Achtung, Preisdrücker!

Auf zahlreichen Ankaufplattformen im Internet können Sie vom alten Smartphone bis hin zu ausrangierten Büchern nahezu alles verkaufen. Darauf, dass Sie den anfangs vereinbarten Preis für Ihre Ware aber auch tatsächlich erhalten, ist allerdings kein Verlass. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Marktwächter Digitale Welt der Verbraucherzentrale in Auftrag gegebene forsa-Umfrage. Demnach haben 40 Prozent der Nutzer von Ankaufplattformen schon mindestens einmal die Erfahrung gemacht, dass der am Ende ausgezahlte Preis niedriger ausfiel, als der zuerst auf der Plattform genannte. Nachdem die Ware eingegangen und begutachtet wurde, korrigierten die Portale den Preis einfach nach unten.

Juristische Mängel in den AGB

Die Geschäftspraktiken der Anbieter leiten sich aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ab. Diese weisen mitunter gravierende juristische Mängel auf. Zwar können sich alle Plattformen das Recht vorbehalten, die zunächst im Internet offerierten Preise nach Sichtung der Ware anzupassen, allerdings sind aus Sicht der Marktwächter andere Bedingungen unzulässig.

Automatische Preisanpassung: So räumte sich eine Plattform das Recht ein, den zunächst ausgewiesenen Preis automatisch um 20 Prozent anzupassen – im Zweifel also zu reduzieren, um so die Geschäftsabwicklung zu beschleunigen. Andere Anbieter regeln durch ihre AGB, dass der neu angebotene Preis als vereinbart gilt, wenn der Verbraucher sich nicht innerhalb einer festgelegten Frist zurückmeldet. Teilweise beträgt diese Frist lediglich zwei Tage. Die ausbleibende Reaktion des Verkäufers werten die Portale einfach als Einverständnis.

Abgelehnte Ware wird zu Eigentum des Anbieters: Auf eine ähnliche Art und Weise verfahren einige Ankaufplattformen, wenn eingesendete Ware abgelehnt wird: Ist die Rücknahmefrist verstrichen, geht dass abgelehnte Produkt nach Ablauf einer bestimmten Rückmeldefrist ins Eigentum des Ankaufanbieters über, wird gespendet oder entsorgt, ohne dass der Verbraucher davon wirklich in Kenntnis gesetzt wird. Auch hier werten die Portale das Schweigen des Verbrauchers als Zustimmung.

Anbieter gesprächsbereit

Auf Initiative der Marktwächter haben einige Anbieter jetzt nachgebessert. Neben Abmahnungen aufgrund fragwürdiger Klauseln in den AGB führten die Verbraucherschützer auch zahlreiche Gespräche mit den Unternehmen. Als direkte Folge der Abmahnungen werden zwei Ankaufportale künftig Verbraucher explizit darauf hinweisen, dass eine aktive Begleitung des Kaufprozesses notwendig ist. Ein Portal sicherte außerdem zu, längere Fristen einzuführen, damit Verbraucher genügend Zeit haben, um zu reagieren. Ein weiterer Anbieter verzichtet hingegen komplett auf die Klausel, in der das Schweigen des Verbrauchers als Zustimmung galt.

Bei vier Ankaufportalen war es ursprünglich möglich, dass eingesandte Artikel automatisch ins Eigentum der Anbieter übergingen, sofern der Verbraucher sich nicht meldete. Die Eigentumsklausel wurde bei zwei Anbietern komplett gestrichen. Zwei weitere Portale weisen nun konkret auf die Folge des Schweigens hin.

Ein Anbieter erklärte, dass ohnehin bereits Umstrukturierungen auf der eigenen Portalseite geplant seien, um Verbrauchern die Prozesse noch nachvollziehbarer und transparenter zu erklären. Zudem konnten die Marktwächter ihre Vorschläge zur verbraucherfreundlicheren Gestaltung der Webseite einbringen.

Weitere Informationen über das Marktwächter-Projekt finden Sie auf der Marktwächter-Website und im Marktwächter-Twitter-Kanal.

Die Verbraucherzentrale berät

Wenn auch Sie Probleme mit Ankaufplattformen im Internet haben, stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Unsere Experten beraten Sie persönlich, schriftlich oder am Telefon. Hier finden Sie eine Übersicht zu unserem Beratungsangebot.

Stand vom Donnerstag, 27. Juli 2017

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