geboten.


Versteckter Alkohol in Lebensmitteln – Antworten auf die wichtigsten Fragen


Warum kann sich Alkohol in Lebensmitteln verstecken?
Grundsätzlich gilt: Wird Alkohol einem verpackten Lebensmittel als Zutat zugeführt, dann muss das auch entsprechend in der Zutatenliste stehen. Bei kleinen Packungen kann die Zutatenliste jedoch entfallen. Wird Alkohol als Trägerstoff – zum Beispiel für Aromen – beigemischt, so gilt er laut Lebensmittelgesetz nicht als Zutat und muss daher auch nicht in der Zutatenliste aufgeführt werden. Es gibt einige wenige Anbieter, die das freiwillig machen.  

Wie ist die Kennzeichnung bei unverpackten Lebensmitteln geregelt?
Bei vielen unverpackten Produkten entfällt die Pflicht zur Kennzeichnung, beispielsweise bei lose verkaufter Ware vom Bäcker. Die Verwendung von Alkohol sowie der Alkoholgehalt in Torten und Pralinen muss nicht ausgewiesen werden. Das gilt auch für Gerichte im Restaurant.

Kann man sich auf die Bezeichnung „alkoholfrei“ bei Getränken verlassen?
Nein, denn selbst beliebte alkoholfreie Biere können bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten. Das gilt auch für Malzbier, das besonders Kinder und Jugendliche gerne trinken. Für Kinder und Jugendliche ist alkoholfreies Bier mit Blick auf die Suchtprävention als Getränk daher nicht empfehlswert.

Wann steht der Alkoholgehalt von Getränken auf der Flasche?
Bei Getränken muss der Alkoholgehalt erst ab 1,2 Prozent deklariert werden. Bei „alkoholfreien“ Bieren mit Restalkohol hingegen muss der Gehalt an Restalkohol gar nicht angegeben werden. Einige Brauer haben auf die Kritik der Verbraucherzentralen reagiert und deklarieren auch bei alkoholfreiem Bier etwa mit dem Hinweis „weniger als 0,5% Vol.alc.“ oder bieten tatsächlich alkoholfreies Bier mit 0,0 % Alkohol an.  

Welche Funktion hat Alkohol in Lebensmitteln? Warum wird er beigemischt?
Viele Speisen erhalten dadurch erst ihren speziellen Geschmack. Alkohol wird aber auch häufig bei verschiedenen Süß- und Backwaren als Konservierungsmittel eingesetzt. Darüber hinaus kann er noch als Lösungsmittel für bestimmte Aromen verwendet werden. 

Welche Namen für Alkohol finden sich in den Zutatenlisten?
Wird Alkohol zugeführt, um Speisen haltbarer zu machen, ist der Stoff als Trinkalkohol, Ethanol, Ethylalkohol oder Äthanol aufgeführt – Begriffe, die nicht alle Verbraucher sofort zuordnen können. Auch bei konkreten Sortenbezeichnungen wie Whiskey, Grappa oder Bourbon, die ebenfalls auf vielen Zutatenlisten zu finden sind, besteht die Gefahr, dass nicht jeder weiß, was sich dahinter verbirgt.

Was ist mit natürlichem Alkohol in Lebensmitteln, ist der unbedenklich?
Natürlicher Alkohol, wie er beispielsweise in Sauerkraut, Fruchtsäften oder Brot durch den natürlichen Gärungsprozess enthalten ist, übersteigt selten 0,3 Prozent, ist nicht zu schmecken und wird daher als unbedenklich eingestuft.

In welchen Produkten ist Alkohol enthalten, obwohl man ihn dort nicht unbedingt erwartet?
Vor allem in Süßwaren: Marzipan, Fertigkuchen, Kuchenrollen mit kakaohaltiger Füllung, Desserts und Eis. Oft sind es Lebensmittel, bei denen man – anders als im Fall der Schwarzwälder Kirschtorte – nicht unbedingt damit rechnet. Aber auch Suppen, Saucen oder Salatdressings sowie herzhafte Gerichte wie Hühnerfrikassee sollten man genau prüfen.

Für wen ist versteckter Alkohol in Lebensmitteln besonders gefährlich?
Bei abstinenten Alkoholikern können wahrscheinlich bereits ganz kleine Mengen an Alkohol, ja selbst deren Geruch, zu einem Rückfall führen. Wer nach geringen Alkoholmengen (auch in Lebensmitteln) die Erfahrung macht, dass er damit „gut klarkommt“, neigt in der Folge zu Selbstüberschätzung und handelt nach dem Motto: „Wenn mir das Kirschwasser in der Schwarzwälder Kirschtorte nicht schadet, kann ich auch ein Glas Bier trinken“, warnen Suchtexperten. Außerdem:

  • Schwangere sollten zum Schutz des ungeborenen Kindes überhaupt keinen Alkohol zu sich nehmen.

  • Muslime müssen nach ihren Speisen- und Trinkgesetzen gänzlich auf Alkohol verzichten.

  • Kinder sollten sich keinesfalls über kleine Mengen in Lebensmitteln an den Geschmack von Alkohol gewöhnen.

Wie kann sich der Verbraucher vor verstecktem Alkohol schützen?
Wer auf Alkohol verzichten möchte und wer Kinder hat, sollte sich die Zutatenlisten einzelner Produkte immer sehr genau anschauen. Allerdings ist man selbst damit nicht auf der sicheren Seite, denn: Alkohol kann auch ohne Kennzeichnung in verpackten Lebensmitteln und Getränken stecken. Lebensmittel, wie beispielsweise Kuchen aus einer Bäckerei oder auch die Speisen in einem Restaurant, haben prinzipiell keine Zutatenliste. Wer keinen Alkohol zu sich nehmen möchte, sollte daher unbedingt nachfragen.

Wird durch Kochen oder Backen zugesetzter Alkohol ganz entfernt?
Nein, das ist nicht der Fall. Restmengen an Alkohol sind meist noch vorhanden. Abhängig davon wie viel Alkohol verwendet wurde und wie lange das Gericht gekocht bzw. gebacken wurde.

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Stand vom Freitag, 11. November 2016

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