Flüchtlinge: Informationen zur Gesundheitsversorgung

Stand: 16.11.2015

Nach einer langen und strapaziösen Flucht müssen viele Asylsuchende medizinisch versorgt werden. Das Asylbewerber­leistungs­gesetz garantiert eine medizinische Versorgung bei akuten Krankheiten und Schmerzen. Was Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer wissen sollten:

Gut zu wissen: In Hamburg und Bremen bekommen die Flüchtlinge Gesundheitskarten der AOK Bremen/Bremerhaven. Bis diese Karten ausgestellt sind, was gegenwärtig Wochen bis Monate dauern kann, erhalten sie eine schriftliche Bescheinigung der Sozialbehörde, dass sie bei der AOK Bremen/Bremerhaven angemeldet sind. Damit können sie ganz normal zum Arzt gehen und sich behandeln lassen.

Aber auch wer noch nicht registriert ist, wird behandelt: Dafür gibt es 24 Stunden gültige Formulare der Zentralen Erstaufnahmestellen (ZEA), die von einem Mitarbeiter der ZEA oder vom Wachdienst ausgefüllt werden.

Weil auch das nicht immer funktioniert, wurde von der Gesundheitsbehörde mit Hilfe der Ärztekammer in allen mehr als 30 zentralen Erstaufnahmestellen eine ärztliche Versorgung vor Ort organisiert.

Besonders schutzbedürftige Asylbewerber (minderjährige unbegleitete Flüchtlinge, chronisch Kranke, Alte und Pflegebedürftige, Schwangere und Menschen, die Folter, Vergewaltigung oder andere schwere psychische, physische oder sexuelle Gewalt erlitten haben) werden von einer speziellen Clearingstelle der Stadt Hamburg unterstützt.

Auch Illegale, die nicht als Flüchtlinge oder Asylbewerber registriert sind und keinen Aufenthaltsstatus haben, werden ärztlich behandelt. Dafür engagieren sich, vermittelt über das „Medibüro”, rund 150 Ärzte ehrenamtlich und behandeln kostenlos oder gegen geringes Honorar. Ähnliches leisten die Malteser Migranten Medizin sowie die Praxis ohne Grenzen. Viele Hamburger Ärzte signalisieren ihre Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge durch ein spezielles Willkommensplakat.

Hilfreich ist ein Anamnesebogen des Mainzer Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland e.V., mit dem das erste Gespräch zwischen Patient und Arzt unterstützt wird und der in 14 Sprachen (von Arabisch über Persisch bis Ungarisch) vorliegt.

Die Probleme: Trotz vieler guter Nachrichten ist noch längst nicht alles auf guten Wegen. Eine Frauenärztin beschreibt Im Journal der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH-Journal 3/2015) die Probleme folgendermaßen:

„Weil offensichtlich ist, dass die Gesundheitsversorgung löchrig ist, sind viele Nebenstrukturen entstanden. Es gibt Honorarärzte an den Asylbewerberunterkünften, es gibt Netzwerke von Ärzten, die ehrenamtlich einspringen. Und es gibt Krankenhäuser, die sich ihrer Verantwortung manchmal stellen und manchmal auch nicht. Diese Strukturen sind allerdings selbst für Menschen, die sich gut auskennen, zu kompliziert. Und sie sind nicht verlässlich. Die Hamburger Politik lobt das Ehrenamt, macht aber faule und irrationale Kompromisse. Einfacher und sinnvoller wäre es, wenn man das Problem endlich offiziell regeln und allen hier lebenden Menschen einen Zugang zur regulären Versorgung öffnen würde. Gesundheitsversorgung kann man nicht auf ehrenamtlicher Grundlage organisieren.”

Welche Probleme sehen Sie für Flüchlinge im Gesundheitswesen, welche Fragen sind offen? Am besten Sie informieren uns per E-Mail an refugees@vzhh.de.

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