Von Papageien, die's nicht gibt

Familie M. aus Bremen mag Tiere, besonders Vögel. Im Internet stolperte sie über ein Inserat in einem Kleinanzeigenportal. Dort hieß es: „Graupapageibaby, sehr verschmust, absolut handzahm, nur an seriöse Tierliebhaber abzugeben“. Dazu ein niedliches Tierfoto.

Der belgische Papagei

Familie M. nahm Kontakt mit den Anbietern auf und erfuhr, dass die Besitzer aus beruflichen Gründen nach Belgien gezogen seien und den Papagei dort aufgrund der Wohnsituation nicht mehr halten konnten. Die vermeintlichen Besitzer des Papageis versicherten sich durch zahlreiche Nachfragen, ob Familie M. für die Haltung des Tieres geeignet sei. Familie M. bestand den Test und bot an, den Papagei in Belgien abzuholen. Mit Hinweis auf die Einfuhrlizenz schlugen die Besitzer vor, lieber auf ein renommiertes auf Tiertransporte spezialisiertes Unternehmen zurückzugreifen. Die Transportkosten sollten erst bei Lieferung in Bremen gezahlt werden. Das klang fair und Familie M. schöpfte keinen Verdacht.

Dann aber folgte der Anruf des „Transportunternehmens“. Der Vogel sei nun am Flughafen in Belgien, und Familie M. müsse das Geld nun doch sofort per Western Union zahlen, damit das Tier ausgeliefert werden kann. Im Glauben der Papagei befände sich tatsächlich am Flughafen überwies Familie M. die geforderten 174 Euro. Statt des Vogels bekam sie allerdings eine weitere Zahlungsaufforderung – für die Versicherungsprämie in Höhe von 499 Euro. Familie M. zahlte nicht. Und der Papagei und seine Besitzer lösten sich in Luft auf.

Die Masche mit Western Union

Seit Jahren informieren uns Verbraucher über traumhafte Wohnungsangebote im Internet, bei denen der Eigentümer angeblich beruflich in London weilt und die Schlüssel für eine Besichtigung zuschickt, wenn die Wohnungssuchenden vorab per Western Union eine Kaution von mehreren Hundert Euro überweisen. Nach Überweisung des Geldes erweist sich die Wohnung dann allerdings als Luftschloss.

Ähnliche Erfahrungen machen auch Verbraucher, die aufgrund einer Kleinanzeige ein günstiges Auto in England kaufen wollen. Vermeintliche „Überführungskosten“ sollen vorab per Western Union überwiesen werden.

Warum immer Western Union? Der Vorteil für die unseriösen Geschäftemacher: Der Kunde zahlt das Geld bei einem Vertriebsstandort von Western Union, den es zum Beispiel bei vielen Sparkassen und der Postbank gibt, ein. Innerhalb von wenigen Minuten kann der Empfänger das Geld in Empfang nehmen (und abtauchen). Die Chancen sein Geld zurück zu bekommen sind schlecht, da die Betrüger aus dem Ausland agieren und für die Abholung des Geldes in der Regel ahnungslose Strohmänner einsetzen.

Die Masche mit dem Scheck

Aber auch, wenn Sie etwas über das Internet verkaufen wollen, ist Vorsicht geboten. Seit Jahren versuchen Kriminelle, leider teilweise erfolgreich, mit folgendem Trick an das Geld der Verkäufer zu kommen. Die Betrüger melden sich aufgrund einer Anzeige und bekunden Interesse an dem Kaufgegenstand. Soll dieser z.B. € 900,-- kosten, schicken die Gauner einen Scheck über € 1.500,--. Der Verkäufer wird gebeten, den Scheck einzulösen und die Differenz zwischen Kaufpreis und Ausstellungsbetrag an den vermeintlichen Käufer zu überweisen. Der Verkäufer reicht den Scheck ein, überweist das Geld, ein paar Wochen später platzt der Scheck. Die „Käufer“ sind spurlos verschwunden und der Verkäufer bleibt auf dem Schaden von € 600,-- sitzen.  

Der „Drei-Ecks-Betrug“ oder die Überweisung an / von fremden Konten

Aber auch, wenn man kein Geld per Western Union an Unbekannte schickt und keine Schecks zur Zahlung akzeptiert, kann man nicht sicher sein, nicht Opfer eines Betrugs zu werden. So schilderte uns Frau H. dass das bei einem Verkaufsportal im Internet hinterlegt Konto des Verkäufers manipuliert wurde, so dass sie den Kaufpreis nicht an den Verkäufer, sondern an einen –nicht mehr auffindbaren- Dritten überwiesen hat.

Ein junger Mann hingegen hatte eine wertvolle Münze im Internet zum Verkauf angeboten hat. Nachdem der Kaufpreis auf seinem Konto eingegangen war, schickte er die Münze auf Wunsch des Käufers an eine Packstation. Ein paar Tage später erfuhr er, dass das Geld von dem Konto eines ahnungslosen Dritten überwiesen war, dessen Konto von den Betrügern gehackt wurde. Das Geld muss er dem Kontoinhaber zurückgeben, seine Münze nie wieder.

Unser Tipps:

  • Überweisen Sie nie vorab Geld für angebliche Gebühren, Versicherungen, Überführungskosten
  • Nehmen Sie keine Schecks als Zahlungsmittel an
  • Werden Sie misstrauisch, wenn der Verkäufer z.B. in Hamburg wohnen soll, aber eine spanische Bankverbindung angegeben ist
  • Vereinbaren Sie eine persönliche Übergabe (Ware gegen Geld)
  • Fallen Ihnen unseriösen Anzeigen auf, informieren Sie in allen Fällen den Betreiber des Kleinanzeigenportals.

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Wenn Sie Fragen zu Anzeigenbetrug und anderen Abzockereien haben, kommen Sie in unsere Rechtsberatung. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

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Stand vom Montag, 2. Februar 2015

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