Netbank: Arbeitslose und Kranke unerwünscht?

Die Netbank, eine Unternehmensmarke der Augsburger Aktienbank, hat zum 1. April 2017 Entgelte für die Kontoführung eingeführt. 3,50 Euro im Monat sind es für Kunden mit einem monatlichen „Einkommenseingang bis 400 Euro“. Ist die Summe größer, sinkt die Gebühr auf einen Euro pro Monat. Verbraucher, die Arbeitslosen- oder Krankengeld beziehen, sollen jedoch unabhängig von der Höhe ihres Geldeingangs immer 3,50 Euro und damit 42 Euro pro Jahr zahlen. Zahlreiche Betroffene haben sich wegen der neuen Entgelte bei uns beschwert.

Insbesondere Menschen, die Arbeitslosengeld beziehen, fühlen sich durch die Netbank nicht ausreichend informiert und wegen der höheren Gebühren diskriminiert.

Einkommen ist nicht gleich Einkommen

Unter „Einkommenseingang“ versteht die Netbank monatliche Geldeingänge mit der Bezeichnung „Gehalt, Lohn, Vergütung, Bezüge, Rente, Pension, BAföG, Studiengeld, Studium, Sold, Entlohnung, Privatentnahme, Ruhegeld, Blindengeld und Blindenhilfe“. So steht es in der Produktbeschreibung auf der Internetseite der Bank und in deren Preis- und Leistungsverzeichnis. Mieteinnahmen und Eigenüberweisungen schließt die Bank durch eine zusätzliche Erläuterung aus. Dass auch die Zuwendungen für Arbeitslose, Menschen in Grundsicherung sowie Bezieher von Krankengeld nicht als Einkommenseingang zählen, führt das Kreditinstitut hingegen nicht extra aus.


Erläuterungen zur Begrifflichkeit „Einkommenseingang“ auf der Website der Netbank

Kostentransparenz mangelhaft

Wir meinen: Die Netbank diskriminiert mit ihrem Entgeltmodell die sozial Schwachen, ist aber zu feige, dazu zu stehen. Dass sie mehr zahlen müssen, wird vielen Betroffenen erst auf Nachfrage klar. Wir fragen uns, warum die Bank nicht eindeutig formuliert, dass der regelmäßige Bezug von Arbeitslosen- oder Krankengeld nicht zur Ermäßigung des Kontoführungsentgelts führt.

Wir haben die Bank um eine Stellungnahme gebeten, doch das Kreditinstitut sieht hinsichtlich der mangelnden Kostentransparenz keinen Handlungsbedarf. Im Gegenteil, die Netbank führte uns gegenüber aus, dass „auf Grund der transparenten Klar- und Darstellung (...) Kunden zweifelsfrei erkennen, ob ihre Geldeingänge für die Gewährung der vergünstigten Kontoführungsgebühr herangezogen werden oder nicht.“

Die zahlreichen Beschwerden von Verbrauchern, die sich ratsuchend an uns gewandt haben, sprechen eine andere Sprache. Zwar gehört die Netbank mit einer Kontoführungsgebühr von 42 Euro pro Jahr nicht einmal zu den teuren, doch dass vor allem sozial Schwache – ungeachtet der Höhe ihrer monatlichen Zuwendungen – zur Kasse gebeten werden, gibt der Sache einen ziemlich faden Beigeschmack. Will die Netbank diese Kunden etwa loswerden?

Information zum Kontoentgelt vorenthalten

Eine offene und ehrliche Kundenkommunikation scheint nicht zu den Stärken der Netbank zu gehören, obwohl sie mit der Transparenz ihres Produktangebots wirbt. Erst im Februar hatten wir das Kreditinstitut abgemahnt, weil ein deutlicher Hinweis auf die baldige Einführung des Kontoentgelts fehlte und Verbrauchern so noch acht Wochen vorher suggeriert wurde, sie würden ein kostenloses Girokonto eröffnen.


Auswahlmenü auf der Internetseite der Netbank acht Wochen vor Einführung des Kontoentgelts

Auf der Internetseite der Netbank war das bald fällige Entgelt zu diesem Zeitpunkt nur nach mühevollem Suchen zu finden. Weder in der tabellarischen Darstellung der Preise und Leistungen noch im Produktinformationsblatt wurde die Gebühr aufgeführt.

Augen auf beim Kontowechsel

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase haben viele Banken und Sparkassen in den vergangenen Monaten Entgelte für Leistungen wie Kontoführung, Girocard oder Überweisungen eingeführt. Wir raten daher zum Kontowechsel.

Einfacher wechseln: Ähnlich wie bei Gas- oder Stromtarifen muss der Wechsel des Bankkontos seit einigen Monaten für Verbraucher einfacher sein. Als Kontoinhaber können Sie Ihr neues Kreditinstitut nun damit beauftragen, für Sie den Kontowechsel mit Ihrem bisherigen Kreditinstitut umzusetzen. Eine einmalig erklärte Ermächtigung verpflichtet beide – Ihre neue und alte Bank – zur Kooperation. Wie der Kontowechsel funktionieren muss.

Noch Fragen?

Bei weiteren Fragen rund um Konten und Kredite helfen wir Ihnen gerne weiter. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Montag, 3. April 2017

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