Nahrungsergänzung für die Stillzeit?

Nahrungsergänzungsmittel für Stillende sind oft überdosiert und meistens unnötig. Wir haben anlässlich der diesjährigen Weltstillwoche eine Stichprobe von 14 verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln mit Kombinationen mehrerer Nährstoffe für stillende Mütter überprüft hat. Das sind die Ergebnisse:


Überdosierungen möglich

Die große Problematik der Nahrungsergänzungsmittel in der Stillzeit liegt in einer möglichen Überdosierung bestimmter Stoffe. Die 14 überprüften Kombimittel richten sich meist sowohl an Schwangere als auch an Stillende – und das, obwohl in diesen Lebensphasen ein ganz unterschiedlicher Nährstoffbedarf besteht. Einige Produkte fallen durch Inhaltsstoffe auf, die weit über den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung liegen. Neun der untersuchten Supplemente überschreiten die Höchstmengenempfehlungen für Selen, Zink oder Folsäure. Doch selbst in Apotheken wird nur in Ausnahmefällen auf mögliche Gefahren hingewiesen.

Unübersichtliche Informationen

Die Vielfalt an Supplementen erschwert Frauen den Überblick. Orientierung zu Inhaltsstoffen und Nutzen können lediglich die Informationen auf Verpackungen und Internetseiten geben. Aber hier verunsichern die Hersteller eher mit blumigen Formulierungen ohne Mehrwert oder widersprüchlichen Angaben zum Nutzen über die Ernährung hinaus.  Formulierungen wie „Babywunsch. Babybauch. Babyglück“, „für Sie, Ihr Baby und die Umwelt!“ oder „Die enthaltenen Nährstoffe decken den erhöhten Bedarf bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft und Stillzeit. – Der erhöhte Bedarf kann auch durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung gedeckt werden“ zeigen dies eindrücklich.

Große Preisspannen

Neben der Variation an Inhaltsstoffen halten die Anbieter auch die Preisgestaltung flexibel. Zwischen fünf Cent und weit über einem Euro pro Tag ist alles möglich. Bei einer Stillzeit von sechs Monaten können so Kosten von bis zu 340 Euro beim teuersten und nur 9 Euro beim günstigsten Produkt anfallen.  Für Stillende ist dabei nicht ersichtlich, wodurch die Variabilität zustande kommt und ob diese gerechtfertigt ist.

Unser Fazit: Nahrungsergänzungsmittel in der Stillzeit liefern wenig Mehrwert und bewirken im schlimmsten Fall das Gegenteil von dem, was Frauen in dieser Phase wünschen: sich und ihrem Kind etwas Gutes zu tun. Dennoch landen Nahrungsergänzungen in den Einkaufskörben vieler Verbraucherinnen und Verbraucher. Das mangelnde Wissen darüber, was eine ausgewogene Ernährung leisten kann und die ausgefeilten Kommunikationsmaßnahmen der Unternehmen werden wohl dafür sorgen, dass die Supplemente auch weiterhin in den Regalen von Apotheken, Drogerien und Supermärkten stehen.

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Stand vom Sonntag, 29. Oktober 2017

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