Auszeichnung für UKE und Krankenhaus Alsterdorf

Zwei Hamburger Krankenhäuser wurden am 24. November 2016 für wegweisende und bereits verwirklichte Ideen zur Patientensicherheit ausgezeichnet:

  • das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf für das „Patientenpasswort” auf der Kinder-Intensivstation,

  • das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf für große Schritte auf dem Weg zum „demenzsensiblen Krankenhaus”.

Beide haben die Jury gleichermaßen überzeugt, obwohl – oder gerade weil – sie völlig gegensätzlich sind.

Vergeben wurde die Auszeichnung vom Fachgremium Patientensicherheit der EQS (Externe stationäre Qualitätssicherung), einer Institution zur Messung der Qualität medizinischer Leistungen in allen Hamburger Krankenhäusern. Die drei stimmberechtigten Patientenvertreter des Fachgremiums bildeten die Jury. Die Kriterien für diese Auszeichnung wurden weitgehend vom bundesweiten Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) übernommen.

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Patientenpasswort

Auf der Kinder-Intensivstation des UKE haben die Eltern bereits seit zehn Jahren die Möglichkeit, mit dem medizinischen Personal ein Passwort zu vereinbaren, um Informationen über den Gesundheitszustand ihres Kindes zu erhalten. Wer es kennt, wird informiert. Die Eltern haben es damit selbst in der Hand, zu entscheiden, wer informiert werden darf und wer nicht. Das stärkt die Kommunikation zwischen den Eltern und den medizinischen Mitarbeitern der Station. Das Personal wird somit von der schwierigen Identitätsprüfung bei jedem Anruf entlastet.

Die Jury war von diesem Projekt aus mehreren Gründen überzeugt:

  • Die Idee ist bestechend einfach.

  • Das Projekt ist völlig kostenneutral.

  • Das Patientenpasswort wird seit vielen Jahren im Regelbetrieb genutzt und hat nach Aussage der Mitarbeiter noch nie zu Problemen oder Unsicherheiten geführt.

  • Dieses Verfahren kommt auch bereits auf anderen Stationen des UKE zur Anwendung und wird von Krankenhäusern – nicht nur aus Deutschland – mit Interesse studiert und teilweise auch kopiert.

Die Jury regt an, dieses Verfahren wissenschaftlich evaluieren und publizieren zu lassen. Durch eine Publikation könnte das Interesse weiterer Kliniken geweckt werden.

Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf: Demenz ist nicht das Ende der Selbstbestimmung!

Krankenhäuser sind im Klinikalltag mit seinen eng getakteten Abläufen nicht auf die wachsende Anzahl von Menschen mit Demenz eingestellt. Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf ist auf dem Weg zum „demenzsensiblen Krankenhaus” und hat mit der Station „D·A·V·I·D” (Diagnostik, Akuttherapie, Validation, Innere Medizin, Demenz) einen geschützten Ort für akut erkrankte Patienten mit der Nebendiagnose Demenz eingerichtet. Durch ein besonderes Konzept werden Qualität und Sicherheit der Versorgung gestärkt:

  • Ein besonderes Raumkonzept erleichtert den Patienten die Orientierung.

  • Untersuchungen werden im Patientenzimmer gemacht.

  • Die Mitarbeiter werden berufsgruppenübergreifend in Umgang und Kommunikation mit Menschen mit Demenz geschult, künftig als verpflichtender Teil der internen Fortbildung.

  • Geschulte Multiplikatoren können im Stationsalltag aller Fachbereiche beratend hinzugezogen werden.

  • Ein Demenz- und Delir-Screening für Risikopatienten sorgt für bedarfsgerechte Medikation und senkt Komplikationen bei akuter Verwirrtheit. 2017 werden Ergebnisse der Evaluation vorliegen. Schon jetzt ist abzusehen, dass auf der Station „D·A·V·I·D” weniger Beruhigungsmittel eingesetzt werden.

  • Ein ethischer Handlungsleitfaden „Wahrung der Patientenautonomie in Diagnostik und Therapie” bietet Mitarbeitern und Angehörigen Orientierung, wie der Wille des Betroffenen ermittelt und ernst genommen werden kann.

Diese Maßnahmen sorgen auch in den Augen der Jury bei den Patienten für mehr Sicherheit, reduzieren mögliche Komplikationsquellen und senken das Risiko für unerwünschte Ereignisse. Das hohe Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Wahrung des Grundrechts auf Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz und die gelebte Patientenorientierung haben die Jury besonders beeindruckt.

Über die EQS, deren Fachgremien und die Auszeichnung für Patientensicherheit

Die EQS-Fachgremien analysieren die statistischen Ergebnisse der Qualitätsmessung, die von den Krankenhäusern geliefert werden, untersuchen und klären Auffälligkeiten durch einen strukturierten Dialog mit den teilnehmenden Abteilungen, bewerten die abschließenden Ergebnisse und berichten regelmäßig an das Kuratorium (Lenkungsgremium) der EQS Hamburg und die Fachgruppen auf Bundesebene beim Institut für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (IQTiG).

Die Besetzung der Fachgremien erfolgt durch Beschluss des Kuratoriums auf Empfehlung der Ärztekammer Hamburg bzw. der Pflegeverbände. Bei der Benennung wird die Vielfalt der Krankenhäuser und Krankenhausträger berücksichtigt. Darüber hinaus ist auch ein Vertreter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Mitglied jedes Fachgremiums. Die Interessenverbände der Patientenvertreter benennen einen Vertreter als nicht stimmberechtigten Gast.

Eine Ausnahme bildet das Fachgremium Patientensicherheit. Dieses Fachgremium wurde auf Initiative der Patientenvertreter etabliert, die drei stimmberechtigte Mitglieder stellen.

Die drei Patientenvertreter des Fachgremiums Patientensicherheit der EQS Hamburg haben die Auszeichnung für Patientensicherheit vorgeschlagen und die Jury gebildet.

  • Roswitha Kiers (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft)

  • Kerstin Hagemann (Patienten-Initiative e.V.)

  • Christoph Kranich (Verbraucherzentrale Hamburg e.V.)

Auch im nächsten Jahr soll die Auszeichnung der EQS mit der Jury aus Hamburger Patientenvertretern wieder ausgeschrieben werden.

Stand vom Donnerstag, 24. November 2016

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