Schulden in der EU

Typische Fragen von Verbrauchern

Ich bin EU Staatsbürger und wohne in Deutschland, kann ich hier das Insolvenzverfahren machen?
Ja, jeder der in Deutschland wohnt, kann unabhängig von der Staatsbürgerschaft das Verfahren durchführen.

Ist ein Verfahren auch möglich, wenn ich gar nichts zurückzahlen kann?
Ja, auch wenn Sie unterhalb der Pfändungsfreigrenzen liegen und deshalb gar nichts pfändbar ist, können Sie das Verbraucherinsolvenzverfahren durchlaufen. Sie legen dann einen sogenannten Nullplan vor. Es gibt in Deutschland keine Mindestquoten.

Muss ich Gläubiger im Ausland auch angeben?
Unbedingt. Sie müssen jeden angeben, dem Sie Geld schulden, unabhängig davon, wo der Gläubiger wohnt oder seinen Geschäftssitz hat.

Was passiert mit Schulden im EU Ausland?
Sie müssen alle Gläubiger angeben, unabhängig von deren Wohn- oder Geschäftssitz. Haben Sie das im Verfahren gemacht, werden Sie bei Erteilung der Restschuldbefreiung auch die Schulden in anderen EU Ländern los. Die Restschuldbefreiung gilt in der gesamten EU.

Ich habe Geld auf Konten im Ausland, muss ich das angeben?
Ja, sämtliche Konten sind anzugeben. Tun Sie das nicht, und der Treuhänder hat Hinweise auf Vermögen im Ausland, kann er Sie zwingen, ihm Auskünfte zu erteilen oder ihm eine Vollmacht zu erteilen, mit der er selbst nachforschen kann. Falsche Angaben können überdies zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.

Ich habe ein Ferienhaus im EU Ausland, wird das im Insolvenzverfahren verkauft?
Grundsätzlich ist das gesamte Vermögen zu verwerten, also auch ein Haus im Ausland. Sie müssen Ihr Haus deshalb in dem Antrag für das Gericht unbedingt angeben.
Sie werden Ihr Haus in aller Regel nicht retten können.
Dabei ist zu unterscheiden: Ist Ihr Haus schuldenfrei, wird das Haus zu Gunsten aller Gläubiger versteigert und durch den Treuhänder verwertet.
Ist das Haus im Ausland noch nicht abbezahlt
, wird der Kredit in aller Regel fällig gestellt, d.h. die Bank verlangt, dass Sie alles auf einmal zurückzahlen. Da der Kredit für ein Haus auch im Ausland in der Regel dinglich abgesichert wird, also über eine Grundschuld/Hypothek, kann die Bank diese Sicherheit trotz des Insolvenzverfahrens verwerten. Sie müssen also damit rechnen, dass die Bank Ihr Haus versteigert.

Ich habe ein Haus in einem Nicht EU Land, was passiert damit?
Grundsätzlich ist das gesamte Vermögen zu verwerten, also auch ein Haus im Ausland. Sie müssen Ihr Haus deshalb in dem Antrag für das Gericht unbedingt angeben. Machen Sie das nicht, kann das zur Versagung der Restschuldbefreiung führen.

Ich bin arbeitslos, muss ich auch eine Stelle im EU Ausland annehmen?
Während der Treuhandphase müssen Schuldner eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben bzw. sich um eine solche bemühen. Eine Beschäftigung ist dann nicht mehr angemessen, wenn die Fahrt zur Arbeitsstelle und zurück mehr als drei Stunden dauert. Hamburger müssen also nicht befürchten, ins Ausland pendeln zu müssen.

Ich habe einen Job im EU Ausland angenommen und bin schon im Insolvenzverfahren- dort ist aber alles viel teurer, muss der Treuhänder diesen Mehrbedarf anerkennen?
Damit dürfen Sie nicht rechnen. Die Berechnung erfolgt anhand der deutschen Zivilprozessordnung, und die orientiert sich an den Lebensverhältnissen in Deutschland. Der Treuhänder wird einen Antrag auf Mehrbedarf daher wohl nicht anerkennen.

In anderen EU Ländern ist das Insolvenzverfahren viel kürzer- kann ich das Verfahren nicht einfach dort machen?
Das geht zwar theoretisch, vorausgesetzt, Sie verlegen Ihren Wohnsitz tatsächlich und nicht nur zum Schein in das andere Land. Allerdings werden in anderen Ländern teilweise feste Rückzahlungsquoten auferlegt, die Sie dann in jedem Fall bezahlen müssten. Wir können daher nur dringend davon abraten, allein wegen eines angeblich kürzeren Insolvenzverfahrens in ein anderes Land zu ziehen. 

Hinweis: Die Antworten ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

Dieses Merkblatt wurde im Rahmen der Kooperation zwischen der Verbraucherzentrale Hamburg e.V. und dem Europäischen Verbraucherzentrum erstellt und mit Mitteln der EU Kommission gefördert.                                       

Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

Stand vom Dienstag, 27. Dezember 2005

zurück