"Woher haben die bloß meine Adresse?", ist der Stoßseufzer vieler Verbraucher, die mit persönlich adressierter Werbepost überschüttet werden. Die Antwort ist einfach:
- Adressen sind nicht "geheim" und werden auch nicht (z. B. vom Datenschutz) geschützt. Sie sind in vielen – auch öffentlichen – Verzeichnissen enthalten. Sogenannte Adresshändler sammeln diese Adressen, stellen sie anhand weiterer Merkmale (Wohnort, Stadt/Land...) zusammen und vermieten ganze Dateien mit vielen Tausend Adressen an die Firmen, die per Post werben möchten. Am wertvollsten für die Werbewirtschaft sind nicht etwa "betuchte" Leute, sondern solche, von denen bekannt ist, dass sie gern einmal etwas bestellen und somit eher auf die Werbung reagieren. Besonders beliebt und begehrt sind daher Adressbestände von Versandhäusern.
- Daraus folgt: Wer einmal etwas bestellt oder an einem Preisausschreiben teilnimmt, muss damit rechnen, künftig massiv mit Werbepost überschüttet zu werden. Denn die eigene Adresse vervielfältigt sich schneeballartig in Dutzenden Adresskarteien!
Frau P. kann davon ein Lied singen. Sie schreibt uns:
"Anliegend übersende ich Ihnen diverse Schreiben" (es handelt sich um etwa 40 Briefe) "von dubiosen Reiseveranstaltern mit der Bitte, diese Adressen und die angeblichen Gewinnversprechen zu überprüfen. Es fing alles vor ca. 2 Jahren mit einem winzig kleinen Preisausschreiben, dessen Lösungswort "LEBEN" ergab, an!
Daraufhin bekam ich eine Mitteilung, dass ich eine Reise nach Mallorca gewonnen hätte. Diesen Gewinn konnte ich dann nur in Verbindung mit einer sogenannten Verkaufsveranstaltung entgegennehmen.
Aus Neugier und um den 'Gewinn' nicht verfallen zu lassen, nahm ich mit meinem Lebensgefährten an dieser Veranstaltung teil. Damit wurde natürlich gerechnet, dass man eine Begleitperson mit auf die Mallorca Reise nahm.
Obwohl die Reise für die Begleitperson für diesen Abflugtermin eigentlich zu teuer war (außerhalb der Saison!), haben wir zunächst die Reise gebucht. Der Termin wurde jedoch verschoben und wir haben die Reise storniert.
Von nun an wurde ich jedoch bombardiert mit Gewinnschreiben von diversen Veranstaltern. Meine Adresse wurde demnach herumgereicht wie 'warme Semmeln'.
Mein Nachname wurde inzwischen von P... in R... verunstaltet, und mein Lebensgefährte hat nun plötzlich auch einen Hauptpreis von 5000 DM gewonnen, obwohl er nie an einem Preisausschreiben teilnahm!
Gegen diese Schreiben kann man wohl nichts unternehmen..."
Was tun?
Ein Eintrag in die sog. "Robinson-Liste" (DDV, Postfach 1401, 71243 Ditzingen) nützt nicht viel, weil gerade die unseriösen Werbefirmen sich um die Einträge dort nicht kümmern. Aus dem gleichen Grund hilft auch ein direkter Widerspruch beim Absender nichts.
Am besten: Beharrliches Schweigen, nicht reagieren. Dann wird die Werbepost irgendwann etwas versiegen.
Neuerdings gibt es eine Vorschrift im Bundesdatenschutzgesetz. Danach müssen die Empfänger solcher Briefe darauf hingewiesen werden, dass sie die Werbung abbestellen können. Dafür muss auch eine Adresse angegeben werden. Finden Sie persönlich adressierte Werbepost ohne diesen Hinweis? Her damit! Wir gehen gegen die Absender vor und setzen durch, dass Sie das Werbepost-Widerspruchsrecht auch durchsetzen können.
Hier zitieren wir das Angebot eines Adresshändlers, das uns zugespielt wurde...
"Wir... ...bieten Ihnen hiermit unsere Adressbestände zum Kauf an. Es handelt sich ausschließlich um Deutsche Adressen – Stand 2004/2005.
Die Dateien umfassen folgende Bereiche:
- Gewinnspieler
- Finanzen
- Käufer Elektronik
- Käufer Nahrungsergänzungsmittel
- div. e-mail-Dateien aus den Bereichen Finanzen – Freizeit – Reisen usw.
- Private Haushalte – Einkommen etc.
Alle Adressen sind mit kompletter Anschrift und Telefonnummer.
Die Adressen wurden gewonnen durch Massen Coupon-Werbung, Directmailings, Onlinewerbung, Zeitschriftenwerbung und Liefestylebefragungen...."
Daher haben die also Ihre Adresse!
Den Ratgeber: "Meine Daten gehören mir" können Sie für € 9,90 zzgl. Porto in unserem Shop erwerben.
Stand vom Mittwoch, 13. April 2011
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