Auch Selbstständigen die Wahl der gesetzlichen Kranken­versicherung erleichtern

Hamburg will Beamten den staatlichen Zuschuss zur Krankenversicherung, die „Beihilfe”, ab August 2018 nicht nur für die private Krankenversicherung (PKV) gewähren, sondern auf Wunsch auch als Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auszahlen, wie die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz schon am 8. August mitteilte. Das würde Beamten, die heute zu mehr als 95 Prozent privat versichert sind, eine interessante Alternative eröffnen.

Doch für Selbstständige und Freiberufler wäre es noch viel wichtiger, eine realistische Möglichkeit in der GKV zu schaffen und sie vor den absehbaren Problemen, die in der PKV drohen, zu bewahren. Heute wird ein Kleinselbstständiger, der 1.000 Euro im Monat erwirtschaftet, in der GKV so eingestuft, als würde er 2.232,25 Euro verdienen, und er zahlt davon fast 400 Euro Kranken- und Pflegeversicherung, also 40 Prozent seines Einkommens. Das ist ungerecht.

Warum sprechen wir von Problemen, die in der PKV drohen? Ein Beispiel.

Herr G. ist selbstständig und privat versichert. Seine 14-jährige Tochter, ebenfalls privat versichert, ist in einer stationären psychiatrischen Behandlung. Wahrscheinlich benötigt sie die psychologische Therapie noch einige Jahre. Die private Krankenversicherung jedoch übernimmt die Kosten nicht, und der Vater verdient in seinem Geschäft nicht genug, um die teuren Therapiekosten noch für Jahre zu bezahlen. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung, die eine solche Therapie bezahlen würde, geht nicht. Was tun? Herr G. muss sich verschulden und hoffen, dass er das eines Tages wieder abbezahlen kann.

Solche Geschichten sind in unserer Patientenberatung nicht selten. Die PKV wird zwar immer dafür gelobt, dass sie den Ärzten bessere Honorare bezahlt als die GKV, zugleich gibt es aber ganze Bereiche, die sehr häufig nicht versichert sind. Wie etwa die Psychotherapie. Herr G. hatte vermutlich damals, als er die Versicherung für seine Tochter abschloss, angenommen, eine psychische Krankheit werde weder ihn noch seine Familie treffen, wer rechnet schon mit so etwas. Er hat sich geirrt.

In der GKV ist das anders. Sie deckt die wichtigen Bereiche der körperlichen und seelischen Behandlung in jedem Fall ab.

Unser Rat

Deshalb raten wir allen, die sich zwischen GKV und PKV entscheiden können:

  • Wählen Sie keine Billigtarife der PKV, meist ist da nicht alles Wichtige versichert und die Prämien steigen erfahrungsgemäß bald.
  • Wenn Sie sich im Krankheitsfall nicht mit Anträgen, Rechnungen, Erstattungen, kurz mit einem Berg von Bürokratie beschäftigen wollen (oder können), entscheiden Sie sich besser gleich für die GKV. Da bekommen Sie keine Rechnungen und müssen nicht immer wissen, was genau versichert ist, das wissen Ihre Ärzte.
  • Wenn Sie eine besonders gute Versorgung wünschen (manche nennen das Luxus), können Sie die auch über eine private Zusatzversicherung bekommen.

Gegenwärtig ist die PKV nur für Beamte lohnend, denn sie bietet eine Ergänzung zur staatlichen Beihilfe. Doch auch da ist Bewegung drin, siehe oben.

Unser Angebot

Wer sich zwischen GKV und PKV entscheiden kann oder muss, sollte sich vor der Wahl gut informieren und beraten lassen – z.B. bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Wir bieten alle zwei Monate einen Vortrag an, der die beiden Systeme der Krankenversicherung ausführlich vergleicht, und wenn Sie dann immer noch unsicher sind, auch eine ausführliche Beratung mit Tarifwahl. Hier der Link zum nächsten Vortrag (am 10. Oktober) und hier zur Beratung.

Stand vom Dienstag, 12. September 2017

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