TenneT-Bürgeranleihe nicht zu empfehlen

Der niederländische Stromnetzbetreiber TenneT bietet mit der „Bürgeranleihe - Westküstenleitung“ als erstes Unternehmen ein Finanzprodukt an, das Bürgern erlauben soll, sich am Ausbau der deutschen Stromtrassen zu beteiligen und finanziell von der Energiewende zu profitieren.

Das Ziel des Ausbaus der Übertragungsnetze ist im Sinne der Energiewende zweifellos von großer Bedeutung. Doch für Verbraucher können wir die TenneT-Bürgeranleihe nicht als Geldanlage empfehlen: zu unsicher und zu unflexibel.

Totalverlust möglich, Laufzeit unbegrenzt

Privatanlegern wird suggeriert, dass sie exklusiven Zugang zu einer rentablen Geldanlage erhalten. Doch weil die Politik mit Umweltminister Peter Altmaier und Wirtschaftsminister Philipp Rösler für diese Form der Beteiligung wirbt, besteht die Gefahr, dass viele Menschen im Vertrauen darauf die Anlagerisiken nicht ausreichend berücksichtigen.

Wer in die Bürgeranleihe investiert, trägt ein Totalverlustrisiko und kann den Kredit, den er dem Unternehmen TenneT gibt, nie kündigen. Die Laufzeit ist unbefristet, so dass nur ein Verkauf über den Börsenhandel in Frage kommt. Wie viel aber an der Börse gezahlt wird, ist ungewiss!

Staatliche Garantien nicht für die Ewigkeit

Der Warnung vor dem Totalverlustrisiko könnte entgegen gehalten werden, dass die Holding, zu der TenneT gehört, im Eigentum des niederländischen Staates ist. Doch dem ist entgegen zu halten, dass laut FAZ vom 20. Juli 2013 sonst das Urteil der Ratingagentur Standard & Poor’s über die Anleihe wohl noch schlechter ausgefallen wäre. Sie vergab die Note „BB+“, die hochspekulative Anlagen kennzeichnet: „Mit Ausfällen ist zu rechnen.“

Und: Ob die Firma Tennet auf ewig in Staatsbesitz bleiben wird, ist fraglich. Derzeit diskutiert die niederländische Regierung, was alles an Tafelsilber verkauft werden kann, um die hohe Staatsverschuldung unter die EU-Defizitgrenze zu drücken. Ein Drittel der Tennet-Anteile müsse privatisiert werden, fordern Wirtschaftsverbände. Der Haager Finanzminister will diesen Sommer über einen Verkauf oder Börsengang entscheiden.

Keinerlei Garantie für versprochene Zinsen

Den angekündigten rentablen Zins von 5 Prozent jährlich gibt es für die Anleger frühestens nach Baubeginn. Bis dahin liegt er lediglich bei 3 Prozent. Überdies kann sich der für 2015 geplante Bauauftakt durch Gerichtsprozesse verzögern, denn es gibt Widerstände in der Region und von Naturschützern.

Selbst mit Start des Baus ist der Zins nicht garantiert und kann unter Umständen niedriger ausfallen als angekündigt. Die Verzinsung von 5 Prozent ist also alles andere als sicher. Für Anleger, die Risiken tragen können und wollen, gibt es am Markt bessere diversifizierte Anlagen mit ähnlichen Renditeaussichten ganz ohne Totalverlustrisiko.

Bürger scheuen Investition ins Stromnetz

Die finanzielle Beteiligung am TenneT-Höchstspannungsnetz ist bei Anlegern kein Renner: Zwei Monate nach dem Ende der Zeichnungsfrist am 1. Oktober 2013 wurde eine Analyse publik, derzufolge sich etwa die Hälfte der befragten Anwohner der Westküsten-Stromleitung in Schleswig-Holstein die Investition gar nicht leisten kann.

Ein Viertel der Befragten fand das Finanzprodukt zu kompliziert. Die Unternehmensanleihe des Netzbetreibers war für 39 Prozent der potenziellen Anleger „nicht interessant“.

Unternehmensanleihen sind sehr riskant

Generell ist die Anlage in Unternehmensanleihen mit erheblichen Risiken verbunden, die sich nur durch eine breite Streuung über viele verschiedene Herausgeber von Anleihen minimieren lassen. Mehr zum Thema lesen Sie auch in unserem Bericht über die Energiekontor AG.

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Die Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein verfolgen in dem gemeinsamen Projekt „Klimafreundliche Geldanlage“ das Ziel, einen Beitrag zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz im grünen Finanzmarkt zu leisten.

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Stand vom Freitag, 13. Dezember 2013

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