Schlecht beraten mit Orthopäden

Von 23 Orthopäden in Hamburg führte kein einziger Mediziner eine sehr gute Erstberatung durch, und neun Ärzte fielen ganz durch. Die Durchschnittsnote für die Beratungsqualität lag bei 3,9. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg, bei der insgesamt zweimal die Note „gut”, siebenmal ein „befriedigend”, fünfmal die Note „ausreichend” und neunmal ein „mangelhaft” vergeben wurde.

Im Rahmen der Untersuchung vereinbarte eine Patientin im Frühjahr 2014 in elf Hamburger Stadtteilen bei zufällig ausgewählte Orthopäden einen Termin, um sich wegen Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich beraten zu lassen. Lediglich zwei von 23 Ärzten untersuchten die Patientin gründlich und schlugen verschiedene Alternativen zur Verbesserung der Beschwerden vor. Nur fünf Orthopäden bezogen die Patientin in die Planung der weiteren Behandlung richtig ein. Die Aufklärung über Nutzen und Risiken einzelner Behandlungsmethoden war bei 22 von 23 Medizinern durchweg schlecht. Zwei Ärzte renkten die Patientin sogar ohne ihren ausdrücklichen Wunsch und ohne Vorwarnung ein.

Ziel des Praxis-Checks war es, die Qualität des ersten Arztbesuchs mit Anamnese, Untersuchung, Diagnosestellung und Beratung zur weiteren Behandlung bei Hamburger Orthopäden zu ermitteln. Die Arztbesuche bewertete die Verbraucherzentrale anhand eines Kriterienkatalogs für eine gute Erstberatung, den ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) geprüft und abgesichert hatte.

Mangelhafte Kommunikationskompetenz

Unsere Patientenberater werden sehr häufig nach einem guten Orthopäden gefragt. Wir hatten gehofft, bei unserer Untersuchung ein paar gute Fachärzte der Orthopädie zu finden, doch das Ergebnis ist enttäuschend. Der schlechte Ruf der Orthopäden unter Patienten und das Vorurteil mangelnder Kommunikationskompetenz hat sich bei der Mehrheit der Mediziner bestätigt, dabei ist gerade der erste Besuch beim Arzt besonders wichtig für den Erfolg der weiteren Behandlung.

Im vorliegenden Fall klagte die Patientin bereits seit über zehn Jahren an den beschriebenen Schmerzen, was auf ein chronisches Leiden hinweist. Beratungen sind hier besonders wichtig, um die Patientin zu motivieren, langfristige Therapien erfolgreich zu bewältigen. Um die Beratungsqualität der Ärzte zu untersuchen, haben wir die Partnerschaft zwischen Arzt und Patient betrachtet. Die partizipierte Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient (Shared-decision-making) ist ein Hauptaspekt des Konzepts, mit dem Ziel einen gemeinschaftlichen Behandlungsweg zu erarbeiten. Hier schnitten die Ärzte besonders schlecht ab. Meist waren sie freundlich, aber häufig so gestresst, dass für eine ausführliche Beratung keine Zeit blieb. Eine gemeinschaftliche Entscheidungsfindung war somit gar nicht denkbar.

Stand vom Donnerstag, 10. April 2014

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