Ein Drittel durchgefallen

Eine Patientin besuchte 30 Zahnärzte – je zehn in den Hamburger Stadtteilen Poppenbüttel, Rotherbaum und Wilhelmsburg. Sie wollte sich zum Zustand ihrer Zähne und zum Umgang mit einer Zahnlücke beraten lassen. Gleichzeitig konnte sie beobachten, ob Zahnärzte in reichen und armen Stadtteilen unterschiedlich beraten.

Das Wichtigste in einem Satz: Von den 30 Zahnärzten erfüllte keiner alle Kriterien, die wir vorher zusammen mit drei Referenzzahnärzten aufgestellt hatten. 63 % (19 Zahnärzte) bestanden (Schulnoten 1 bis 4), 37 % (11 Zahnärzte) fielen aber durch.

Nur 40 % prüften die Tiefe der Zahnfleischtaschen. Eine Zahnärztin warnte, beim Verzicht auf Zahnersatz würden in den nächsten 10 bis 20 Jahren alle Zähne ausfallen; erst würden die Nachbarzähne in die Lücke kippen, später würden alle anderen Zähne instabil. Doch sowohl unsere Referenzzahnärzte als auch mehr als die Hälfte der besuchten Zahnärzte beurteilten den Zustand der Zahnlücke als unbedenklich.

Nur 30 % meinten, dass die Zahnlücke der Patientin regelmäßig kontrolliert werden sollte. Auf Risiken beim Einsatz eines Implantats gingen nur 7 % ein – keiner wies darauf hin, dass das ein invasiver chirurgischer Eingriff ist; meist wurde gar nichts genauer erklärt oder sogar von einem „einfachen, schmerzlosen Eingriff“ gesprochen. Nur wenige (29%) klärten über die verschiedenen geeigneten Materialien für Zahnersatz auf. Zudem führten zwei Praxen gar keine Anamnese durch und zwei Zahnärzte trugen bei der Untersuchung keine Handschuhe.

Im Stadtteilvergleich erzielten die Zahnärzte in Rotherbaum die höchste Gesamtpunktzahl vor Wilhelmsburg und Schlusslicht Poppenbüttel, wo erwartungsgemäß die meisten teuren Vorschläge gemacht wurden.

Fazit:

  Die Beratungsqualität ist überwiegend mittelmäßig bis schlecht – etwas mehr als ein Drittel der besuchten Zahnärzte erreichte weniger als 50% der möglichen Punkte und fiel damit durch. Die Erstuntersuchung wurde oft lückenhaft durchgeführt, zu den Möglichkeiten und Kosten bei Zahnersatz wurde unvollständig beraten und in den Heil- und Kostenplänen finden sich große Preis­unterschiede – von mehreren hundert bis fast tausend Euro für dieselbe Leistung.

Den 17-seitigen Untersuchungsbericht mit den Ergebnissen und Erfahrungen der Patientin finden Sie hier als kostenlosen Download.

Stand vom Donnerstag, 17. Januar 2013

zurück