Geldautomaten, Dispo-Kredit, Pfändungsschutz, Inkassobüros, Konto

Kreditplattformen im Internet

Smava, elolly, auxmoney, etc – Was ist von diesen peer-to-peer-Krediten zu halten?

Im Prinzip funktionieren die neuen Kreditseiten im Netz alle ähnlich: Der Kreditnehmer stellt seinen Geldwunsch auf die Webseite und nennt einen für ihn akzeptablen Zinssatz. Die Geldgeber wiederum können sich einen Kreditnehmer heraussuchen, den sie für solvent genug halten und unterstützen wollen. Die Idee hinter diesen Angeboten: Kredite von privat an privat. Mit anderen Worten: Ein Verbraucher als Kreditgeber vergibt einen Kredit zu z. B. 5 % Zinsen (verdient also über Sparzinsniveau) und ein Verbraucher als Kreditnehmer zahlt den Kredit pünktlich wieder zurück (und zahlt weniger Zinsen als an eine Bank).

Doch leider hat das, was auf den ersten Blick nach einer pfiffigen Geschäftsidee aussieht, Risiken.

Risiko Nummer 1 für den Kreditnehmer:

Bei den peer-to-peer Krediten („peer“ engl. = Gleichgestellte), gelten die vom Gesetzgeber und der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze aus dem Verbraucherkredit nicht. Weder muss der Effektivzins noch der Betrag, der insgesamt (also inklusive Zinsen und Bearbeitungsgebühr) über die Gesamtlaufzeit zurückzuzahlen wäre, angegeben werden. Damit könnten Anbieter Kosten verschleiern und Kredite anbieten, die hart an der Wuchergrenze sind.

Risiko Nr. 2 für den Kreditnehmer:

Vermutlich werden dort gerade diejenigen Angebote suchen, die bei Banken keinen Kredit mehr bekommen, und zwar, weil sie bereits hoch verschuldet sind. Dann aber wäre eine neue Kreditaufnahme gerade nicht sinnvoll – das Risiko der Überschuldung steigt.

Risiko Nr. 3 für den Kreditgeber:

Für die besteht die Gefahr, dass sie nicht ihr ganzes eingesetztes Kapital zurückerhalten, und so statt eines Gewinns noch Geld verlieren. Bei Banken schwankt die Ausfallquote zwischen 3 % und 10 %. Die können den Verlust aber durch ihre anderen Geschäfte wieder auffangen. Für Risikogruppen liegt die Quote mindestens bei 10 %, ist also für eine Privatperson erheblich. Dem geschädigten Kreditgeber bleibt dann nur der mühsame normale Klageweg, wenn der Kunde nicht alles zurückzahlt.

Risiko Nr. 4 für den Kreditgeber:

Sobald er häufiger Kredite vergibt, gilt er womöglich nicht mehr als „privater Geldverleiher“, sondern als gewerblicher Kreditgeber. Das darf man hierzulande aber nur mit einer Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz! Wer häufiger Kredite vergibt, steht mit einem Fuß in der Illegalität.

Chance für Kreditnehmer:

Für Existenzgründer, die ein so innovatives Konzept haben (oder ihnen fehlt Eigenkapital oder ein Bürge oder, oder), dass sie keine Bank überzeugen können, kann ein „peer-to-peer“-Kredit eine Chance sein, ebenso für „gutsituierte“ Kreditkunden, die den Banken die hohen Zinsen nicht gönnen.

Tipp für Kreditgeber:

Immer eine Lohnabrechnung zeigen und eine Lohnabtretung unterschreiben lassen. Aber selbst das garantiert nicht die Rückzahlung, falls der Schuldner arbeitslos wird oder es vorrangige, sprich ältere, Lohnabtretungen gibt.

Auch die Portale selbst sind nicht uneingeschränkt empfehlenswert. STIFTUNG WARENTEST hat sich die Dienste angesehen und große Unterschiede festgestellt. Ein Dienst „mit Hand und Fuß“ ist danach nur die Plattform Smava.

Nach allem, was über eLolly bekannt ist, müssen dort nicht nur € 9,50 Aufnahmegebühr gezahlt werden, sondern man muss auch sein Einverständnis mit der Datenweitergabe erklären. So können Adressen und andere persönliche Angaben an darauf spezialisierte Händler weitergegeben und die Kunden mit Kreditwerbung von Banken und unseriösen Vermittlern überschüttet werden. Das heißt, es gibt keinen Datenschutz, obwohl man viele private Angaben liefern muss. Nach den derzeitigen Kenntnissen erhält man dort auch nicht unbedingt einen Kredit.

Stand vom Dienstag, 23. Juni 2009

zurück