Schon 2006 sollte sie kommen, die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und das hinter ihr stehende Telematik-System (siehe unseren Beitrag vom August 2008). Doch viele technische Schwierigkeiten sowie der Widerstand von Ärzten und Patienten sorgten dafür, dass sie immer noch nicht da ist. Diesen Aufschub sollten wir nutzen, um herauszufinden, welche sinnvollen Alternativen es gibt.
1.
Da sind erstens elektronische Portale zu nennen, die ähnliche Funktionen bieten wollen, jedoch zum Teil noch weniger vor allen Arten von Missbrauch gesichert zu sein scheinen als es die eGK einmal sein soll. Solche Angebote wären z. B. die aus den USA stammenden Plattformen Google Health oder Microsofts Health Vault, in Deutschland ICW und Vita-X. Alle diese Dienste kommen jedoch hierzulande nicht so recht voran, wie noch Anfang 2010 von heise-online berichtet wurde. Weder Ärzte noch Patienten vertrauen ihnen, nachdem ständig neue Datenskandale an die Öffentlichkeit gelangen.
2.
Zweitens kommen elektronische Medien in Frage, die der Patient selbst in der Hand hat. Sie verzichten auf die große Struktur vieler vernetzter Computer im Hintergrund, die von Vielen als die eigentliche Gefahr des Projektes eGK angesehen werden. Zum Beispiel sind das USB-Sticks oder Chipkarten, die nur als Datenspeicher dienen und nicht als Zugangsschlüssel für ein Telematik-System, dessen Servern viele Nutzer nicht vertrauen. Beispiele wären etwa die Med-O-Card, die auf 16 Gigabyte Speicherplatz für die gesamte Krankengeschichte eines Patienten einschließlich speicherfressender Röntgenbilder hat, oder der USB-Stick maxiDoc. Allerdings werden diese Lösungen laut heise-online als zu kompliziert für unerfahrene Computernutzer kritisiert. Sie eignen sich möglicherweise eher für die junge Generation der geborenen Elektronik-Nutzer.
3.
Für alle Anderen gibt es die gute alte Lösung auf Papier. Das beste Beispiel ist "Mein Arztbuch", ein postkartengroßes Büchlein aus echtem Papier im festen Plastikumschlag, in das Arzt und Patient alles zu Krankheit und Behandlung Wichtige eintragen können und das der Patient wirklich "schwarz auf weiß nach Hause tragen" kann. Und das er selbst zu lesen und zu beschreiben vermag, ohne Chipkarten-Lesegerät, ohne Computer, ohne Tastatur. Das gilt auch im Notfall. Dann kann der Arzt oder Sanitäter in der Eile wahrscheinlich eine kleine Notfallkarte – wie zum Beispiel den Notfallpass, den man sich unter rettungskarten.eu kostenfrei erstellen kann – oder ein Heft aus Papier und Druckerschwärze schneller nach den wichtigsten Daten (Allergien, Blutgruppe usw.) durchforsten als eine elektronische Chipkarte, für die er erst ein Lesegerät und seine Health Professional Card bräuchte. "Mein Arztbuch" eignet sich übrigens auch für Menschen, die alles zusammen wollen: Vorne und hinten sind nämlich innen im Umschlag zwei Fächer für Notfall- oder Chipkarten vorgesehen.
Unsere Empfehlung
Jeder soll tun und lassen, was er oder sie für richtig hält. Allerdings empfehlen wir, die Gefahren einer Chipkarte, die nur den Zugang zu vernetzten Computern bietet und die sensiblen Daten nicht selbst enthält, nicht zu unterschätzen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob er selbst so eine elektronische Karte benutzt oder benutzen würde!
Stand vom Montag, 25. Oktober 2010
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