Reiseärger wegen Covid-19

Das Coronavirus hat sich rund um den Globus ausgebreitet. Viele geplante Pauschalreisen können daher eigentlich kostenfrei storniert werden. Doch so einfach macht man es ihnen nicht. Stattdessen soll es Gutscheine geben.

Flugzeug am Abend

Das Wichtigste in Kürze

  1. Gebuchte Pauschalreisen können bei Katastrophen durch höhere Gewalt im Reiseland kostenfrei storniert werden. Schwere Ausbrüche gefährlicher Krankheiten wie Covid-19 können dazu zählen.
  2. Das Auswärtige Amt warnt wegen Covid-19 aktuell vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland. Die Reisewarnung gilt bis zum 14. Juni 2020.  
  3. Urlauber können laut geltendem Recht Pauschalreisen ins Ausland kostenfrei stornieren. Für Individualreisende greifen andere Regelungen.
  4. Viele Verbraucher fragen sich bereits, was aus ihrem Sommerurlaub wird. Wir beantworten wichtige Fragen.
Stand: 14.05.2020

Aufgrund des Coronavirus hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung bis einschließlich 14. Juni ausgesprochen. Es rät von nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland ab, da weiterhin mit drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern zu rechnen ist. Das Risiko, dass Urlauber ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Gebieten derzeit hoch.

Kostenfreie Stornierung von Reisen möglich

Pauschalreisen: Nach der offiziellen weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes können Sie Ihre Reise ins Ausland eigentlich kostenfrei stornieren – wenn Sie eine Pauschalreise gebucht haben. Eine Pauschalreise besteht immer aus zwei touristischen Hauptleistungen, also etwa den Übernachtungen in einem Hotel und dem Flug. Ist der Urlaub bereits bezahlt, müssen Sie Ihr Geld zurückerhalten. Das gilt aktuell für Reisen, die bis einschließlich 14. Juni 2020 stattfinden sollten. Der Sommerurlaub im Juli und August lässt sich momentan also noch nicht ohne finanzielle Verluste absagen.

Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter auf, um die weiteren Schritte zu besprechen und bleiben Sie hartnäckig! Leider melden sich bei uns zurzeit viele Verbraucher, die gerne ihr Geld wiedersehen möchten, doch man wimmelt sie ab, vertröstet auf später oder bietet Gutscheine an. Oft sind die betroffenen Unternehmen auch gar nicht zu erreichen.

Individualreisen: Für Reisende, die Ferienhaus, Hotel oder Flug separat gebucht haben, gelten die grundsätzlichen Regelungen des Pauschalreiserechts nicht. Können Sie als Urlauber Ihr Ziel aufgrund eines Einreiseverbots und der Lage der Unterkunft in einem Sperrgebiet allerdings nicht erreichen, können Sie ihre Unterkunft stornieren und müssen Ihr Geld ebenfalls zurückbekommen. Wichtig: Es muss deutsches Recht für die Buchung gelten.

Schicken Sie einen Protest-Brief an die Politik!

Die Rückzahlungspflicht der Unternehmen soll laut Plänen der Bundesregierung durch ein Gutschein-Modell ersetzt werden und für alle vor dem 8. März 2020 gebuchten Reisen gelten. Doch ob die Ausgabe von Gutscheinen legitim ist, muss auf europäischer Ebene entschieden werden.

Wir meinen: „Zwangsgutscheine“ sind nicht der richtige Weg. Reisende sollten zumindest die Wahl zwischen einem Gutschein mit staatlicher Insolvenzabsicherung und der Auszahlung ihres Geldes haben. Auch der zuständige EU-Justizkommissar Didier Reynders sieht verpflichtende Gutscheine kritisch. Das deutsche Justizministerin sucht jetzt nach einer Lösung, die mit dem EU-Recht vereinbar ist.

Wenden Sie sich mit unserem Musterbrief direkt an Ihren Abgeordneten im Deutschen Bundestag oder im Europäischen Parlament und fordern Sie ihn oder sie auf, sich gegen eine Gutschein-Lösung auszusprechen.

Flugpreis muss erstattet werden

Wird Ihr Flug annulliert, erhalten Sie selbstverständlich den Ticketpreis zurück. Ob Ihnen darüber hinausgehende Ansprüche auf Ausgleichszahlungen zustehen, lässt sich nicht pauschal beurteilen, sondern ist im Einzelfall zu prüfen. Wird Ihr Flug durchgeführt, aber Sie können aufgrund eines Einreiseverbots wegen Covid-19 das Zielland nicht erreichen, ist Ihnen nach unserer Auffassung im Fall einer Stornierung der Flugpreis zu erstatten.

Doch auch hier knirscht es im Getriebe. Viele Fluggesellschaften leisten keine Rückzahlungen, sondern stellen Gutscheine aus. Doch geht die Airline pleite, ist der Gutschein nichts mehr wert und Verbraucher haben das Nachsehen. Einige Unternehmen beziehen sich in ihrer Argumentation auf einen Beschluss der Bundesregierung. Dieser Beschluss war aber lediglich der Wunschzettel der Bundesregierung an die EU-Kommission, die bestehenden rechtlichen Regelungen im Bereich Flug und Pauschalreise zugunsten eines verpflichtenden Gutschein-Modells abzuändern. Diesem Vorschlag hat die EU-Kommission eine Absage erteilt. Nur eine freiwillige Gutschein-Lösung darf es geben.

Entscheiden sich Kunden für einen Gutschein statt einer Erstattung des Geldes, so muss sichergestellt sein, dass dieser gegen die Insolvenz der Airline bzw. des Reiseveranstalters abgesichert ist. Einzelne EU-Länder, die national bereits eine verpflichtende Gutschein-Lösung eingeführt hatten, erhielten Post aus Brüssel, in der sie zur Einhaltung der (zwingenden) EU-Regeln aufgefordert wurden.

Unser Angebot

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Vor allem in Sachen Reisen sind noch viele Fragen offen. Haben Sie ein Problem mit Ihrem Reiseanbieter oder wissen nicht, was in Ihrem Fall zu tun ist. Dann kontaktieren Sie unsere Experten telefonisch oder per E-Mail. Alle Kontaktdaten finden Sie am Ende dieser Seite.

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