Strompreis zu hoch – Anbieterwechsel leicht gemacht!

Noch immer stecken viele Haushalte in der teuren Grundversorgung ihres örtlichen Stromversorgers fest. Der komplexe Markt, das Geschäftsgebaren der Billiganbieter und die Tücken der Online-Rechner schrecken viele Kunden, die eigentlich wechseln sollten, ab. Dabei lässt sich mit einem neuen Tarif viel Geld sparen. Darauf sollten Sie achten.

Person mit Staubsauger auf einem Teppich

Das Wichtigste in Kürze

  1. Energieanbieter erhöhen regelmäßig ihre Preise.
  2. Verbraucher sollten bei zu hohen Kosten das Energieunternehmen oder zumindest den Tarif wechseln.
  3. Die Verbraucherzentrale unterstützt bei der Auswahl eines neuen Anbieters.
Stand: 19.02.2018

Mit schöner Regelmäßigkeit werden von Energieanbietern die Preise angehoben. Doch was können Sie tun, wenn die Preiserhöhung kommt? Abheften, brav zahlen und weiter machen wie bisher? Das ist eine Möglichkeit. Wir raten zum Wechsel des Anbieters.

Wechseln Sie den Energieanbieter

Der Wechsel des Anbieters stärkt den Wettbewerb. Und wenn die Reise überdies zu einem Ökostromanbieter geht, können Sie als Verbraucher zugleich etwas für den Klimaschutz tun und die Energiewende selber machen.

Wechseln ist ganz einfach: Sie suchen sich einen neuen Anbieter, kontaktieren diesen per Telefon, Internet oder Brief, und der neue Anbieter erledigt dann sämtliche Formalitäten mit dem alten Anbieter für Sie. Wichtig: Achten Sie auf die speziellen Kündigungsfristen Ihres Vertrags!

  1. Sind Sie Kunde in der Grundversorgung, können Sie Ihren Vertrag jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.
  2. Haben Sie einen anderen Vertrag, sind Sie an die vereinbarte Vertragslaufzeit gebunden. Ändert Ihr Stromanbieter jedoch seine Preise oder die Vertragsbedingungen, steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Das bedeutet: Sie können Ihren Vertrag ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Änderungen kündigen.
  3. Beziehen Sie Strom für eine Nachtspeicherheizung oder eine Wärmepumpe, können Sie Ihren Anbieter auch frei wählen.

Erst suchen, dann kündigen: Nicht erst kündigen und dann suchen, sondern umgekehrt. Suchen Sie sich erst einen neuen Anbieter und lassen Sie diesen dann den Vertrag beim alten Anbieter kündigen. Bei angekündigter Preiserhöhung oder drohender Vertragsverlängerung sollten Sie allerdings sicherheitshalber selbst kündigen. Die Kündigung sollte in Textform erfolgen (Brief oder E-Mail).  Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie  das Kündigungsschreiben per Einschreiben mit Rückschein an den Energieversorger schicken.

Einen neuen Stromversorger finden

Ermitteln Sie  aufgrund der letzten Jahresabrechnung Ihren jährlichen Stromverbrauch, der auch für die Berechnung der künftigen Abschlagszahlungen maßgeblich ist. Beziehen Sie für Ihre Kalkulation den Arbeitspreis (xx Cent/kWh) und den Grundpreis (xx Euro/Jahr) ein. Dann vergleichen Sie die Preise und Vertragsangebote verschiedener Stromversorger, dabei ist jedoch auf einige Fallstricke zu achten:

Was an Vergleichsportalen problematisch ist

  • Vergleichsportale finanzieren sich meist über Werbung und Provisionen, was dazu führt, dass einige Angebote prominenter gelistet werden, andere hingegen gar nicht auftauchen.
  • Die Erklärungen zu den einzelnen Tarifen sind oft unverständlich und teils verwirrend.
  • Die teure Grundversorgung ist als Vergleichsmodell voreingestellt und zeigt so eine hohe Geldsumme an, die eingespart werden kann.
  • Werbeangebote werden oft am Anfang der Übersichtstabelle platziert.
  • Bonuszahlungen und Rabatte für Neukunden verschleiern den richtigen Preisvergleich.

Nicht alle Vergleichsportale weisen darauf hin, dass ein geplanter Wechsel zwar ein Tarif- aber kein Anbieterwechsel ist. Ein eingerechneter Neukundenbonus würde hier nicht gewährt.

Wie Sie Vergleichsportale nutzen sollten

  • Beziehen Sie generell keinen Bonus beim Preisvergleich ein, sondern nur die Arbeits- und Grundpreise. Der Bonus-Button muss bei den Internet-Portalen immer manuell deaktiviert werden.
  • Schauen Sie bei unbekannten Anbietern auf deren Internetseiten und speziell im Impressum nach, welches Unternehmen dahinter steckt.
  • Beziehen Sie Kundenbewertungen in die Anbieterempfehlung mit ein.
  • Vor einem Vertragsabschluss sollten Sie mit dem Anbieter klären, ob Bonus oder Rabatt in Ihrem Fall gewährt werden und sich dies möglichst schriftlich bestätigen lassen.
  • Preisgarantien sollten mindestens für die Erstlaufzeit des Vertrages gelten.
  • Die Laufzeit eines Vertrages sollte nicht länger als 12 Monate sein.

Gut zu wissen: Ökostrom

Wir empfehlen Ökostrom statt konventionellen Strom. Dadurch tragen Sie persönlich dazu bei, dass der Anteil an Strom aus Kohle und Atomenergie im Strommix sinkt und der Anteil aus erneuerbaren Energien steigt. Das ist gut für den Klimaschutz und nützt Ihnen und Ihren Kindern und Enkeln. 

Die Preise für Ökostrom liegen meist noch über denen für konventionellen Strom. Doch ist der Preisunterschied geringer als noch vor einigen Jahren. Zudem: Je mehr Verbraucher sich für den umweltschonend erzeugten Strom entscheiden, desto geringer wird der Preisabstand zum konventionellen Strom.

Wenn Sie Ökostrom beziehen wollen, gehen Sie zu einem konzernunabhängigen Ökostromanbieter – also wählen Sie nicht einen Ökostrom-Tarif bei einem der vier marktbeherrschenden Konzerne (E.on, RWE, Vattenfall, EnBW) oder bei einer von deren Töchtern (z.B. E wie einfach = E.on, Yello = EnBW). 

Strom ist Strom. Aus der Steckdose kommt das Gleiche – ob man nun bei Vattenfall oder einem kleinen Ökostromanbieter ist. Alle Stromversorger speisen ihren Strom in einen großen Stromsee, ob aus Atom, Kohle, Wind oder Wasserkraft gewonnen. Dieser Strommix landet dann in den Haushalten. Will man als Verbraucher etwas für die Energiewende und den Klimaschutz tun, muss man dafür sorgen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien in dem Strommix steigt. Das geht nur, wenn man zu einem Anbieter wechselt, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bezieht. Das tun die großen Energiekonzerne in der Regel nicht. Verschiedene Gütesiegel wie das „OK Power Label“ und das „Grüner Strom Label“ helfen Ihnen bei der Auswahl.

Wenn der Wechsel nicht klappt

Anders als in den Anfangsjahren nach der Liberalisierung des Strommarkts gibt es heute kaum noch massive Behinderungen des Wechsels, etwa durch Wechselgebühren des alten Versorgers. Gleichwohl kann es durchaus zu Verzögerungen kommen. Dann sollten Sie sich umgehend an Ihren neuen Versorger wenden und notfalls auch die Bundesnetzagentur informieren. 

Die Angst, im Dunkeln zu sitzen, wenn der neue Versorger aus welchem Grunde auch immer ausfällt, ist unbegründet. Der Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, in diesem Falle Strom zu liefern. Grundversorger ist der jeweils größte Versorger am Ort – in Hamburg ist das Vattenfall. Sollte der – sehr seltene – Insolvenzfall des neuen Anbieters eintreten, zahlen Sie dann beim Grundversorger den Grundversorgungstarif, also den in der Regel teuersten Tarif. Da Sie aber innerhalb eines Monats wieder aus dem Grundversorgungsvertrag wechseln können, ist der Kosteneffekt für Sie nicht hoch.

Unser Rat

Wenn Sie Ihren Stromanbieter wechseln möchten, nutzen Sie am besten mehrere Vergleichsportale und überprüfen die Kosten mit den Angeboten auf der Website des jeweiligen Anbieters. Wenn Sie die Vertragsunterlagen erhalten überprüfen Sie, ob die Angaben mit dem Angebot im Internet übereinstimmen!

Wenn Sie nicht selbst vergleichen wollen oder andere Fragen zum Anbieterwechsel haben, können Sie sich an unsere Energie- und Klimahotline unter Tel. (040) 24832-250 wenden und beraten lassen.

Außerdem: Die konto- und klimaverträglichste Kilowattstunde ist immer noch die, die nicht verbraucht wird. Unsere Energieberatung unterstützt Sie mit Energiespartipps, dem Verleih von Strommessgeräten zum Aufspüren von Stand-by-Verlusten oder nehmen beim Basis-Stromcheck den Verbrauch bei Ihnen zuhause unter die Lupe. Dieses Angebot kostet Sie dank Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium nur 10 Euro – für einkommensschwache Haushalte ist es sogar kostenfrei. Mehr Informationen erhalten Sie an unserer  Energie- und Klimahotline.

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