Konto wird immer teurer

Im Kreditgeschäft verdienen Banken in Zeiten niedriger Zinsen deutlich weniger Geld als noch vor einigen Jahren. Viele erhöhen daher die Preise für die Kontoführung und verlangen für bestimmte Dienstleistungen zusätzlich Geld. Doch nicht jede Kröte müssen Sie schlucken.

Entgelte für bestimmte Bankdienstleistungen zurückverlangen

Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden e.V. hat in einem aktuellen Gerichtsverfahren gegen die Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau Klauseln zu acht verschiedenen Sparkassen-Gebühren angefochten und vor dem Bundes­gerichts­hof (BGH) obsiegt. Die Gründe: Es handele sich bei den entgeltpflichtigen Dienstleistungen um Tätigkeiten, zu denen die Sparkasse ohnehin gesetzlich verpflichtet sei. Außerdem orientierten sich die Entgelte nicht an den tatsächlichen Kosten und wären damit zu hoch, so die BGH-Richter.

Wenn Sie von Ihrer Bank oder Sparkasse auch zu kräftig zur Kasse gebeten wurden, können Sie nun Geld zurückfordern. Um Klauseln zu diesen Entgelten ging es in dem Verfahren (Urteil vom 12. September 2017, Az. XI ZR 590/15):

  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Einlösung einer SEPA-Basis-Last­schrift bei Post­versand

  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Ausführung (bei Post­versand) einer Einzugs­ermächtigungs-/Abbuchungs­auftrags­last­schrift mangels Deckung

  • Unter­richtung über die berechtigte Ablehnung der Ausführung (bei Post­versand) … eines Über­weisungs­auftrages mangels Deckung

  • Aussetzung/Löschung eines Dauerauftrags

  • Zu hoher Grund­preis für Pfändungsschutzkonto (Pfändungs­schutz­konten dürfen nicht teurer als normale Giro­konten sein)

  • Streichung einer Order

Ihnen wurden für die oben genannten Leistungen Entgelte berechnet? Ihr Pfändungsschutzkonto ist teurer als das Standard-Girokonto Ihrer Bank? Dann können Sie nun eine Erstattung der zu Unrecht eingehalten Beträge verlangen. Rutschte Ihr Konto durch die Entgelte ins Minus, müssen Ihnen Sparkassen und Banken zudem die Zinsen zurückzahlen, die auf die unbe­rechtigten Entgeltforderungen entfielen.

Prüfen Sie daher Ihre Kontoauszüge und erstellen Sie eine Übersicht zu den Buchungen, die nach dem aktuellen BGH-Urteil verboten sind. Setzen Sie ein Schreiben an Ihre Sparkasse oder Bank auf und fordern Sie das zu viel gezahlte Geld zurück.

Achtung, Ansprüche verjähren: Ihre Ansprüche verjähren drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem das Kreditinstitut das Entgelt erhoben hat. Das bedeutet: Bis Ende 2017 können Sie noch alle ab 1. Januar 2014 gezahlten Gebühren zurück­verlangen.

Bei Preiserhöhungen genau hinschauen

Auch Preiserhöhungen sind nicht immer berechtigt. Banken haben es mit der Erhöhung von Entgelten manchmal so eilig, dass sie die gesetzlichen Fristen nicht beachten und ihre Kunden fehlerhaft oder unzureichend informieren. Bei einer Preiserhöhung sollten Sie die Mitteilung Ihrer Bank oder Sparkasse daher besonders genau anschauen. Möglicherweise ist sie unwirksam. Auch dann können Sie zuviel gezahlte Beträge zurückfordern.

Diese drei Punkte sollten Sie prüfen, wenn Ihr Kreditinstitut per Brief oder Kontoauszug eine Preiserhöhung angekündigt hat:

  • Hat die Bank Sie mindestens zwei Monate vorab darüber informiert, dass sie die Entgelte für ihre Leistungen erhöht?

  • Sind Sie in der Mitteilung darauf hingewiesen worden, dass Sie Ihr Konto kostenfrei kündigen können?

  • Hat die Bank Sie darüber informiert, dass Sie ihr Konto fristlos kündigen können?

Ist mindestens eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, ist die Erhöhung unzulässig. Zuviel gezahlte Entgelte können Sie von Ihrer Bank zurückverlangen.

Bankwechsel spart Geld

Wenn Sie sich über bestimmte Entgelte oder die Erhöhung von Gebühren gar zu sehr ärgern, steht Ihnen natürlich jederzeit frei, die Bank zu wechseln.

Eine Untersuchung der Stiftung Warentest im August 2017 hat nach Prüfung der Gehalts- und Girokonten von 104 Banken und Sparkassen noch 23 Kontomodelle gefunden, die ohne Wenn und Aber kostenfrei sind: Onlinebanking-Fans können unter neun Direktbanken wählen, wer gern persönlich mit dem Bankberater spricht, ist bei 14 überregionalen und regionalen Filialbanken am besten aufgehoben.

Bei weiteren Fragen rund um Konten und Kredite helfen wir Ihnen gern weiter. Hier geht es zu unseren Beratungsangeboten.

Stand vom Mittwoch, 13. September 2017

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