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Abzocker unterwegs

Abzocker unterwegs 

Durchschnittsverdienern überteuerte Wohnungen zum Steuern sparen angeboten

 

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor dubiosen Firmen, die Anlegern überteuerte Wohnungen "zum Steuern sparen" anbieten. So ruft eine Firma Info Line AG Verbraucher an und ködere sie mit dem Gewinn einer kostenlosen Anlage- und Steuersparberatung. Den weiteren Ablauf schildert Gabriele Schmitz, Expertin der Verbraucherzentrale für den grauen Kapitalmarkt: "Wenn die Angerufenen sich zu einem Besuch in den Geschäftsräumen der Firma BeraterNet24.com, bei der es sich vermutlich um die Nachfolgerin der Firmen HSM und Privatkundenberatung handelt, überreden lassen, werden erst einmal deren Einkommens- und Vermögensverhältnisse abgefragt, um sie sodann über "Steuersparmöglichkeiten" beraten zu können.

 

Es wird dann meist zum Kauf einer vermieteten, angeblich sanierten Eigentumswohnung geraten und es wird alles als sehr eilig dargestellt. Die vom Käufer monatlich zu tragende Belastung nach Mieteinnahmen und Steuervorteilen sollen sich auf z.B.  37 Euro belaufen, also auf einen Betrag, zu dem jeder gern stolzer Besitzer einer Eigentumswohnung werden möchte. Im Notarvertrag wird bisweilen wahrheitswidrig bestätigt, dass den Erwerbern der Kaufvertrag bereits seit 14 Tagen vorlag, was diesen eigentlich die Gelegenheit geben soll, sich das Geschäft und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Vermittler wissen es aber zu vermeiden, dass  die Käufer nach dem Verkaufsgespräch überhaupt zum Nachdenken kommen und händigen ihnen am liebsten gar keine Unterlagen aus. Angeblich sollen dem Verbraucher alle Formalitäten abgenommen werden. Er soll sich um nichts kümmern müssen. Tatsächlich wird er bewusst dumm gehalten, bis alle Verträge unwiderruflich geschlossen sind und der Verkäufer das Geld von der Bank aus dem Darlehensvertrag des Käufers erhalten hat. Erst dann wird dem Verbraucher nach und nach klar, dass die mündlich gegebenen Versprechungen über Mieteinnahmen und -garantien und über die zu erzielenden Steuervorteile nichts wert sind, und dass die vorher so netten Vermittler plötzlich nicht mehr zu sprechen sind und sich verleugnen lassen, wenn dem Verbraucher die finanziellen Belastungen über den Kopf wachsen".

Nach dem Anruf der Firma Info Line AG mit der Frage, ob man nicht gerne Steuern sparen würde und dem darauf folgenden Angebot einer kostenlosen Anlage- und Steuersparberatung meldet sich inzwischen (August 2007) nicht mehr das Expertenteam24.com oder BeraterNet24.com sondern dieselben Vermittler treten nun unter dem Namen "Die Berater" auf. Sie residieren aber nach wie vor im Heidenkampsweg 101 und vermitteln auf die unseriöse und überrumpelnde Art Wohnungen, wie wir es bereits geschildert haben. Das ganze Geschäft wird unter großem Zeitdruck abgewickelt: nur wenn sich die Verbraucher ganz schnell entschließen, werden die Erwerbsnebenkosten von mehreren tausend Euro vom Verkäufer übernommen. Der Notar wartet nach der Besichtigung einer Musterwohnung gleich im Vermittlerbüro und nimmt dort die Beurkundung des Kaufvertrages vor.

 

Aufgefallen ist der Verbraucherzentrale auch die Firma Saturn 2000, Inhaber Marcus Holtz, deren Inhaber Marcus Holtz heute Vorstand der AVD AG ist. Die AVD AG residiert wie zuvor die Saturn 2000 in Hamburg am Überseering. Saturn 2000 war viele Jahre Gegenstand von Verbraucherbeschwerden bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Notare im Hamburger Umland erklären sich immer wieder bereit, die Kaufverträge der ihnen von den Vermittlern zugeführten Käufer zu beurkunden. Der Vermittler Florian Hinz verspricht als Anreiz für den Abschluss des Geschäfts die Auszahlung von 5.000 bis 15.000 Euro an den Käufer, wodurch gerade Verbraucher als Zielgruppe ins Visier kommen, die finanzielle Probleme haben. Dieser Geldsegen kommt durch einen entsprechend höher beurkundeten Kaufpreis und eine höhere Darlehensaufnahme zustande und wird später als 'Empfehlungsprovision' deklariert. Hier ist das Scheitern des Geschäfts programmiert.

 

Die Verbraucherzentrale rät:

Sind auch Sie auf Praktiken hereingefallen, wie sie in diesem Artikel geschildert werden? Trotz der jahrelangen Berichterstattung in den Medien über Schrottimmobilien und überteuerte Wohnungen, die den Verbrauchern zum Steuern sparen angedreht wurden, und über die Prozesse, die Verbraucher führen, um sich von den ruinösen Kreditbelastungen zu befreien, gibt es leider immer noch Verbraucher, die auf die Versprechen der Vermittler herein fallen und sich überteuerte Wohnungen andrehen lassen.

Lassen Sie sich bei einer derart weit reichenden Entscheidung wie einem Wohnungskauf von niemandem unter Zeitdruck setzen, schon gar nicht im Hinblick auf angebliche Steuervorteile. Die Steuervorteile sind das allerletzte Kriterium, über das man sich Gedanken machen sollte. Vorher ist es wichtig, sich auf jeden Fall die Wohnung und deren Standort genauestens anzusehen und Expertenrat einzuholen. Der Rat muss unabhängig sein - Vermittler verfolgen nur ihr eigenes Provisionsinteresse. Sehen Sie die Protokolle der Eigentümerversammlungen ein und prüfen Sie den verlangten Kaufpreis auf seine Angemessenheit. Auf vermeintliche Mietgarantien ist kein Verlass. Deshalb muss genau durchkalkuliert werden, ob man auch bei Ausbleiben der Miete und beim Entstehen unerwarteter Kosten in der Lage ist, den Verpflichtungen gegenüber der Bank nachzukommen.

Über aktuelle Entwicklungen im grauen Kapitalmarkt berichtet die Verbraucherzentrale ständig unter www.vzhh.de.

Betroffenen bietet die Verbraucherzentrale Hamburg:

·         Telefonische Finanzrechtsberatung: Mo bis Do 10 bis 18 Uhr unter 0900 1 77 54 42 (1,50 € aus dem dt. Festnetz, mobil teurer)

·         Persönliche Beratung: Fr 10 bis 13 Uhr (25 €)

·         Schriftliche Beratung: per Post oder E-Mail geldanlage@vzhh.de (10 bis 50 €)