Die Schummelei mit dem "Garantiezins"

Sie wollen jetzt noch schnell eine Lebensversicherung abschließen, weil der Zins sinkt? Lassen Sie das besser. Diese Senkung macht aus ohnehin schon schlechten Verträgen noch schlechtere. Die Verbraucherzentrale Bremen hat genau gerechnet:

"Von Versicherungsgesellschaften und –vermittlern wird zurzeit einmal mehr eine Schlussverkaufsstimmung geschürt. Diesmal soll noch schnell eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen werden, weil im nächsten Jahr der Garantiezins für neu abgeschlossene Verträge gesenkt wird. Wie hoch die garantierte Verzinsung bezogen auf die Einzahlungen wirklich ist, wird jedoch regelmäßig verschwiegen.

Bei kapitalbildenden Versicherungen wird den Kunden eine bestimmte Mindestverzinsung ihrer Guthaben garantiert. Die Höhe dieses Garantiezinses steht nicht im Belieben der einzelnen Anbieter. Der Satz wird vielmehr vom Bundesfinanzministerium festgesetzt, das seinerseits an eine gesetzliche Vorgabe gebunden ist: Danach darf der Garantiezins grundsätzlich nicht mehr als 60 Prozent des langjährigen Durchschnitts der Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen betragen.

Das allgemein niedrige Zinsniveau in den vergangenen Jahren hat deshalb dazu geführt, dass der Garantiezins für Lebensversicherungen schrittweise gesenkt werden musste. Galt von 1995 bis Juni 2000 noch der höchste jemals erreichte Satz von vier Prozent, erfolgte ab Juli 2000 eine erste Herabsetzung auf 3,25 Prozent. Ab dem 1. Januar 2004 werden es nur noch 2,75 Prozent sein – so wenig wie noch nie.

Betroffen sind allerdings nur die Neukunden. Für die Altkunden gilt weiterhin der Garantiezins zum Zeitpunkt ihres Vertragsabschlusses. Aus diesem Grund rühren die Anbieter jetzt kräftig die Werbetrommel dafür, rasch noch in diesem Jahr eine Lebensversicherung abzuschließen, um sich den Garantiezins von 3,25 Prozent zu sichern. Das mutet zunächst etwas kurios an, weil der Kunde normaler Weise mit weitaus höheren Zahlen umgarnt wird: nämlich mit der Ablaufleistung, die sich ergeben würde, wenn der Versicherungsnehmer künftig - zusätzlich zur garantierten Verzinsung – in der gleichen Höhe wie heute an den erwirtschafteten Überschüssen der Versicherungsunternehmen beteiligt würde. Dass solche Hochrechnungen völlig unverbindlich sind und eine bloße "Beispielrechnung" darstellen, haben die meisten Kunden inzwischen schmerzlich erfahren müssen. Insofern wäre es eigentlich zu begrüßen, dass in der jüngsten Werbekampagne stärker in den Vordergrund gestellt wird, was wirklich garantiert ist.

Tatsächlich wird dem Kunden mit dem herausgestellten Garantiezins von 3,25 Prozent aber weiterhin Sand in die Augen gestreut. Denn der Versicherungsnehmer glaubt zumeist, die 3,25 Prozent bekomme er auf seine Einzahlungen. Das ist aber nicht richtig. Von den eingezahlten Prämien gehen vielmehr zunächst Kosten ab: für die Abschlussprovision, für den sonstigen Vertriebsaufwand, für die Verwaltung und für den Todesfallschutz bei den Lebensversicherungen. Nur was danach an Guthaben übrig bleibt, darauf wird dann die garantierte Verzinsung von 3,25 Prozent gewährt. Genau hier liegt der Kern der Irreführung: Weil der Kunde nicht erfährt, wie hoch die genannten Kosten sind, weiß er auch gar nicht, welche Verzinsung er – bezogen auf seine Einzahlungen – wirklich garantiert bekommt.

Sie liegt deutlich niedriger, wie die Auswertung der Verbraucherzentrale für ein günstiges und ein ungünstiges Fallbeispiel zeigt: Eine 25jährige Frau, Nichtraucherin, die zum 1.12.2003 eine Lebensversicherung bis zum Alter von 65 Jahren abschließt und monatlich 100 Euro zahlt, erhält darauf selbst beim besten Anbieter nur eine garantierte Verzinsung von 2,57 Prozent, beim schlechtesten sogar nur 1,53 Prozent. Ein 50jähriger Mann, Raucher, der ebenfalls bis zum 65. Lebensjahr abschließt und 100 Euro monatlich zahlt, bekommt bestenfalls 0,30 Prozent garantiert und im schlechtesten Fall minus 0,18 %, das heißt: ihm wird nicht einmal die Rückzahlung der Einzahlungen gewährleistet. Mit der Herabsetzung des Garantiezinses werden diese Werte ab 2004 noch schlechter. Ein starkes Argument für ein Jetzt-noch-Abschließen ist das angesichts solcher Zahlen aber wohl kaum. Zudem: Die errechneten Werte gelten nur für den Fall eines planmäßigen Durchhaltens des Vertrages. Wenn die Lebensversicherung vorzeitig gekündigt wird, wie es bei jeder zweiten geschieht, ist das regelmäßig ein mehr oder weniger großes Verlustgeschäft."

(Dieser Text wurde von der Verbraucherzentrale Bremen übernommen)

Stand vom Donnerstag, 12. Juni 2008

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