Rürup-Rente: Gute Wahl für Selbstständige?

Die sogenannte Rürup-Rente („Basis-Rente”) mit der angeblich vor allem Selbstständige eine steuerbegünstigte Altersvorsorge aufbauen können, ist für die meisten Zielgruppen eine überaus nachteilige und riskante Altersvorsorge. Wir raten: Bloß keinen „Rürup“-Vertrag abschließen!

Ungeeignet ist diese Form insbesondere für jüngere Selbstständige. Die Gründe sind:

  • Hohe versteckte Abschlusskosten

    Einen Rürup-Altersvorsorgevertrag konnte man zunächst nur mittels einer privaten Rentenversicherung abschließen (nicht per Bank- oder Fonds-Sparplan). Allein schon die Abschlusskosten sind enorm hoch – sie betragen in der Regel 4 Prozent der Summe aller Bruttoprämien. Beispiel: Zahlt ein 30-Jähriger bis zum 65. Lebensjahr monatlich 200 Euro, beträgt die Summe der Bruttoprämien 84.000 Euro. Davon 4 Prozent sind 3.360 Euro. Besonders übel: Diese Kosten werden nicht auf die Laufzeit verteilt, sondern von den ersten Beiträgen vollständig einbehalten. Folge: Rund 17 Monate (eineinhalb Jahre) ist der Vertrag im Minus. Erst dann sammelt sich langsam Guthaben an.

Seit einigen Jahren bieten auch Investmentgesellschaften Rürup-Produkte an. Doch die beiden Fondssparpläne, die wir untersucht haben (Deka und DWS) sind aus unserer Sicht viel zu teuer.

  • Hohes Verlustrisiko bei Abbruch

    Wer eine Zeitlang die Beiträge nicht aufbringen kann, muss damit rechnen, dass das Angesparte futsch ist. Denn die Versicherung erlischt, wenn nicht bestimmte Mindestbeträge erreicht sind. Das kann passieren, wenn zum Beispiel nach fünf oder sechs Jahren Beitragszahlung eine Zeitlang keine Beiträge mehr gezahlt werden können! Gerade bei Selbstständigen mit schwankendem Einkommen ist das ein hohes Risiko. Ein typisches Beispiel…

  • Keine Vererbbarkeit
    Stirbt der Rürup-Sparer, erlischt der Vertrag. Während der Ansparphase ist dann das gesamte Guthaben weg, während der Rentenzahlungsphase endet die Rentenzahlung. Zeitlich begrenzte Weiterzahlungen zum Beispiel an Witwe/Witwer („Rentengarantiezeit“) kosten extra und schmälern die Grundrente.
  • Keine Flexibilität

    Das Kapital in einem Rürup-Vertrag ist nicht übertragbar, nicht beleihbar, nicht veräußerbar und nicht kapitalisierbar. Eine Kündigung und eine Auszahlung eines Rückkaufswertes ist ausgeschlossen. Mit der Unterschrift bindet man sich lebenslang an ein Unternehmen. Ein (verlustreicher) Wechsel ist nur theoretisch möglich.

Steuervorteile wurden verbessert, aber ...

  • Doppelbesteuerung für Jüngere
    Die staatliche Förderung der neuen Basis-Rente – nach ihrem ‚Erfinder’ auch „Rürup“-Rente genannt – erfolgt über die Steuer. Einzahlungen in einen entsprechenden Vertrag können bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden. Im Gegenzug wird dann später die Rente voll besteuert. Da die gleiche Regelung für die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung eingeführt wurde und eine solche Umstellung auf einen Schlag dem Staat zu teuer käme, wurde eine Übergangsregelung vorgesehen.

    Einzahlungen in die Basis-Rente können in 2007 nur zu 64 Prozent von (angestrebten) 20.000 Euro abgesetzt werden. Erst in den Folgejahren steigt der abzugsfähige Betrag – und zwar in 2008 auf 66 Prozent, in 2009 auf 68 Prozent und so weiter. Voll absetzbar sind die begünstigten Aufwendungen von dann höchstens 20.000 Euro daher erst ab dem Jahr 2025.

    Im Gegenzug ist vorgesehen, dass die ausgezahlten Basis-Renten erst ab dem Rentenbeginn im Jahr 2040 voll besteuert werden. Wer früher in Rente geht, erhält einen lebenslangen Freibetrag, der vom Jahr des Rentenbeginns abhängt. In 2005 sind dies 50 Prozent der Anfangsrente, in 2006 48 Prozent und so weiter bis 20 Prozent in 2020. Danach sinkt der Satz für den lebenslangen Freibetrag jährlich um einen Prozentpunkt, bis er in 2040 schließlich Null Prozent erreicht.

Damit wird ein weiteres Problem der Basis-Rente deutlich: Nämlich, dass in dieser Übergangszeit die steuerliche Entlastung in der Einzahlungsphase und die steuerliche Belastung in der Auszahlungsphase nicht deckungsgleich sind.

Lohnen kann sich die Rürup-Rente für Ältere mit einem hohen persönlichen Steuersatz, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben. Anders dagegen ein Rürup-Sparer, der bis zum Rentenbeginn im Jahr 2040 noch 33 Jahre einzahlen muss. Seine Rente wird dann zu 100 Prozent steuerpflichtig sein. Aber seine Beiträge hat er nur zum Teil absetzen können. 2007 in der Höhe von 64 Prozent der Beiträge, 2010 in der Höhe von 70 Prozent, 2015 in der Höhe von 80 Prozent – erst ab 2025 sind 100 Prozent der Beiträge steuerfrei. Dieser Rürup-Sparer hat also einen großen Teil seiner Beiträge aus versteuertem Einkommen bezahlt. Seine Rente ist aber komplett steuerpflichtig. Ihn trifft eine doppelte Besteuerung so wie alle, die 1960 und später geboren wurden. Erst bei ab dem Jahr 2025 abgeschlossenen Verträgen entfällt die Doppelbesteuerung.

Von den Anbietern werden zur Zeit die sogenannten „Rürup-Rentenversicherungen” massiv beworben. Besonders MLP und die CiV Versicherung (Partner der Citibank) sind auffällig. MLP wirbt bei angehenden Akademikern mit „Steuervorteilen“ und die CiV-Versicherung bei ihren sozial schwächeren Kunden mit dem Argument, die Rürup-Rente sei „Hartz-IV-sicher”. In beiden Fällen nur die halbe Wahrheit!

Lassen Sie sich beraten!

Trotz der neuen Regelungen gilt: Wenn Sie sich für die Rürup-Rente interessieren, sollten Sie alle Risiken genau abwägen. Wir beraten und unterstützen Sie dabei. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Mittwoch, 20. November 2013

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