Fondspolicen meist schlechter als reine Fonds

Niedrigere Besteuerung wird durch hohe Kostenbelastung überkompensiert 

Ab 2009 werden fast alle Kapitalerträge der Abgeltungssteuer von 25 Prozent unterworfen. Eine Ausnahme gilt jedoch für Kapital bildende Lebens- und Rentenversicherungen. Wenn diese erst nach Erreichen des 60. Lebensjahres des Versicherungsnehmers ausgezahlt werden, muss lediglich die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Selbst bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent liegt die Ertragssteuer dann maximal bei 22 Prozent. Hinzu kommt, dass die Kapitalerträge auch während der Ansparphase keinerlei steuerlichen Abzügen unterliegen und sich deshalb der Zinseszins-Effekt voll entfalten kann, während bei anderen Sparplänen – mit Ausnahme staatlich geförderter Verträge – Zuflüsse aus Zinsen oder Dividenden sofort besteuert werden.

Angesichts dieser steuerlichen Bevorzugung versprechen sich die Versicherer glänzende Geschäfte. Vor allem im Wettbewerb zwischen fondsgebunden Rentenversicherungen und reinen Fondsparplänen wird bei der Kundenakquise deshalb bereits eifrig mit dem fiskalischen Vorteil geworben. Dass bei den Versicherungsprodukten am Ende mehr für den Anleger verbleibt, ist allerdings keineswegs sicher.

Die Verbraucherzentrale Bremen hat mit dem Programm LVWIN der Firma Morgen & Morgen insgesamt 19 Angebote ermittelt, bei denen im Rahmen einer fondsgebundenen Rentenversicherung die Kapitalanlage in dem beliebten DWS Vermögensbildungsfonds I erfolgt. Berücksichtigt wurden dabei nur Tarife, bei denen die Beiträge erstattet werden, wenn der Versicherungsnehmer in der Ansparphase verstirbt. Schon ein Vergleich dieser Angebote untereinander zeigt frappierende Ergebnisse: Spart ein 35-jähriger Mann 30 Jahre lang monatlich 100 Euro und erzielt der DWS Fonds im Durchschnitt eine jährliche Wertsteigerung von 7 Prozent, würden Ablaufleistungen erreicht, die zwischen 111.020 Euro (Europa Lebensversicherung) und 93.301 Euro (Barmenia) streuen. Ohne die Einrechnung möglicher Überschüsse liegt die Bandbreite zwischen 103.219 Euro (Europa) und 80.864 Euro (HDI-Gerling). Betrachtet man nur die Erträge, also die Differenz zwischen Ein- und Auszahlung, so ergeben sich Unterschiede von bis zu 24 Prozent – und das bei der Anlage in ein und demselben Fonds!

Diesen Ergebnissen hat die Verbraucherzentrale eine direkte Besparung des DWS Fonds gegenübergestellt. Mit Blick auf die laufende Besteuerung von Dividenden wurde dabei unterstellt, dass der Fonds weiterhin wie in den letzten Jahren rund ein Prozent des Anteilswerts pro Jahr ausschüttet. Zudem wurden drei Fallkonstellationen betrachtet:

  • die günstigste Variante: Der Anleger erwirbt die Fondsanteile ohne Ausgabeaufschlag. Die Ausschüttungen werden bis 801 Euro durch den Steuerfreibetrag abgedeckt und nach Steuerwieder angelegt. Bei dieser Variante würde eine Ablaufleistung von 117.322 Euro erreicht, von denen nach der Abgeltungssteuer knapp 100.100 Euro verblieben.
  • die mittlere Variante: Der Anleger erwirbt die Fondsanteile mit einem reduzierten Ausgabeaufschlag von 2,5 Prozent und die Ausschüttungen werden bis zu 400 Euro durch den Freibetrag abgedeckt. Bei dieser Variante würde eine Ablaufleistung von 113.347 Euro erreicht, von denen nach der Abgeltungssteuer rund 96.800 Euro verblieben.
  • die ungünstigste Variante: Der Anleger erwirbt die Fondsanteile mit dem regulären Ausgabeaufschlag von 5 Prozent und hat seinen steuerliche Freibetrag bereits ausgeschöpft. Bei dieser Variante würde eine Ablaufleistung von 106.490 Euro erreicht, von denen nach der Abgeltungssteuer rund 90.600 Euro verblieben.

 

In allen Fällen wurde die Abgeltungssteuer auf die Differenz zwischen der Ablaufleistung einerseits und der Summe der Einzahlungen plus der wieder angelegten Beträge andererseits berechnet.

Wie sähe demgegenüber das Ergebnis bei den Fondspolicen nach Steuern aus?

  • Bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent würde lediglich ein einziges Angebot, das der Europa Lebensversicherung,  mit einer Ablaufleistung von 95.266 Euro besser abschneiden als die ungünstigste (!) Variante der direkten Besparung.
  • Bei einem Steuersatz von 30 Prozent würden ebenfalls alle Versicherungsangebote hinter dem Nachsteuerergebnis der günstigsten Variante der Direktbesparung zurückbleiben. Lediglich ein Versicherungsprodukt würde die mittlere Variante der direkten Fondsbesparung übertreffen und sechs weitere Produkte würden besser abschneiden als die ungünstigste Direktvariante. Dies allerdings auch nur, wenn die von den Versicherern unverbindlich in Aussicht gestellten Kostenüberschüsse erwirtschaftet würden.
  • zwölf der 19 Angebote würden sogar inklusive der erwarteten Überschüsse nach Steuern weniger Ertrag bringen als in der ungünstigsten Variante der direkten Fondsbesparung. Bei ihnen verpufft der steuerliche Vorteil nicht nur völlig; er wird durch die hohen Kostenbelastungen der Produkte sogar überkompensiert.

 

Etwas weniger desolat fällt das Ergebnis für die fondsgebundenen Versicherungsprodukte aus, wenn der persönliche Steuersatz noch niedriger liegt oder wenn die zu versteuernde Ausschüttungsquote höher ausfällt. Vor allem bei lang laufenden Verträgen mit relativ hohen Auszahlungsbeträgen werden allerdings schnell höhere Steuersätze erreicht. Und was die Ausschüttungen bzw. Dividendenerträge betrifft, so wird das Fondsmanagement künftig wohl verstärkt bemüht sein, diese über bestimmte Anlagestrategien eher niedrig zu halten.

Punkten könnten die Fondspolicen demgegenüber wieder bei einem Fondswechsel oder bei einer Umschichtung von der Aktienanlage in Anleihen zum Laufzeitende hin. Ob ein Fondswechsel einen Vorteil bringt, ist aber nicht garantiert. In dieser Hinsicht sollten Anleger lieber gleich auf börsengehandelte Indexfonds setzen, bei denen das Risiko eines erfolglosen Fondsmanagements von vorneherein ausgeschlossen wird. Schließlich ist damit zu rechnen, dass künftig immer mehr Fondsangebote eine Kapitalabsicherung zum Laufzeitende aufweisen, sodass auch der mögliche Vorteil der Fondspolicen bei Umschichtungen von Aktien in Anleihen mit einem Fragezeichen zu versehen ist.

Insgesamt ist jedenfalls festzustellen, dass die steuerliche Bevorzugung der fondsgebundenen Rentenversicherungen nicht gleich bedeutend damit ist, dass für den Anleger unter dem Strich nach Steuern mehr übrig bleibt. Bei den meisten Produkten wird der steuerliche Vorteil vielmehr durch die höheren Kosten wieder zunichtegemacht. Je höher der persönliche Steuersatz und je niedriger die zu versteuernde Ausschüttung sind, umso mehr spricht für eine direkte Besparung des Fonds – wobei diese noch durch eine möglichst weitgehende Rabattierung des Ausgabeaufschlages optimiert werden sollte.

Berücksichtigt man obendrein, dass viele langfristig angelegte Sparverträge nicht durchgehalten werden, so spricht auch dies eher gegen die fondsgebundenen Versicherungsprodukte. Denn bei Auszahlung vor dem 60. Lebensjahr greift auch bei ihnen die Abgeltungssteuer. Aufgrund der anfänglich hohen Kostenbelastung durch die gezillmerte Abschlussprovision und einen möglichen Stornoabzug bei der Kündigung dürftedas Guthaben dann in den meisten Fällen noch weiter hinter der direkten Besparung eines Fonds zurückbleiben.

Mitgeteilt von der Verbraucherzentrale Bremen e.V.

Meldung vom 25. Oktober 2007

Stand vom Mittwoch, 20. November 2013

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