Bausparvertrag: Darlehensgebühr zurückverlangen

Darlehensgebühren bei Bausparverträgen sind unzulässig. Mit unserem Musterbrief können Sie zu viel gezahltes Geld zurückholen.

Älteres Ehepaar schaut auf Geldscheine

Das Wichtigste in Kürze

  1. Bausparkassen haben in der Vergangenheit für die Auszahlung eines Darlehens oft Gebühren verlangt.
  2. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass diese Darlehensgebühren unzulässig sind. Abschlussgebühren hingegen sind erlaubt.
  3. Mit einem Musterbrief der Verbraucherzentrale können Betroffene zu viel gezahltes Geld zurückverlangen. Dabei sollten sie die Verjährungsfristen beachten.
Stand: 30.11.2017

Darlehensgebühren bei Bausparverträgen sind unzulässig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) im November 2016 entschieden. Verbraucher können zu Unrecht gezahltes Geld zuzüglich Zinsen zurückfordern, das Bausparkassen für die Auszahlung eines Darlehens verlangt haben.

Das BGH-Urteil hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einem Rechtsstreit mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall erstritten (Urteil vom 8. November 2016, Az. XI ZR 552/15). Von der Entscheidung sind jedoch auch zahlreiche andere Bausparkassen betroffen, die die umstrittene Gebühr ebenfalls erhoben haben.

Darlehensgebühr zurückverlangen

Aus zahlreichen Anfragen von Verbrauchern wird deutlich: Oft geht es bei den Darlehensgebühren um viel Geld. So verlangte eine Bausparkasse für ein Bauspardarlehen in Höhe von 75.000 Euro beispielsweise eine Gebühr von 1.500 Euro. Das entspricht zwei Prozent der Darlehenssumme!

Wir meinen: Gerade in Zeiten allgemein niedriger Kreditzinsen ist das absolut unangemessen. Es kann nicht sein, dass die Darlehensgebühr in vielen Fällen so hoch ist wie die aktuell marktüblichen Kreditzinsen für ein ganzes Jahr. Außerdem erschwert der zusätzliche Posten den Vergleich zwischen verschiedenen Baufinanzierungsangeboten. Der Wegfall der Darlehensgebühr war daher mehr als überfällig.

Mit unserem Musterbrief können Sie Erstattungsansprüche gegenüber Ihrer Bausparkasse geltend machen. Ob auch Zahlungen aus früheren Jahren – also vor 2013 – zurückerstattet werden müssen, ist noch nicht höchstrichterlich entschieden. Einen Versuch ist es aus unserer Sicht aber allemal wert:

Gut zu wissen

Beachten Sie, dass Ihre Ansprüche binnen drei Jahren jeweils zum Jahresende verjähren. In 2015 zu viel gezahlte Gebühren können Sie sich noch bis Ende 2018 erstatten lassen. Ansprüche auf Darlehensgebühren aus dem Jahr 2013 sind wohl bereits verfallen.

Betroffen sind die Darlehensgebühren, die Bausparkassen nach Abschluss und ausreichender Ansparung für das eigentliche Darlehen erhoben haben. Wer kein Darlehen in Anspruch genommen hat, kann auch nichts zurückfordern. Die Entscheidung betrifft also nur die Darlehensgebühren, nicht jedoch die Abschlussgebühren, die nach Auffassung des Gerichts zulässig sind.

Bauspardarlehen oder Immobilienkredit?

Da die Darlehensgebühren bei Bausparverträgen nun endgültig wegfallen, wird es oft günstiger, ein Bauspardarlehen in Anspruch zu nehmen. Dennoch sollten Sie, wenn sie noch einen älteren Vertrag besitzen, genau prüfen, ob dies im konkreten Einzelfall sinnvoll ist.

Bei der Entscheidung für oder gegen ein Darlehen müssen wichtige Aspekte wie das Alter des Vertrags, die Zinskonditionen und die Frage, ob man anderswo ein günstigeres Darlehen bekommen könnte, unbedingt berücksichtigt werden.

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