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AOK: Arztbewertung im Internet

AOK stellt erstes seriöses Arztbewertungs-Portal ins Internet

In drei Pilotregionen beginnt die Befragung der Mitglieder, im Herbst soll das Portal zur differenzierten Arztsuche nutzbar sein.

Schon vor einem Jahr hat der AOK-Bundesverband mit einer unscheinbaren Meldung Aufsehen erregt: Er plane einen „Ärzte-TÜV“, berichteten die Medien. Ein Aufschrei des Entsetzens ging durch Deutschland. Mediziner fürchteten, von Unzufriedenen an den Pranger gestellt zu werden, der Ärztekammerpräsident bezeichnete es als „unseriös“, anonyme Fragebögen als Grundlage für Ranglisten zu nutzen, und sogar der Bundesdatenschützer äußerte Bedenken. Von anderer Seite kam aber ebensoviel Lob und Ermutigung, etwa von anderen Krankenkassen, von Patientenverbänden und von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung.

Die schlimmen Befürchtungen haben sich nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil. Das jetzt vorgestellte Bewertungssystem – siehe www.aok-arztnavi.de –, an dem seit Ende Mai 2010 die Versicherten in den Pilotregionen Hamburg, Berlin und Thüringen zur Teilnahme aufgerufen werden, wirkt seriös und wissenschaftlich fundiert. Ärzte werden nicht pauschal bewertet, sondern differenziert anhand von 33 Fragen, die von Wissenschaftlern des Berliner IGES-Instituts entwickelt und erprobt wurden. Wut und Ärger von Patienten, die als Freitexte leicht wie unsachliche Diffamierungen wirken, werden durch sachliche Fragen zu konkreten Erfahrungsäußerungen verdichtet. Dabei fragt die AOK aber durchaus auch nach ganz subjektiven Eindrücken.

Die meisten Menschen richten sich bei der Arztwahl lieber nach den subjektiven Erfahrungen anderer Patienten als nach objektiven Daten, selbst wenn die noch so gut abgesichert sind. Daher begrüßen wir es sehr, dass die AOK als erste Krankenkasse die Arzt-Erfahrungen ihrer Mitglieder erfragt. Ärzte, Krankenkassen und Patientenorganisationen sollten zusammenarbeiten und zeigen, dass die Bereitschaft, sich bewerten und beurteilen zu lassen, für Ärzte keine Gefahr ist, sondern anerkannt wird – jedenfalls wenn die Qualität stimmt. Nicht nur die fachmedizinische Behandlungsqualität, sondern auch der Umgang mit dem kranken Menschen, der nicht nur als Träger abstrakter Krankheiten angesehen werden will, sondern vor allem als Individuum, das gerade mit Krankheit, Schmerz und Sorgen umgehen muss.

Die Verbraucherzentrale freut sich besonders darüber, dass in der Ärzteschaft die Akzeptanz seriöser Bewertungen von Ärzten durch Patienten langsam wächst. Wir hoffen, dass weitere Akteure – zum Beispiel andere Krankenkassen, Ärztekammern, kassenärztliche Vereinigungen usw. – von diesem guten Beispiel lernen.

Und wir rufen alle AOK-Versicherten in den Pilotregionen Hamburg, Berlin und Thüringen auf, sich online am Arztnavigator ihrer Krankenkasse zu beteiligen. Denn der wird nur aussagekräftig, wenn möglichst viele Erfahrungen zusammenkommen.

Sie finden ihn unter www.aok-arztnavi.de.

Stand vom Mittwoch, 2. Juni 2010

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