Zu einfach, um gut zu sein

Getsurance ist ein neuer Versicherungsvermittler, der Berufsunfähigkeits­versicherungen anbietet. Getsurance wirbt mit „Schnell, Günstig und für jeden“. Wir haben uns die im Internet erhältlichen Versicherungs­bedingungen zweier Tarife (Job Comfort und Job Premium) angesehen und uns zudem durch das Online-Antragsformular geklickt. Im Ergebnis raten wir bei den Angeboten von Getsurance zur Vorsicht.

Keine vollwertige Versicherung für jeden

Nach unserem Eindruck kann nicht jeder eine vollwertige Berufs­unfähigkeits­versicherung erhalten. Wir sind vielmehr auf eine Reihe von Ausschlusskriterien gestoßen. Wer etwa in den letzten fünf Jahren länger als vier Wochen am Stück Medikamente eingenommen hat (außer Verhütungsmitteln wie zum Beispiel der Pille und Antihistaminika), bekommt keine Versicherung der Tarife „Job Comfort“ und „Job Premium“ angeboten, sondern wird auf den Tarif „Job Basic“ verwiesen, wenn die zugrundeliegende Erkrankung nicht seit mindestens 2 Jahren folgenlos ausgeheilt ist.  Gleiches - also nur ein Angebot im Tarif „Job Basic“ -  gilt für den, der in den letzten sieben Jahren stationär behandelt wurde und bei dem die zugrundeliegende Erkrankung oder Verletzung nicht seit mindestens zwölf Monaten folgenlos ausgeheilt ist. Für den Tarif „Job Basic“ sind aktuell noch keine Bedingungen hinterlegt.

Der Basis-Tarif (Job Basic) soll folgen. Es steht nach den auf der Seite erhältlichen Infos aber bereits fest, dass dieser Tarif nur dann einen Schutz bietet, wenn die Berufs­unfähigkeit durch einen Unfall verursacht wurde. Für uns handelt es sich beim Auffangtarif Job Basic damit nicht um eine Berufsunfähig­keitsversicherung, denn Unfälle sind in weniger als 10 Prozent der Fälle die Ursache für eine Berufsunfähigkeit. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass in diesem Tarif in mehr als 90 Prozent der Fälle nicht gezahlt würde.

Wer in den letzten zehn Jahren hinsichtlich psychischer Erkrankungen untersucht oder beraten wurde, bekommt ebenfalls nur eine abgespeckte BU-Versicherung. Auch diese Regelung ist in unseren Augen nachteilig für die Versicherten, da viele Versicherungen lediglich einen Zeitraum von fünf Jahren abfragen. Mittlerweile stehen psychische Erkrankungen auf Platz 1 der Ursachen für eine Berufsunfähigkeit. In den Tarifen Job Basic und Job Comfort sind psychische Erkrankungen ausdrücklich vom Schutz ausgenommen.

Eine günstige Versicherung?

Körperliche Arbeit birgt generell ein hohes Risiko, berufsunfähig zu werden. Aus diesem Grund ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung für Dachdecker oder Krankenpfleger/-schwestern teuer. Die Versicherung unterscheidet nicht nach einzelnen Berufen, wie es üblich ist, sondern fragt nur nach dem Anteil an körperlicher Arbeit im Beruf. Ein heute gesunder 27-jähriger, der mehr als 80 Prozent körperliche Arbeit leistet, muss bei der Versicherung über Getsurance im Premium-Tarif  für eine BU-Rente in Höhe von 1.000 Euro eine monatliche Prämie in Höhe von 110,30 Euro zahlen. Bei zumindest einer anderen von uns recherchierten Versicherung müsste der Dachdecker im Netto-Tarif derzeit etwas weniger, nämlich 103,10 Euro und Krankenpfleger/-schwestern 70,57 Euro zahlen.

Die BU-Rente ist zu knapp kalkuliert

Über Getsurance können Sie nur maximal 60 Prozent des Nettoeinkommens versichern, automatisch vorgeschlagen werden sogar nur 50 Prozent. Nach unserer Einschätzung ist das zu knapp kalkuliert. Viele Versicherer versichern deshalb höhere Summen. Denn wer berufsunfähig ist, bekommt nicht automatisch eine Rente von der Deutschen Rentenversicherung. Das Ziel einer Absicherung muss immer sein, die Versicherung so hoch anzusetzen, dass Sie ohne zusätzliche staatliche Hilfen auskommen, da eine private BU-Rente bei bestimmten Sozialleistungen voll angerechnet wird.

Keine Beteiligung an Überschüssen

Auch BU-Versicherungen erwirtschaften Überschüsse. Das sind Gelder, die zum Beispiel dadurch entstehen, dass weniger Renten in Anspruch genommen werden als der Versicherer bei der Prämienberechnung kalkuliert hat. Diese Überschüsse müssen den Versicherten zum Teil gutgeschrieben werden. Die über Getsurance vermittelte Versicherung beteiligt die Versicherten nicht an Überschüssen.

Keine Dynamik im Leistungsfall

Die Versicherung bietet keine Dynamik im Leistungsfall an. Wenn Sie heute 30 Jahre alt sind, berufsunfähig werden und eine Rente von 1.000 Euro bis zum 65. Lebensjahr versichert haben, bekommen Sie 35 Jahre lang monatlich 1.000 Euro. Aber in diesen 35 Jahren würde die Rente aufgrund einer Inflation von 2 Prozent am Ende nur noch die Hälfte wert sein. Wir empfehlen deshalb auch eine Dynamik im Leistungsfall.

Die Versicherungsbedingungen haben Lücken

Für Beamte kann eine Dienstunfähigkeitsklausel nicht eingeschlossen werden. Umfangreiche Nachversicherungsgarantien finden ihre Grenze bei 60 Prozent des Nettoeinkommens, was in vielen Fällen nicht reichen wird. Außerdem sind bestimmte Freizeitaktivitäten von vornherein vom Schutz ausgenommen, so zum Beispiel Fahrradrennen, oder der Umgang mit Sprengstoffen. Doch was passiert, wenn Sie sich Silvester mit einem Böller verletzen?

Sitz in Liechtenstein

Getsurance bietet Produkte einer Versicherungsgesellschaft an, die ihren Sitz außerhalb der EU (Liechtenstein) hat. Dieser Versicherer nimmt also nicht an Schlichtungsverfahren durch den in Berlin ansässigen Versicherungsombudsmann e. V. teil. Im Streitfall gibt es für Sie keine kostenlose außergerichtliche Überprüfung durch diese Schlichtungsstelle. Gerät der Versicherer in Zahlungsschwierigkeiten, gilt weder deutsches noch EU-Recht.

Positives

Bei verspäteter Meldung des Versicherungsfalles gibt es rückwirkende Leistungen für bis zu 36 Monate. Bekommen Sie Krankentagegeld von einem privaten Versicherer (ausgenommen: Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung) und stellt dieser die Leistungen wegen Berufsunfähigkeit ein, so können Sie als Überbrückungshilfe bis zu sechs Monate die BU-Rente erhalten. Insbesondere für Selbstständige kann dies eine relevante Klausel sein.

Fazit

Nur in Ausnahmefällen ist eine Versicherung über Getsurance zu empfehlen. Wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung nur in weniger als 10 Prozent aller Versicherungsfälle zahlt (Job Basic), verdient sie diesen Namen nicht. Hier gibt es für die Verbraucher andere und vor allem bessere Möglichkeiten der Versicherung ihrer Arbeitskraft. Verbraucher, die auf den Comfort-Tarif verwiesen werden, bei dem psychische Ursachen für eine Berufsunfähigkeit ausgeschlossen werden, sollten versuchen, eine andere Versicherung mit kürzerem Abfragezeitraum zu finden. Selbst „kerngesunde“ Verbraucher, die zudem nicht für längere Zeit ins Ausland wollen und denen der Premium-Tarif angeboten wird, werden überwiegend Versicherer mit besseren Bedingungen zu günstigeren Prämien finden.

Noch Fragen?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine sehr individuelle und existentiell wichtige Versicherung, bei der sich eine gute Beratung auszahlt. Wir helfen Ihnen weiter, wenn Sie Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Dienstag, 8. August 2017

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