Air Berlin geht die Luft aus

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat mitgeteilt, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt zu haben. Gleichzeitig gibt das Unternehmen bekannt, alle Flüge der Air Berlin und NIKI fänden weiterhin statt, die Flugpläne blieben gültig, gebuchte Tickets behielten ihre Gültigkeit und alle Flüge seien weiterhin buchbar. Was bedeutet das für Verbraucher?

Entwarnung für Flugreisende

Die Art des Insolvenzverfahrens – in Eigenverwaltung und nicht durch einen Insolvenzverwalter – lässt den Schluss zu, dass der Flugbetrieb zunächst aufrechterhalten werden soll und werden kann. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung dem Unternehmen einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt.

Als Reisender dürften Sie daher nach unserer Einschätzung bis auf weiteres damit rechnen, in den nächsten Monaten Ihre Flüge antreten zu können. Vorschnell stornieren sollten Sie ein bereits gebuchtes Air Berlin Flugticket daher nicht. Denn: Neben Steuern und Gebühren erhalten Sie – wenn überhaupt – nur einen Teil des Ticketpreises zurück.

Zweiklassengesellschaft beim Schutz für Reisende

Ohne die beiden Besonderheiten (Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und Kredit) sähe die Lage für Verbraucher weitaus schlechter aus, wenn der Flugbetrieb bei Air Berlin tatsächlich eingestellt würde – insbesondere dann, wenn sie einen Flug selbst gebucht und bereits bezahlt haben.

  • Wer einen „Nur-Flug“ gebucht hat, ist vom Gesetz her nicht besonders geschützt. Er muss nach einem Ersatzflug suchen und diesen nochmals zahlen. Das Geld für das bereits bezahlte Ticket bei der Fluglinie im Konkurs ist wahrscheinlich verloren. Hier bleibt lediglich die Möglichkeit, die Forderung beim Insolvenzverwalter so früh als möglich anzumelden, um dann vielleicht einen Teil seines Geldes zurückzubekommen. Da bereits gezahlte Flugpreise jedoch zur Insolvenzmasse gehören, ist völlig ungewiss, ob Verbraucher ihren Flugpreis oder Teile am Ende eines Insolvenzverfahrens wiedersehen.

  • Wer eine Pauschalreise gebucht hat, bei der der Flug Teil der Reiseleistung ist, kommt deutlich besser weg. Reiseveranstalter müssen für eine alternative Beförderung sorgen, wenn eine Airline den Flugbetrieb einstellt.
    Zudem schützt der Sicherungsschein, der bei einer Pauschalreise ausgehändigt wird, vor den Folgen einer Insolvenz. Er belegt, dass ein Kunde sein Geld zurückbekommt, wenn der Veranstalter in Konkurs geht. Reiseveranstalter sind gesetzlich zu diesem Konkursschutz verpflichtet.

Die Verbraucherzentralen und ihr Dachverband fordern seit Jahren einen Insolvenzschutz für alle Flugreisenden – nicht nur Pauschalurlauber. Die Absicherungspflicht für Fluggesellschaften gegen Insolvenz ist überfällig. Sie könnte den Flugpreis absichern und Verbraucher besser vor finanziellen Verlusten schützen.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Das Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung nach § 270b InsO („Schutzschirmverfahren“) bedeutet, dass die Verwaltung und Verfügung über das Vermögen des Schuldners (hier: Air Berlin) nicht durch einen Insolvenzverwalter, sondern durch das Unternehmen selbst ausgeübt wird. Ob die Voraussetzungen für das Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung vorliegen, hat jetzt das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg zu entscheiden. Gibt das Gericht dem Antrag von Air Berlin statt, erfolgt die Überwachung durch einen durch das Gericht bestellten Sachwalter. Das Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung kann beantragt werden, wenn der Schuldner lediglich zahlungsunfähig zu werden droht oder nur überschuldet und die angestrebte Sanierung nicht offensichtlich aussichtslos ist.

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Stand vom Dienstag, 15. August 2017

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