Grundpreise nur mit Lupe

Sechs von zehn Preisschildern im Lebensmitteleinzelhandel entsprechen nicht der gesetzlichen Pflicht zur Grundpreisangabe. Bei jedem fünften Preisschild fehlt der Grundpreis sogar völlig. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Untersuchung der Verbraucherzentralen. Sie fordern jetzt klare gesetzliche Vorgaben für Schriftgröße, Anordnung, Bezugsgröße und Maßeinheit der Grundpreisangabe sowie stärkere staatliche Überwachung.

Konservendosen mit unlesbar kleinem Grundpreis Die Verbraucher­zentralen haben bundesweit die Grundpreis­auszeichnung von 3.225 Lebens­mitteln (Milcherzeugnisse, Kondensmilch, Puddingpulver, Konserven und Tütensuppen) in 93 Geschäften überprüft.

Die Ergebnisse:

• In 1.929 Fällen (60 %) wurden die gesetzlichen Vorgaben nicht eingehalten.

• Bei 601 Preisschildern (19 %) fehlte der Grundpreis völlig.

• Von den 2.624 Preisschildern mit Grundpreis waren 1.328 (51 %) fehlerhaft. So wurde bei 1.091 Produkten (42 %) eine falsche Bezugsgröße verwendet und bei 288 Produkten (11 %) der Grundpreis falsch berechnet.

• Bei Sondervorschriften versagt der Einzelhandel komplett: Über 95 % der geprüften Grundpreise für Puddingpulver und Tütensuppen waren fehlerhaft. Die Händler bezogen fälschlicherweise den Grundpreis auf die Menge des Pulvers in der Packung und nicht auf das Volumen der verzehrsfertigen Zubereitung.

Moniert wurde von den Prüfern auch die Größe der Grundpreise. Fast jeder zweite Grundpreis (44 %) war zu klein bzw. schlecht lesbar. Genaue gesetzliche Vorgaben zur Schriftgröße gibt es bisher noch nicht.

Detaillierte Tabelle zu den bundesweiten Ergebnissen

Detaillierte Tabelle zu den Ergebnissen aus Hamburg

Beispiele für eine falsche Grundpreisauszeichnung

Beispiele für eine fehlende Grundpreisauszeichnung

Beispiele für zu kleine bzw. unlesbare Grundpreisauszeichnung

(Untersuchungszeitraum: Juli 2010)

Seit der Freigabe der Verpackungsgrößen für Lebensmittel im April 2009 ist der Grundpreis die Schlüsselinformation für den Preisvergleich gleichartiger Produkte. Der aktuelle Marktcheck verdeutlicht, dass der Lebensmitteleinzelhandel die Grundpreisauszeichnung nicht mit der nötigen Sorgfalt umsetzt. Die Verbraucherzentrale hat nach den Ergebnissen der Untersuchung den Eindruck, dass elementare Fachkenntnisse zur Grundpreisangabe bei den Einzelhändlern fehlen und Zuwiderhandlungen als Kavaliersdelikte angesehen werden. Besonders vor dem Hintergrund der vielen versteckten Preiserhöhungen durch Mengenreduzierung, ist die fehlende Transparenz nicht hinnehmbar.

Neben klaren gesetzlichen Vorgaben für die Preisangabe fordern die Verbraucherzentralen deshalb von den Ländern eine konsequente Überwachung der Preisangaben im Lebensmitteleinzelhandel. Die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) hat auf ihrer 16. Sitzung am 8. und 9. November die Möglichkeit, die erforderlichen Verbesserungen einzuleiten.

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

Stand vom Dienstag, 29. Oktober 2013

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