Konzert oder Sportveranstaltung abgesagt – was nun?

Öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen sind wegen des Coronavirus zurzeit verboten. Bereits gekaufte Eintrittskarten können Sie eigentlich kostenfrei stornieren. Doch wird ein Termin nun wegen der Corona-Auflagen abgesagt, dürfen Veranstalter ihren Kunden nach einer Gesetzesänderung auch einen Gutschein über den Ticketpreis aushändigen.

Leere Ränge im Fußballstadion

Das Wichtigste in Kürze

  1. Sowohl öffentliche als auch nicht-öffentliche Veranstaltungen mit mehreren Teilnehmern sind vielerorts untersagt.
  2. Grundsätzlich haben Verbraucher bei einer Absage ein Recht auf Erstattung des Ticketpreises. Für Tickets, die vor dem 8. März 2020 erworben wurden, ist der Veranstalter aber zur Ausstellung eines Gutscheins berechtigt.
  3. Wer Tickets aus Angst vor einer Ansteckung freiwillig zurückgeben möchte, hat keinen Anspruch auf die Rückzahlung seines Geldes.
  4. Wegen der Corona-Krise können Verbraucher zahlreiche Angebote nicht nutzen. Doch wer muss zahlen, wenn die Anbieter nicht leisten können? Und wann muss man einen Gutschein akzeptieren? Der Corona-Vertrags-Check der Verbraucherzentrale hilft weiter.
Stand: 25.05.2020

Um eine weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern, wurden öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen in Deutschland bis auf weiteres untersagt. Welche Rechte haben Verbraucherinnen und Verbraucher, die von so einer Absage betroffen sind? Wir sagen's Ihnen oder Sie nutzen unseren Corona-Vertrags-Check.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird? Was ist mit Gutscheinen?

Grundsätzlich haben Sie bei einer Absage ein Recht auf Erstattung des Ticketpreises. Dabei ist es egal, ob der Veranstalter den Ausfall der Veranstaltung selbst zu verantworten hat oder nicht. Wenden Sie sich an den Veranstalter oder die Vorverkaufsstelle, wenn Sie von einer Absage betroffen sind und klären Sie, wie die Rückabwicklung erfolgt.

Der Grundsatz „Keine Leistung – kein Geld“ gilt allerdings nicht mehr, wenn die Absage der Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte. Am 20. Mai 2020 trat das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht“ in Kraft. Nach den neuen Regelungen dürfen Veranstalter Ihnen auch einen Wertgutschein statt Geld aushändigen, wenn die Absage aufgrund der Pandemie erfolgte und das Ticket vor dem 8. März 2020 erworben wurde. Für nach dem 8. März 2020 gekaufte Tickets gilt weiterhin der Anspruch auf Auszahlung des Geldes, wenn das Event nicht stattfindet.

Wichtig: Der Betrag des Wertgutscheins muss sowohl den Eintrittspreis als auch sonstige Entgelte, wie beispielsweise Vorverkaufsgebühren umfassen. Die Ausstellung und Übersendung des Gutscheins muss kostenfrei erfolgen.

Haben Sie den Gutschein bis zum 31. Dezember 2021 nicht eingelöst, muss Ihnen das Geld ausgezahlt werden. Das ist auch dann der Fall, wenn der Verweis auf einen Gutschein als unzumutbar gilt. Das betrifft beispielsweise eine Veranstaltung, die im Rahmen einer Urlaubsreise besucht werden sollte und ein Nachholtermin somit nur unter Aufwendung hoher Reisekosten wahrgenommen werden könnte. Unzumutbar ist ein Gutschein auch dann, wenn Betroffene ohne die Auszahlung des Gutscheinbetrags nicht in der Lage ist, existenziell wichtige Lebenshaltungskosten wie Miet- und Energierechnungen zu begleichen. 

Wie ist es mit den Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer?

Hier kommt es darauf an, ob Sie das Hotelzimmer und das Veranstaltungsticket zusammen bei einem Anbieter gekauft haben. Entfällt die Veranstaltung, können Sie von der gesamten Reise kostenlos zurücktreten.

Haben Sie Hotel und Veranstaltung jedoch separat gebucht, ist die rechtliche Lage komplizierter. Unter bestimmten Umständen hat der Veranstalter bei einer Absage entstandenen Schäden zu ersetzen, beispielsweise die Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer und bereits bezahlte Fahrtkosten. Dies gilt jedoch nur, wenn der Veranstalter Schuld an dem Ausfall trägt. Dies ist bei einer Absage aufgrund einer behördlichen Anordnung nicht der Fall.

Muss ich die Verschiebung einer Veranstaltung hinnehmen?

Die Verschiebung einer Großveranstaltung müssen Sie grundsätzlich nicht hinnehmen.

Anders verhält es sich mit Veranstaltungen, deren Tickets ohne ein Veranstaltungsdatum verkauft oder lediglich ein bestimmter Zeitraum oder gar mehrere Alternativtermine genannt wurden. In diesem Fall erfolgt eine Erstattung in der Regel nur dann, wenn die Veranstaltung während des gesamten Zeitraums nicht durchgeführt werden kann. Auch hier gelten für Tickets, die vor dem 8. März 2020 erworben wurden die Regelungen der sog. Gutscheinlösung, wenn die Veranstaltung Corona bedingt ausfällt.

Welche Rechte habe ich als Besitzer einer Dauerkarte?

Auch bei Dauerkarten lässt sich der Preis für ein einzelnes Spiel oder eine einzelne Veranstaltung errechnen. Besitzer von Dauerkarten den anteiligen Preis für die abgesagte Veranstaltung zurückfordern. Das gilt auch, wenn dies in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) anders steht.

Wurde die Dauer- oder Abokarte vor dem 8. März 2020 erworben, ist der Anbieter berechtigt, einen Wertgutschein über den Erstattungsbetrag auszustellen. Auch hier ist selbstverständlich Voraussetzung, dass die Absage aufgrund der COVID- 19 Pandenmie erfolgte.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich Tickets zurückgebe?

Nein, Sie haben kein Recht auf die Erstattung des Kaufpreises, wenn Sie Tickets aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zurückgeben. Die Angst vor einem Virus ist kein Grund, von einem bestehenden Vertrag zurücktreten zu können. Aber: Fragen kostet nichts. Setzen Sie sich mit dem Veranstalter in Verbindung und hoffen Sie Sie auf dessen Kulanz.

Zum Weiterlesen

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag mächtig durcheinander gewirbelt. Wir haben nützliche Informationen auf einer Themenseite für Sie gebündelt. Mit unserem neuen Corona-Vertrags-Check erhalten Sie außerdem schnell und einfach Antworten auf wichtige Fragen.

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