Konzert oder Sportveranstaltung abgesagt – was nun?

Veranstaltungen sind wegen der Corona-Pandemie zurzeit verboten. Nun wurden erneut die großen Sommer-Festivals abgesagt. Bereits gekaufte Eintrittskarten können Sie kostenfrei stornieren. Doch Veranstalter dürfen ihren Kunden auch einen Gutschein über den Ticketpreis aushändigen. Das sollten Sie wissen.

Konzert bei Festival

Das Wichtigste in Kürze

  1. Bei der Absage einer Veranstaltung muss grundsätzlich der Ticketpreis erstattet werden. Für Tickets, die vor dem 8. März 2020 erworben wurden, ist der Veranstalter aber zur Ausstellung eines Gutscheins berechtigt.
  2. Wurden Tickets bei einem Wiederverkäufer erworben, kann gegen diesen ein Anspruch auf Zahlung bestehen, wenn die Veranstaltung ausfällt.
  3. Wer Tickets aus Angst vor einer Ansteckung freiwillig zurückgeben möchte, hat keinen Anspruch auf die Rückzahlung seines Geldes.
  4. Mit dem Corona-Vertrags-Check der Verbraucherzentrale können Ratsuchende die aktuelle Rechtslage prüfen.
Stand: 19.03.2021

Ob Musik-, Sport-, Kultur- oder Freizeitveranstaltung – öffentliche und nicht-öffentliche Veranstaltungen sind in Deutschland weiterhin untersagt. Doch welche Rechte haben Verbraucherinnen und Verbraucher, die von einer Absage betroffen sind? Wir sagen's Ihnen.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn eine Veranstaltung abgesagt wird? Was ist mit Gutscheinen?

Grundsätzlich haben Sie bei einer Absage ein Recht auf Erstattung des Ticketpreises. Es gilt der Grundsatz „Keine Leistung – kein Geld“. Dabei ist es egal, ob der Veranstalter den Ausfall der Veranstaltung selbst zu verantworten hat oder – wie im Falle von Corona – nicht. Wenden Sie sich an den Veranstalter oder die Vorverkaufsstelle, wenn Sie von einer Absage betroffen sind und klären Sie, wie die Rückabwicklung erfolgt.

Mit dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht“ traten neue Regelungen in Kraft, wonach Ihnen Veranstalter auch einen Wertgutschein statt Geld aushändigen dürfen, wenn die Absage aufgrund der Pandemie erfolgte und Sie Ihr Ticket vor dem 8. März 2020 erworben haben.

Wie es sich bei der Übertragung eines ursprünglich für 2020 geltenden Tickets (vor dem 8. März 2020 gekauft) auf einen Nachholtermin in 2021 verhält, wurde letztes Jahr nicht explizit mitgeregelt. Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich um eine Weiterführung des alten Tickets handelt und Veranstalter daher auch Gutscheine ausstellen dürfen. Allerdings könnte dann ein Auszahlungsanspruch bestehen, wenn Sie bereits einen Gutschein erhalten hatten und mit diesem nach dem 8. März 2020 selbst aktiv eine Nachholtermin gebucht haben.

Für nach dem 8. März 2020 gekaufte Tickets gilt weiterhin der Anspruch auf Auszahlung des Geldes, wenn das Event nicht stattfindet. Geld müssen Sie auch dann erhalten, wenn der Verweis auf einen Gutschein als unzumutbar gilt. Das betrifft beispielsweise eine Veranstaltung, die Sie im Rahmen einer Urlaubsreise besuchen wollten. Ein Nachholtermin wäre nur unter Aufwendung hoher Reisekosten möglich. Unzumutbar ist ein Gutschein auch dann, wenn Sie ohne die Auszahlung des Gutscheinbetrags nicht in der Lage sind existenziell wichtige Lebenshaltungskosten wie Miet- und Energierechnungen zu begleichen.

Wichtig: Der Betrag eines Wertgutscheins muss sowohl den Eintrittspreis als auch sonstige Entgelte, wie beispielsweise Vorverkaufsgebühren umfassen. Die Ausstellung und Übersendung des Gutscheins sollte kostenfrei erfolgen. Haben Sie den Gutschein bis zum 31. Dezember 2021 nicht eingelöst, muss man Ihnen Ihr Geld auszahlen.

Was ist, wenn ich die Tickets bei einem Wiederverkäufer erworben habe?

Wenn Sie Ihre Tickets nicht direkt beim Veranstalter oder über einen Vermittler, sondern von einem Wiederverkäufer erworben haben, können Sie nach einem Urteil des Amtsgerichts Bremen vom 2. Oktober 2020 (Az. 9 c 272/20) von diesem Ihr Geld zurückverlangen, wenn das Event ausfällt. Anders als beim Kauf über eine Vermittlungsagentur kommt der Vertrag in diesen Fällen nämlich nicht mit dem Veranstalter, sondern mit dem Wiederverkäufer – auch Kommissionär genannt – zustande. Fällt die Veranstaltung aus, besteht Ihr Rückzahlungsanspruch daher gegenüber dem Verkäufer der Tickets, nicht gegenüber dem Veranstalter.

Wiederverkäufer können sich nicht auf den Schutz des „Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsrecht“ berufen. Das bedeutet: Sie dürfen vom Wiederverkäufer nicht nur einen Gutschein erhalten, sondern man muss Ihnen Ihr Geld tatsächlich zurückzahlen. Die sogenannte Gutscheinlösung soll nach dem Willen des Gesetzgebers lediglich Konzertveranstalter, nicht aber gewerbliche Tickethändler schützen.

In zwei weiteren Entscheidungen (Urteil vom 1. Dezember 2020; Az. 8 C 358/20 und Urteil vom 8. Dezember 2020; Az. 18 C 99/20) verneinten andere Abteilungen des Amtsgerichts Bremen allerdings einen Zahlungsanspruch gegen den Wiederverkäufer / Kommissionär. Nach Ansicht der Richter besteht im Fall des Veranstaltungsausfalls lediglich ein Anspruch gegen den Veranstalter. Gegen beide Entscheidungen wurde – aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung des Rechtsstreits sowie zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung – die Berufung zugelassen

Wie ist es mit den Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer?

Hier kommt es darauf an, ob Sie das Hotelzimmer und das Veranstaltungsticket zusammen bei einem Anbieter gekauft haben. Entfällt die Veranstaltung, können Sie von der gesamten Reise kostenlos zurücktreten.

Haben Sie Hotel und Veranstaltung jedoch separat gebucht, ist die rechtliche Lage komplizierter. Unter bestimmten Umständen hat der Veranstalter bei einer Absage entstandenen Schäden zu ersetzen, beispielsweise die Kosten für ein gebuchtes Hotelzimmer und bereits bezahlte Fahrtkosten. Dies gilt jedoch nur, wenn der Veranstalter Schuld an dem Ausfall trägt. Dies ist bei einer Absage aufgrund einer behördlichen Anordnung nicht der Fall.

Muss ich die Verschiebung einer Veranstaltung hinnehmen?

Die Verschiebung einer Großveranstaltung müssen Sie grundsätzlich nicht hinnehmen.

Anders verhält es sich mit Veranstaltungen, deren Tickets ohne ein Veranstaltungsdatum verkauft oder lediglich ein bestimmter Zeitraum oder gar mehrere Alternativtermine genannt wurden. In diesem Fall erfolgt eine Erstattung in der Regel nur dann, wenn die Veranstaltung während des gesamten Zeitraums nicht durchgeführt werden kann. Auch hier gelten für Tickets, die vor dem 8. März 2020 erworben wurden die Regelungen der sogenannten Gutscheinlösung, wenn die Veranstaltung corona-bedingt ausfällt.

Welche Rechte habe ich als Besitzer einer Dauerkarte?

Auch bei Dauerkarten lässt sich der Preis für ein einzelnes Spiel oder eine einzelne Veranstaltung errechnen. Besitzer von Dauerkarten den anteiligen Preis für die abgesagte Veranstaltung zurückfordern. Das gilt auch, wenn dies in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) anders steht.

Wurde die Dauer- oder Abokarte vor dem 8. März 2020 erworben, ist der Anbieter berechtigt, einen Wertgutschein über den Erstattungsbetrag auszustellen. Auch hier ist selbstverständlich Voraussetzung, dass die Absage aufgrund der COVID-19-Pandemie erfolgte.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich Tickets zurückgebe?

Nein, Sie haben kein Recht auf die Erstattung des Kaufpreises, wenn Sie Tickets aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zurückgeben. Die Angst vor einem Virus ist kein Grund, von einem bestehenden Vertrag zurücktreten zu können. Aber: Fragen kostet nichts. Setzen Sie sich mit dem Veranstalter in Verbindung und hoffen Sie Sie auf dessen Kulanz.

Zum Weiterlesen

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag mächtig durcheinander gewirbelt. Wir haben nützliche Informationen auf einer Themenseite für Sie gebündelt. Mit unserem neuen Corona-Vertrags-Check erhalten Sie außerdem schnell und einfach Antworten auf wichtige Rechtsfragen im Corona-Alltag.

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