Mahnkosten: Wer nimmt am meisten?

Kosten für Mahnungen nennen sich oft immer noch "Gebühren", sind aber keine. Gebühren sind Kosten, die von öffentlichen Verwaltungen aufgrund von Verordnungen erhoben werden. Bei Mahnkosten von Unternehmen handelt es sich dagegen um zivilrechtliche Schadensersatzforderungen.

Mahnkosten können nur dann in Rechnung gestellt werden, wenn Sie sich mit der Zahlung in Verzug befinden. Das bedeutet umgekehrt: Befinden Sie sich nicht im Verzug, so darf die Zahlungsaufforderung nichts kosten.

Was bedeutet Verzug?

Im Verzug mit der Zahlung befinden Sie sich, wenn Sie trotz Fälligkeit der Forderung und Mahnung nicht gezahlt haben. Beispiel: Der Maler hat Ihr Wohnzimmer zu Ihrer Zufriedenheit gestrichen und Ihnen hierfür am 13. November 2015 eine Rechnung über 450 Euro geschickt. Eine Woche später erhalten Sie ein Schreiben, in dem der Maler Sie bittet, die Rechnung bis zum 15. März 2015 zu begleichen. Vergessen Sie die Zahlung, befinden Sie sich ab dem 16. März in Verzug. Schickt er Ihnen nach dem 16. März eine Zahlungserinnerung, so kann er hierfür Kosten in Rechnung stellen.

Automatischer Verzug

Nicht immer ist eine Zahlungsaufforderung nötig, damit Sie in Verzug geraten. In diesen Fällen können Sie automatisch in Verzug kommen:

  • Ist im Vertrag bereits ein konkreter Tag für die Zahlung festgelegt, ist keine Zahlungserinnerug nötig. Bei Mietverträgen beispielsweise wird meist vereinbart, dass die Miete immer am dritten Werkvertrag des Monats zu zahlen ist. Folge: Zahlen Sie nicht, befinden Sie sich ab dem 4. Werktag in Verzug.

  • Wird bei Vertragsschluss die Zahlung von einem bestimmten Ereignis abhängig gemacht („14 Tage nach Rechnungserhalt“), geraten Sie automatisch in Verzug, wenn die Rechnung bis dahin nicht beglichen wurde.

  • Bei Geldforderungen tritt Verzug automatisch 30 Tage nach Rechnungserhalt ein. Allerdings müssen Sie in der Rechnung auf diesen automatischen Verzugseintritt hingewiesen worden sein.

  • Auch wenn Sie deutlich gemacht haben, dass Sie ohnehin nicht zahlen werden, kommen Sie automatisch in Verzug.


Wie hoch dürfen Mahnkosten sein?

Sie müssen nicht alles zahlen, was Ihnen als Mahnkosten in Rechnung gestellt wird. Der Unternehmer darf Ihnen nur die Kosten in Rechnung stellen, die ihm durch die Mahnung entstanden sind. Das sind Kosten für Porto und Material, allgemeine Personalkosten hingegen nicht. So hat zum Beispiel das Oberlandesgericht München die Mahnkosten von fünf Euro eines Stromversorgers für zu hoch erachtet (Urteil vom 28. Juli 2011; Az. 29 U 634/11). Wenn die Mahnung per Post kommt, sind Mahnkosten von ungefähr 1,20 Euro bis höchstens 2,50 Euro akzeptabel.

Haben auch Sie Ärger mit horrenden Mahn„gebühren“?

Wir wollen wissen, welche Mahnkosten Unternehmen in der Praxis fordern. Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen und schreiben Sie uns eine E-Mail an verbraucherrecht@vzhh.de.

Brauchen Sie individuelle Beratung?

Sie haben Probleme mit Inkassoforderungen und wollen wissen, Sie vorgehen sollen. Unsere Juristen helfen gerne weiter. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Mittwoch, 25. Februar 2015

zurück