Für Fitnessstudio, Musikschule oder Sportverein zahlen trotz Corona?

Fitnessstudio geschlossen. Tanzkurs abgesagt. Kein Geigenunterricht mehr. Die Corona-Krise hat die meisten Freizeitangebote zum Erliegen gebracht, doch die Beiträge wurden trotzdem jeden Monat fällig. Welche Rechte haben Verbraucher?

Gymnastik im Studio

Das Wichtigste in Kürze

  1. Grundsätzlich sind Verbraucher nicht verpflichtet, Zahlungen zu leisten, wenn eine vereinbarte Leistung nicht erbracht wird.
  2. Im Fall der Schließung aufgrund der COVID-19-Pandemie ist der Unternehmer zur Ausstellung eines Gutscheines statt Auszahlung des Geldes berechtigt. Der Corona-Vertrags-Check der Verbraucherzentrale informiert über die aktuelle Rechtslage.
  3. Die Laufzeit eines Vertrags darf wegen der Corona-Schließzeit nicht einfach verlängert werden.
  4. Mitgliedsbeiträge im Verein müssen auch dann weitergezahlt werden, wenn kein Training stattfinden kann.
Stand: 09.06.2020

In Deutschland waren viele Freizeitaktivitäten aufgrund des Coronavirus nur noch sehr eingeschränkt möglich. Sämtliche Freizeiteinrichtungen mussten schließen. Was ist mit meinen monatlichen Beiträgen, fragten sich viele?

Keine Leistung, kein Beitrag – Gutschein?

Wird eine vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbracht, müssen Sie als Kunde auch nicht zahlen. Online-Angebote sind kein Ersatz für einen Sportkurs oder den persönlichen Musikunterricht.

Dürfen Fitness- oder Yogastudios, Wellness- oder Sportclubs wegen der Corona-Krise nicht öffnen, können Sie die üblicherweise angebotenen und vertraglich vereinbarten Dienstleistungen nicht nutzen. Damit sind beide Vertragspartner (Studio/Club und Sie) von ihrer Leistungspflicht befreit. Die Folge: Als Mitglied müssten Sie daher grundsätzlich keine Beiträge mehr leisten. Das Gleiche gilt beispielsweise auch für Tanz-, Musik- oder Kunstschulen sowie Theaterclubs.

Wenn Sie für die Zeit der Schließung keine Beiträge leisten möchten, sollten Sie den Anbieter zur Erstattung auffordern. Nennen Sie dabei unbedingt einen konkreten Betrag!

Abweichend von der grundsätzlichen Regel „Keine Leistung – kein Geld“ ist am 20. Mai 2020 ein Gesetz in Kraft getreten, dass Unternehmen berechtigt, für die Zeit der Corona-bedingten Schließung einen Gutschein in Höhe der entsprechenden Summe auszustellen. Die sogenannte Gutschein-Lösung gilt für Verträge, die vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurde. Die Ausstellung des Gutscheins und die Übersendung an den Verbraucher müssen kostenfrei erfolgen. Nach Wiedereröffnung des Fitness-Studios oder einer anderen Freizeiteinrichtung können Sie den Gutschein dann einlösen. 

Wann muss ein Gutschein ausgezahlt werden?

Einen Anspruch auf Auszahlung des Gutscheinbetrags haben Sie, wenn 

  • Sie den Gutschein bis zum 31. Dezember 2021 nicht eingelöst haben oder
  • der Verweis auf einen Gutschein aufgrund Ihrer persönlichen Lebensumstände unzumutbar ist. Was bedeutet das? Die Annahme eines Gutscheins ist laut Gesetzgeber für Sie dann unzumutbar, wenn Sie ohne die Auszahlung des Gutscheinbetrags nicht in der Lage sind, existenziell wichtige Lebenshaltungskosten wie Miet- und Energierechnungen zu begleichen.

Darf die Laufzeit meines Vertrags wegen Corona verlängert werden?

Sie haben den Vertrag mit Ihrem Fitnessstudio fristgerecht gekündigt? Doch nun heißt es: Wegen Corona müssen Sie noch länger Mitglied bleiben und zwei weitere Monatsraten zahlen. Das ist unzulässig! Eine solche Vertragsverlängerung müssen Sie nicht akzeptieren.

Ihre Mitgliedschaft darf sich nicht um den Zeitraum der Schließung verlängern – auch, wenn dies einige Studios behaupten. Ein Beispiel: Sie haben Ihren Vertrag fristgerecht zum 31. August 2020 gekündigt. Dann endet der Vertrag auch zu diesem Datum. Einen Gutschein, den Sie möglicherweise für die ausgefallene Trainingsmöglichkeit erhalten haben, können Sie für den Zeitraum vor dem 31. August 2020 einlösen.

Außerordentliche Kündigung möglich? 

In kaum einem Vertrag bzw. dessen Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden Sie für Fälle wie die Corona-Pandemie eine Regelung finden. Fakt ist: Eine außerordentliche (fristlose) Kündigung ist wegen der vorübergehenden Schließung eines Freizeitangebots nicht möglich. Fitnessstudio, Musikschule etc. fallen ja voraussichtlich (und hoffentlich) nicht dauerhaft weg. Geht unser Alltag seinen gewohnten Gang, können Sie das Freizeitangebot erneut nutzen, sobald es geöffnet hat. 

Werden wesentliche Vertragsleistungen, dazu kann auch die Nutzung der Sanitäranlagen gehören, auf unbestimmte Zeit oder oder über mehrere Monate nicht erbracht, kann der Kunde aber zur fristlosen Kündigung berechtigt sein, wenn er den Anbieter zuvor erfolglos zur Leistung aufgefordert hat. 

Vereinsmitgliedschaft läuft weiter

Achtung! Bei Vereinen ist die rechtliche Situation anders: Vereine sind ein Zusammenschluss von Mitgliedern, die durch ihren Beitritt gewisse Rechte und Pflichten anerkennen. Die Mitgliedsbeiträge dienen der Förderung bzw. Erreichung des Vereinszwecks. All das ist in der sogenannten Satzung geregelt.

Aus diesem Grund sind Sie als Vereinsmitglied zur Zahlung verpflichtet – auch dann, wenn Sie die Angebote Ihres Vereins vorübergehend nicht nutzen können.

Zum Weiterlesen

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Die Pandemie hat unseren Alltag mächtig durcheinander gewirbelt. Wir haben nützliche Informationen auf einer Themenseite für Sie gebündelt. Mit unserem neuen Corona-Vertrags-Check erhalten Sie außerdem schnell und einfach Antworten auf wichtige Fragen.

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